Coronaferien

So gelingt Home-Office mit Kind

In vielen Bundesländern haben Schulen und Kindergärten aufgrund der Corona-Epidemie geschlossen. Berufstätigen Eltern steht eine extrem herausfordernde Zeit bevor. Eine Expertin hat uns ihre ganz persönlichen Tipps verraten, wie man trotz Kind effektiv im Home-Office arbeiten kann.

Luisa Hanke ist seit sieben Jahren alleinerziehende Mutter. Als ihre Tochter sechs Monate alt war, hat sie angefangen zu studieren, später hat sie sowohl in Festanstellung als auch in der Selbstständigkeit viel im Home-Office gearbeitet – auch wenn ihre Tochter über längere Zeiträume zu Hause war. Im Schnitt kommt sie auf fünf bis sechs Stunden Arbeit am Tag und schafft – mit den richtigen Methoden zum Zeitmanagement und einer guten Vorbereitung – manchmal mehr als an einem ganzen Tag im Büro. Die Tipps, die sie uns für Home-Office mit Kind verrät, sind also bestens erprobt. 

Macht euch einen Plan

Um eine gute Übersicht über die kommenden Wochen zu erhalten, macht euch einen Wochenplan! Und notiert darin die folgenden Infos:  

  • Schlafens- und Ruhezeiten der Kids 
  • Zeiten, in denen der Partner die Betreuung übernehmen kann
  • Zeiten, wann ihr selbst für die Kinderbetreuung zuständig sein könnt
  • Zeiten einer weiteren Person, die ggf. einspringen kann
  • ggf. Zeiten für Hörspiele und Fernsehen 

Wenn meine Tochter zu Hause ist, während ich arbeite, hört sie beim Spielen häufig Hörspiele und darf in dringenden Fällen auch mal anderthalb bis zwei Stunden einen Film oder Serien anschauen.

Bereitet euch darauf vor, fragmentiert zu arbeiten. Also in verschiedenen kleineren Zeitfenstern über den Tag verteilt, je nachdem, wie es eure individuelle Situation zulässt. Fangt an, auch kurze Zeiteinheiten als effektive Arbeitszeit zu schätzen.

Ich möchte alle Eltern, die das Privileg haben, einen Partner an ihrer Seite zu haben, dazu ermutigen, sich in dieser Zeit partnerschaftlich unter die Arme zu greifen und sich die Kinderbetreuung und Arbeit fair aufzuteilen. Der Coronavirus kann nicht ein zusätzlicher Nachteil für Mütter auf dem Arbeitsmarkt werden!

Findet euer ganz individuelles Modell

  1. Wenn ihr alle Spalten ausgefüllt habt, könnt ihr schauen, wie ihr die Betreuungs- und Arbeitszeiten in den kommenden Tagen und Wochen aufteilt: Welche Tageszeiten könnt ihr jeweils gut zum Arbeiten nutzen? Wann habt ihr Fokusarbeitszeiten, in denen ihr hoch konzentriert arbeiten könnt, und wann gibt es Arbeitszeiten, in denen das Unterbrechungsrisiko höher ist und ihr eher leichte Aufgaben erledigt?
  2. Je jünger die Kids, desto mehr würde ich versuchen, ungestörte Arbeitszeit herauszuschlagen, notfalls früh morgens oder am Abend. Fragt euch, ob es in eurer Situation leichter ist, um fünf Uhr morgens aufzustehen und euch für zwei Stunden an den Schreibtisch zu setzen. Das Gute am Home-Office ist ja, dass ihr euch morgens nicht in Eile fertig machen müsst, die Kinder länger schlafen können und ihr euch sämtliche Wege spart. Wenn ich um fünf Uhr morgens mit einem Kaffee und im Schlafanzug am Schreibtisch sitze, komme ich meist auf drei ungestörte Stunden Arbeit und freue mich dann auf meine erste Kuschel- und Frühstückspause. Hierbei ist es hilfreich, wenn das andere Elternteil, falls vorhanden, die morgendliche und abendliche Betreuung übernimmt. Also mit den Kids aufsteht, sie fertig macht und ins Bett bringt. So könnt ihr den Morgen und/oder Abend nutzen, um euch zurückzuziehen und zu arbeiten. Aber auch, wenn keine Partner da sind, die unterstützen und die Kids doch schon um sechs Uhr zu euch an den Schreibtisch marschieren, reicht es erst mal aus, die Kids zu begrüßen und zu kuscheln, aber am Rechner sitzen zu bleiben. Vielleicht suchen die Kids sich ja eine eigene Beschäftigung oder setzen sich mit einem kleinen Snack erst mal in Ruhe neben euch an den Schreibtisch, sodass ihr zumindest den aktuellen Arbeitsschritt in Ruhe beenden könnt.
  3. Wenn das Arbeiten am Morgen für euch gar nicht funktioniert, dann ist vielleicht der Abend eine bessere Zeit dafür. Als ich studiert habe und meine Tochter noch klein war und früh geschlafen hat, habe ich jeden Abend von 20 Uhr bis 23 Uhr meine Hausarbeiten geschrieben und diese ungestörte Arbeitszeit sehr genossen. Das Geheimnis im Vorankommen gerade von größeren und komplexeren Arbeitsschritten lag für mich darin, konsequent jeden Tag dann zu arbeiten, wenn auch nur für eine kurze Zeit.
  4. Teilt ihr euch die Betreuung mit euren Partnern oder Unterstützern lieber stundenweise oder tageweise auf? Die erste Option bezieht sich darauf, dass ihr täglich verkürzt arbeitet, also beispielsweise ein Elternteil vormittags fünf Stunden und der andere nachmittags fünf Stunden. Die zweite Option würde bedeuten, dass jeweils ein Elternteil abwechselnd einen vollen Tag die Kinder betreut. So könnt ihr jeweils einen Tag voll durcharbeiten und übernehmt am nächsten Tag die Kinderbetreuung. Eventuell nehmt ihr noch den Samstag als halben Arbeitstag mit dazu, um auf eure Wochenstunden zu kommen, wenn das eure Priorität ist. Ansonsten könnt ihr auch mit dem Arbeitgeber besprechen, Minusstunden aufzubauen. Schaut, was für euch am besten ist.

Home-Office mit Kind am besten am Abend vorbereiten

Einen Home-Office-Tag mit meiner Tochter plane ich bereits am Abend zuvor. Ich schreibe mir eine Liste mit allen To-Dos auf – das dauert nicht länger als zehn Minuten. Diese ist meist hoffnungslos zu lang. Also setze ich Prioritäten nach dem Eisenhower-Prinzip. Diese Methode hilft euch, alle anfallenden Arbeiten nach Wichtigkeit in vier Kategorien zu unterteilen.

  1. Was muss dringend erledigt werden oder hat eine naheliegende Deadline? 
  2. Was ist wichtig, aber nicht dringend und kann zu einem späteren Termin fertig gestellt werden? 
  3. Welche Aufgaben können delegiert werden? 
  4. Was ist unwichtig und kann ggf. wegfallen? 

Wenn ich alle To-Dos aufgeschrieben und priorisiert habe, muss ich mich am nächsten Tag nur noch hinsetzen und konsequent abarbeiten, was ansteht. Das spart mir enorm viel Zeit und hilft mir, fokussiert zu bleiben.

Auch die Spielzeit meiner Tochter bereite ich vor. Ich stelle Snacks und Getränke bereit, Spielsachen, Hörspiele, Musik, Kuschelhöhle usw. und platziere alles so, dass sie alleine an die Sachen rankommt. Je nach Bedürfnis der Kids ist es auch hilfreich zu schauen, ob sie gerne alleine in ihren Zimmern sind oder sich lieber im gleichen Raum aufhalten. Entsprechend plane ich Ohropax oder Kopfhörer für mich selbst mit ein. Je nach Interesse meiner Tochter habe ich schon Bastelstationen am Ende meines Schreibtisches aufgebaut oder ihr einen alten Computer hingestellt, auf dem sie herumtippen kann, um auch Büro zu spielen. Manchmal genießt sie es auch einfach, dass sie sich komplett frei im Spiel entfalten kann. Hilfreich für mich ist in solchen Phasen, dass ich mich bewusst dafür entscheide, mich von dem entstehenden Chaos nicht stören zu lassen. 

Arbeitszeit ist Arbeitszeit – aber es muss nicht alles perfekt laufen

Wenn ich arbeite, ist es okay, wenn meine Tochter zwischendurch etwas von mir möchte. Ich höre ihr gerne zu, wenn sie mir etwas erzählen oder zeigen will. Aber ich stehe nur im absoluten Notfall vom Schreibtisch auf. Mittlerweile sage ich auch ohne schlechtes Gewissen, dass ich jetzt nicht kann, weil ich arbeite und mir später für sie Zeit nehme. Selbst wenn sie noch mehrere Male nachfragen sollte, gebe ich ihr immer wieder die gleiche Antwort: "Jetzt nicht, ich arbeite, später habe ich Zeit dafür." Meine Tochter hat sich so früh daran gewöhnt, sich selbst eine Beschäftigung zu suchen – auch wenn das Resultat vor einigen Jahren mal eine bunt bemalte Kinderzimmerwand war, die ich dann nach dem Arbeiten vorgefunden habe.

Unsere Kinder können auch mal etwas alleine machen. Meine Tochter bekam lange den Arbeitsplatz neben mir und dachte, dass sie meine Assistentin ist und die vielen bunten Bilder für mein Projekt malt.

Wenn es doch mal dazu kommen sollte, dass ich vom Schreibtisch aufstehen muss, weil sie sich wehgetan hat oder frustriert ist, dann hilft es mir sehr, einmal kurz tief durchzuatmen und Druck abzulassen. Wenn wir von unseren Kindern im Arbeitsfluss unterbrochen werden, denken wir oft, dass wir jetzt gar nichts mehr auf die Reihe bekommen und fühlen uns gestresst. Diese Einstellung hilft uns nicht weiter! Mal Hand aufs Herz: Wie oft werden wir im Büro von unseren Kollegen angesprochen, checken unser Handy oder lassen uns vom World Wide Web ablenken? Das ist für uns ganz selbstverständlich und löst keinen Stress aus. Meine Erfahrung ist, dass wir Aufgaben gut abarbeiten können, selbst wenn unsere Kids uns unterbrechen. 

Das Geheimnis liegt darin, kleine Zeiteinheiten wertzuschätzen und zu nutzen. Und Arbeitseinheiten, die voller Unterbrechungen sein können, mit Arbeitseinheiten zu kombinieren, in denen wir vollkommen ungestört sind. 

Mit Gelassenheit und Konsequenz durch den Arbeitsalltag

Ein Gamechanger beim Arbeiten im Home-Office mit Kind ist für mich die Pomodoro-Methode. Erst arbeitet man 25 Minuten fokussiert und macht dann fünf Minuten Pause. Diese kleine Auszeit soll man aber nicht fürs Surfen oder Ähnliches benutzen, sondern sich gezielt entspannen, beispielsweise mit ein paar Atemzügen am Fester. Nach vier Durchläufen gibt es eine Pause von 15 Minuten. Je nach Zustand der Kinder kann die Pause auch etwas länger sein, 30 Minuten oder eine ganze Stunde zum Mittagessen. Wenn es danach noch einmal mit vier kurzen Durchläufen weitergeht, sind insgesamt schon vier Stunden auf dem Arbeitskonto. 

Ich finde diese Methode wunderbar, um mit Kindern zu Hause zu arbeiten. Denn 25 Minuten sind eine Zeitspanne, in der sich auch kleinere Kinder gut selbst beschäftigen können. Außerdem fällt es mir leichter, meine Tochter auf die naheliegende Pause zu vertrösten. Und die Methode gibt mir die nötige Struktur, um immer wieder fokussiert an meinen Rechner zu gehen. 

Gelassenheit und Konsequenz sind mein Schlüssel zum Erfolg im Home-Office mit Kind: Es braucht nicht nur ein gutes Zeitmanagement, sondern ein ebenso gutes Stressmanagement.

Je entspannter und gelassener wir in diesem Prozess sind und mit unerwarteten Unterbrechungen umgehen, desto entspannter sind meist auch unsere Kids. Denn Kinder sind fühlende Wesen und nehmen unsere Laune sehr stark wahr und reagieren darauf: Wenn wir gestresst sind, drehen sie meist noch mehr auf, wenn wir unentschlossen sind, dann fordern sie uns heraus. Gelassenheit und Konsequenz helfen mir in solchen Phasen am besten weiter. Dann kann ich meiner Tochter außerhalb meiner Arbeitsphasen die volle Aufmerksamkeit schenken und die gemeinsame Zeit mit Kuscheln, Lachen und Spielen viel mehr genießen.

Unsere Expertin

Luisa Hanke arbeitet als Systemischer Personal- und Business-Coach und ist Gründerin der Unternehmens- und Elternberatung Vereinbarkeits LAB. Ihr Ziel ist es, Unternehmen familienfreundlich zu machen und Eltern dabei zu unterstützen, ihr Leben mit Familie und Beruf erfüllt und erfolgreich zu gestalten. Austausch und Anregungen zum Thema Homeoffice mit Kind gibt es auch in ihrer Facebook-Gruppe.

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