Corona-Ausnahmenzustand

Hilfe, ich darf nicht mehr zum Arzt!

Ein lang anhaltender Husten und eine Mail von der Kita, in der vor Pneumokokken gewarnt wird, verunsichern unsere Autorin. Aufgrund ihrer Symptome darf sie aber nicht zum Arzt. Wie sich das Coronavirus schon jetzt auf unser Gesundheitssystem auswirkt ...

Ich habe seit ziemlich genau zwei Wochen Husten. Das ist nichts Ungewöhnliches – mein Sohn schleppt regelmäßig Viren und Bakterien aus der Kita an. Und da er kurz vor mir mit dem Husten begonnen hat, habe ich mich also vermutlich mal wieder bei ihm angesteckt. Doch dieser Husten ist irgendwie anders. Er wird nicht wirklich besser, sitzt sehr fest und lässt mich gerade nachts kaum zur Ruhe kommen. Teilweise muss ich so stark husten, dass ich mich übergeben muss. Und dabei bekomme ich kaum Luft.

Vorgestern haben wir dann eine Mail von der Kita bekommen: Kurz nach der Schließung musste eines der anderen Krippenkinder ins Krankenhaus. Diagnose: Pneumokokken und RS-Virus. Beide Erreger können zu einer Lungenentzündung führen. Und die will man in Zeiten des Coronavirus ja nun wirklich nicht haben! 

Nach einer erneut durchgehusteten Nacht rief ich gestern, leicht besorgt, in meiner Hausarzt-Praxis an und schilderte meinen Verdacht, mich eventuell mit den Kita-Viren infiziert zu haben. Aufgrund des Hustens wurde mir direkt untersagt, die Praxis aufzusuchen. Das kann ich gut verstehen – im Moment kann man wirklich nicht vorsichtig genug sein. Meine Hausärztin rief mich dann kurze Zeit später zurück und fragte mich, ob ich auch Fieber hätte. Ich verneinte. Ob ich in einem Riskogebiet gewesen sei? Ich verneinte erneut. Ob ich Kontakt mit einer auf Corona positiv getesteten Person gehabt hätte? Noch mal nein. Drei Mal nein, ein Mal ja – der Husten. Für eine vernünftige Diagnose müsste ich in die Praxis kommen, um einen Abstrich machen zu lassen. Das darf ich aber nicht. Das Risko sei wegen meines Hustens zu hoch. 

Nun habe ich also zwei Möglichkeiten:
1. Einen Corona-Test auf eigene Kosten zu machen. Wenn dieser negativ ausfällt, darf ich die Praxis aufsuchen und mich behandeln lassen. Da ich in keinem Riskikogebiet und mit keiner positiv getesteten Person Kontakt hatte, zahlt meine Krankenkasse den Test nicht. 
2. Abwarten und Tee trinken – im wahrsten Sinne des Wortes. Zusätzlich dreimal täglich inhalieren und zweimal täglich feucht-warme Brustwickel machen. Husten könne sehr langwierig sein, so meine Hausärztin. 

Das mag sein, vielleicht leide ich ja wirklich nur einer herkömmlichen Erkältung? Aber was, wenn nicht? Sollte ich mich mit Pneumokokken infiziert haben, bräuchte ich ein Antibiotikum. Wirklich ernst genommen fühle ich mich nicht. Denn natürlich nehme ich seit über einer Woche Hustensaft, trinke literweise Tee, um den Schleim zu lösen, lutsche Hustenbonbons und gehe an der frischen Luft spazieren. Gebracht hat das bisher allerdings überhaupt nichts. Das Gefühl, gerade keine ärztliche Hilfe zu bekommen, fühlt sich verdammt blöd an. 

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Auch ohnmächtig ist man derzeit nicht "krank genug"

Als ich in der morgendlichen Telefonkonferenz berichte, dass ich nicht zum Arzt gehen darf, erzählt eine Kollegin, dass ihre Schwester gestern zu Hause umgekippt sei. Ihr Mann habe dann den Notarzt verständigt. Die Sanitäter rückten verständlichweise in Schutzkleidung von Kopf bis Fuß an. Für die Kinder ein Horror-Szenario: Sie weinten, hatten Angst! 

Nach einer kurzen Befragung wurde dann durch den Notarzt festgestellt, dass die Mama nicht "krank genug" sei, um mit ins Krankenhaus genommen zu werden. Sie solle sich besser zu Hause ein paar Tage ausruhen. Und ihr wurde dringend geraten, einen Coronavirus-Test zu machen – das sei wegen mangelnder Kapazitäten aber erst drei Tage später möglich. 

Hoffentlich hält das Gesundheitssystem

Solche Geschichten machen mir Angst! Was passiert, wenn man dieser Tage wirklich mal richtig krank werden sollte? Oder einen schweren Unfall hat? Oder es meinem Sohn so schlecht gehen sollte, dass wir schnell auf ärztliche Hilfe angewiesen sind? 

Ich will nicht jammern! Es gibt gerade bestimmt zig-tausende Menschen auf der Welt, denen es schlechter geht als mir. Und ich verstehe auch, dass die Kapazität der Krankenhäuser begrenzt ist und dass sowohl Ärzte als auch Krankenhausbetten schwer erkrankten Menschen vorbehalten sein sollten. Aber das ungute Gefühl bleibt trotzdem! Ich kann nur hoffen, dass #flattenthecurve Wirkung zeigt und unser Gesundheitssystem standhält – um die am Coronavirus erkrankten Patienten zu behandeln. Aber auch alle anderen! 

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Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist Chefredakteurin bei Leben & erziehen. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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