Aufgrund der Coronakrise: Eltern in Not

Wo bleibt die finanzielle Hilfe für Familien?

Kurzarbeit aufgrund von Corona, aber keine finanzielle Hilfe in Sicht. Wir haben eine zweifache Mama zu ihrer Lage befragt.

Normalerweise arbeitest du als Mutter von zwei Kindern in Teilzeit in einem Modegeschäft. Dieses musste aufgrund der Coronakrise vorübergehend schließen, und deine Arbeitgeberin hat Kurzarbeit angeordnet. Wie überbrückst du die finanziellen Einbußen – bekommst du Kurzarbeitergeld?

Meine Chefin hat sehr schnell reagiert und für all ihre Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Das ging reibungslos. Ich habe jedoch festgestellt, dass ich mit den 67 Prozent, die mir von meinem ohnehin schon kleinen Einkommen bleiben, mehr schlecht als recht auskommen würde. Daher habe ich kurz nach der Schließung des Geschäftes einen Antrag auf "ALG II", also "Hartz IV" gestellt. Ich wusste ja auch nicht, wie lang der Laden geschlossen bleiben würde und hatte erst mal finanzielle Panik.

Ist der Antrag darauf problemlos durchgegangen?

Es hieß, der Antrag auf Grundsicherung solle vereinfacht online zu stellen sein. Das habe ich keineswegs so erlebt. Ich musste zunächst auf eine PIN warten, die mir postalisch zugestellt wurde. Diese sollte dann telefonisch freigeschaltet werden, wozu ich bei einer Hotline anrufen musste, bei der ich überhaupt nicht durchkam. Also habe ich alle Anträge und Unterlagen ausgedruckt und per Post geschickt. Ich habe fünf Wochen nichts gehört, keine Bestätigung, dass mein Antrag eingegangen ist, nichts. Dann gab es eine E-Mail, dass weitere Informationen fehlen, etwa ob mein Freund und ich einen Führerschein besitzen. Und dass eine aktuelle Meldebestätigung aller Mitglieder meiner Bedarfsgemeinschaft nötig ist. Die muss ich beim Einwohnermeldeamt beantragen und selbst zahlen, hätte mich knapp 50 Euro gekostet. Wofür? Das habe ich auch die zuständige Dame beim Jobcenter gefragt, sie hat es schließlich als nicht notwendig eingestuft.

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Seit letzter Woche arbeitest du wieder stundenweise. Du bekommst aber noch immer nicht wieder dein normales Gehalt. Kannst du jetzt mit Staatshilfe aufstocken?

Ich habe nach über sechs Wochen noch immer keine finanzielle Unterstützung in Form von "Grundsicherung" erhalten. Auch weiß ich nicht, wie viel ich bekommen werde. Ich habe zum Glück etwa zeitgleich von dem Kinderzuschlag gehört, dem "Notfall-KiZ". Den habe ich ebenfalls vor circa fünf Wochen beantragt. Irgendwann kam dann eine schriftliche Bewilligung, dass ich bis September monatlich für meine beiden Kinder den Zuschlag erhalte, und das Geld war sofort auf meinem Konto. Das hat zwar auch gedauert, was ja irgendwie verständlich ist, bei dem massiven Bedarf, aber es lief wenigstens total unkompliziert.

Wie bezahlt ihr zurzeit eure laufenden Kosten (Miete, Nebenkosten, Lebensmittel etc.)? Bekommst du von anderen Seiten finanzielle Unterstützung (Familie, Freunde …)?

Mein Freund ist zum Glück nicht von Kurzarbeit betroffen und muss daher einiges auffangen. Auch sind wir ohnehin ganz gut darin, mit wenig Geld auszukommen, da wir unsere Fixkosten immer schon recht geing gehalten haben. Das kommt uns nun wohl zugute. Von anderer Seite habe ich keine Unterstützung in Anspruch genommen, hätte es im absoluten Notfall aber tun müssen.

Wie geht es bei euch weiter? Was denkst du, wie eure finanzielle Lage in einem Jahr aussehen wird?

Ich hoffe zunächst nur, dass ich meinen Job nicht verlieren werde, denn die wirtschaftliche Lage ist ja nun sehr ins Wanken geraten. Vor allem bei einem kleinen Unternehmen wie dem meiner Chefin. Solange unklar bleibt, wie sich die ganzheitliche Situation dieser Krise weiter entwickelt und mit welchen Zahlen wir demnächst noch konfrontiert werden, leben wir unser Leben, nur mit weniger Konsum.

Hast du Tipps für andere Eltern, die finanziell unter Druck stehen?

Ich glaube, man muss einfach alle Hilfen annehmen, die einem geboten werden. Auch wenn es erst mal vielleicht unangenehm ist, einen Antrag auf Hartz IV zu stellen oder Eltern bzw. Freunde zu fragen. Finanzieller Druck bedeutet ja meist auch psychischer Druck und davon haben wir ja momentan ohnehin genug.

Anmerkung: Die Interviewgeberin möchte gerne anonym bleiben.

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Contentmanagement.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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