Wegen Corona

Wenn Kinder ihre Großeltern nicht sehen können ...

Tausende Senioren wurden in Deutschland bereits geimpft – die ersten Enkelkinder dürfen ihren Großeltern wieder näher kommen. Viele müssen sich aber noch gedulden, was gerade ganz kleine Kinder kaum verstehen können. Wir haben eine Familienpsychologin gefragt, wie wir verhindern können, dass der Nachwuchs Ängste entwickelt.

Monatelanges Schmuseverbot mit Oma und Opa: So sehr sich viele Kinder auch an den Pandemiealltag gewöhnt haben – solche Regeln begreifen vor allem die Kleinsten kaum. Umso besser, dass es mit den Impfungen vorangeht. Mehrere Hunderttausend Menschen haben inzwischen die zwei nötigen Impfdosen erhalten. Was aber, wenn die eigenen (Groß-)Eltern noch nicht dazu gehören? Wie vermitteln wir unseren Kindern, dass Abstand zu den Ältesten der Familie weiter angebracht ist, ohne den Nachwuchs zu verunsichern?

Verstricken wir Eltern uns in unserer eigenen Angst, spüren das auch unsere Kinder – egal in welchem Alter. Die Familienpsychologin Elisabeth Raffauf rät daher ängstlichen Müttern und Vätern, selbst das Gespräch mit anderen Erwachsenen zu suchen und sich auszutauschen: "Wir sollten unsere Ängste reflektieren und nicht ungefiltert an unsere Kinder weitergeben." Auch Kommentare wie "Wir müssen aufpassen, sonst stirbt Oma" seien nicht förderlich. Das schüre neben der Angst auch noch ein schlechtes Gewissen.

"Kinder haben feine Antennen und spüren vieles, können das aber häufig noch nicht in Worte fassen", sagt die Psychologin. Deshalb sei es wichtig, mit ihnen über die Situation zu sprechen, ihre Gefühle ernst zu nehmen. Sätze wie "Ich finde es auch schwierig, aber das ist jetzt ein Ausnahmezustand und geht wieder vorbei" seien hilfreich.

Kinder (und wir alle) erleben zurzeit ein Paradoxon: Gerade wenn wir uns unsicher fühlen, suchen wir die Nähe zu anderen. Doch das ist seit Monaten nur eingeschränkt möglich. Deshalb sei es erst recht wichtig, den eigenen Kindern zu vermitteln, dass man für sie da ist, dass zu Hause weiterhin gekuschelt werden darf. "Kinder, die sich verstanden fühlen, sind sehr kooperativ und lassen sich auch auf Einschränkungen ein", sagt Raffauf. Wenn Kinder ihre Eltern als verlässliche Säule wahrnehmen, kommen sie mit großer Wahrscheinlichkeit gut durch diese Zeit.

Dabei helfen auch positive Ausblicke. Unsere Expertin berichtet von einer Oma, die ihren Enkeln eine Kuschelparty versprach, sobald es wieder geht. "Aber mit Küssen!", forderte die Enkelin.

Experten-Bild

Unsere Expertin

Elisabeth Raffauf

... ist Diplom-Psychologin mit dem Schwerpunkt Familien- und Erziehungsberatung in ihrer Praxis in Köln – und Buchautorin.

Autorin: Irlana Nörtemann

Teile diesen Artikel: