Nach der Corona-Krise

"Was wird aus meinen Kindern, wenn die Welt in Trümmern liegt?"

Serien und Computerspiele statt Schule. Intensive Familienzeit statt Treffen mit Freunden. Und nach der Corona-Krise müssen sich die Kinder dann wieder an den Schulalltag gewöhnen – wie soll das gehen? Ein persönliches Statement eines dreifachen Vaters.

Ich bin Vater von drei Kindern. Drei Kindern im Alter zwischen sechs und elf Jahren. Bis vor einigen Wochen waren sie von acht bis 15 Uhr in der Schule. Jetzt stehen sie frühestens um acht auf und gehen nirgendwo hin. Und meine Frau ist nun zu Hause Lehrerin – für alles. Ich bin nur Mathe-Lehrer.

Das Familienleben ist momentan sehr intensiv. Wir essen jeden Tag zusammen, lernen, spielen und schauen familienverträgliche Serien. Kein Tennis, Gitarre, Klavier, kein Ballett, keine Verabredungen – keine Termine. Und jetzt ein Jever.

Wäre da nur nicht unsere Bundeskanzlerin, die uns mit den Worten "Dies ist die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg" auf die nächsten Wochen (oder Monate?) einstimmt. Aber worauf eigentlich genau? Was erwartet uns jetzt? Und welche Konsequenzen hat das für meine Kinder? Für meine Familie? Denn momentan fühlt sich das doch an wie Ferien – nur mit Corona.

Es könnte ungemütlich werden

Doch so kuschelig wie in diesen ersten Tagen des "Shut-Downs" wird es nicht bleiben. Meine Kinder vermissen ihre Freunde schon jetzt. Statt sozialer Kontakte gibt es nur noch digitale Chats? Statt Übernachtungspartys jetzt nächtelange Fortnite-Sessions? Nicht ganz unwahrscheinlich.

Der Unwillen, Aufgaben für die Schule (oder auch im Haushalt) zu erledigen und die Ansprüche an Beschäftigung und Unterhaltung werden jeden Tag größer. Zeitgleich werden die Nerven der Eltern täglich dünner. Und der Sieger heißt Netflix.

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Keine festen Strukturen für Kinder

Die Schulen sind überfordert. Unterlagen werden gescannt, irgendwie unmotiviert verschickt, um überhaupt Präsenz zu zeigen. Lernplattformen Fehlanzeige. Die Strukturen müssen die Eltern schaffen. Wir machen das. Aber was passiert in Haushalten, die das nicht können. Lernstopp für Kinder über Monate?
Und wie ist der Plan für danach? Wie werden Kinder wieder in regelmäßige Lern- und Lebensstrukturen integriert nach dieser "Auszeit"? Wer weiß wie das geht? Wer hat den Plan?

Eigentlich haben wir es doch noch ganz gut

Die gute Nachricht ist, dass unser Land "danach" nicht in Trümmern liegen wird. Unsere Häuser und Wohnungen werden bleiben. Wir werden nicht an Hunger leiden. Aber viel von dem, was wir für uns und unsere Kinder geschaffen haben, wird nicht mehr da sein. Eltern werden sich ohne Job und ohne Perspektive wiederfinden, wenn nach Ostern, Pfingsten oder wann auch immer das Virus im Griff zu sein scheint. Mit vielem werden wir von vorne anfangen müssen.

Unsere wichtigste Aufgabe als Mütter und Väter wird es sein, die Perspektiven, die sich uns als Familien neu zeigen, auch zu erkennen und anzunehmen. Den Weg in den Alltag zurückzufinden. Das wird Zeit und Kraft kosten. Aber das wird unsere erste und wichtigste Aufgabe sein. 

#waszaehltistfamilie #jetzterstrecht

Autor: Jan Wickmann

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