Die Kinderlos-Kolumne

Alle Windeln fliegen hoch!

Ohne Helikopter. Ohne rosarote Brille. Ohne Mama-Gen. Kids und ihre Eltern einfach aus anderer Perspektive betrachtet. Eine kleine Kolumne mit Herz, Humor, ein bisschen Kritik und ganz viel Respekt.

Anfangs dachte ich immer, es sei vielleicht ein Versehen. Reiner Zufall, dass Mama das Baby vor ihr Gesicht hält und eine Nase Windel nimmt. So genau wollte ich das auch gar nicht wissen. Mir reicht schon die ständige Diskussion um die beste Konsistenz und Farbe der Hinterlassenschaften von den kleinen Scheißerchen.

Stillende Mütter in aller Öffentlichkeit finde ich völlig okay. Aber spätestens seit auch meine Freundin Tine, selbsterklärte Ästhetin, sich den dicken Windelpo ihres Sohnes Leopold fest ins Gesicht drückt, ist da echt eine Grenze überschritten. Inzwischen habe ich den Eindruck, gerade in gefüllten Lokalen nur noch junge Mütter zu sehen, die sich zum Dessert reihenweise die gepolsterten Hinterteile ihrer Wonneproppen an die Nase pressen, je höher und sichtbarer für alle, um so besser. Eine Art Pilates-Übung mit Kind. Und das alles völlig ohne Schamgefühl, als würden sie eine Promoveranstaltung durchführen.

Perfekt trainierte Riechorgane

Erstaunlicherweise verziehen sich die Gesichter der Testpersonen dabei kaum, es ist mehr ein wissender Blick. Wenn kurz darauf der Aufbruch naht, ist einem alles klar. Die Mamis müssen über perfekt trainierte Riechorgane verfügen, denn manches in den Wagen zurückgelegte Baby muss noch warten, bis Mamas Riechkolben Alarmstufe Rot schlägt. Eine nagelneue Windel muss sich schon lohnen. Oder decodieren die Nasen etwa auch das Windelgewicht? Soll es alles geben, Supermamis können mit ihren Gesichtern so einiges.

Würdevoll versus praktisch

Aber hat das noch etwas mit Würde zu tun? Würde mich schon interessieren. "Es ist einfach so praktisch!", verrät mir Tine das Geheimnis eines Tages schulterzuckend beim Mittagessen, als sie mit ausgestreckten Armen an Poldis Windel schnüffelt und meinen irritierten Gesichtsausdruck kommentiert. Aha, so ist das also. Einfach bequem. Ja, einleuchtend. Da wären mir im digitalen Zeitalter doch die Nutzung von Windel-Apps lieber, die den aktuellen Füllstand exakt auf Mamas Handy pushen.

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Tine: "Hab dich doch nicht so, das ist doch ganz natürlich. Würdest du übrigens auch machen!" Ich? Nie im Leben. Bin doch viel zu geruchsempfindlich. Apropos Würde: Ich würde .... es wohl drauf ankommen lassen. Man hat das sicher schnell im Gefühl, was in der Windel los ist. Alles eine Frage des richtigen Timings. Und ein regelmäßiger Rhythmus ist bei Kindern ja alles. Natürlich also! Jaja, ich gewöhne mich schon dran, da es wirklich alle tun. Aber von Tine hätte ich es trotzdem nicht erwartet. Sie hatte früher Desinfektionstücher mit ihm Bus und jetzt das.

Tja, alles wird anders mit Kind. Und schmerzbefreiter scheinbar auch, zwangsläufig! Freuds anale Phase des Kindes beherrscht das Leben der Mütter. Immerhin verbraucht jedes Kind angeblich 5.000 Windeln, bis es trocken ist. Ich gewöhne mich allmählich dran. Ich nehme es so, wie es ist und stelle mir vor: "Alle Kinder fliegen hoch" – ist ein total lustiges Spiel für Groß und Klein. Meine neueste Erkenntnis: Die kleinen Braten freuen sich wie Bolle, unter dem Kronleuchter im Café entlangzuschweben, während Mama sie am Po stubst. Was Mama da hinten macht, ist purer Spaß! Wenn das so ist, Ladies: weitermachen!

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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