Die Kinderlos-Kolumne

Echte Unikate

Ohne Helikopter. Ohne rosarote Brille. Ohne Mama-Gen. Kids und ihre Eltern einfach aus anderer Perspektive betrachtet. Von einer, die es nicht besser weiß. Eine kleine Kolumne mit Herz, Humor, ein bisschen Kritik und ganz viel Respekt.

"Gibt es die auch für sie?" Die Frau im Schuladen will die Ballerinas mit Schmucksteinchen, die sie eben probiert hat, nur dann kaufen, wenn ihre sechsjährige Tochter die gleichen bekommt. Leider muss die Verkäuferin passen, also gehen Mutter und Tochter schulterzuckend wieder. Es gehört ja mittlerweile zum Straßenbild, dass Mama und Kind im Partnerlook herumlaufen.

Oder die Fünfjährige trägt ein rosa T-Shirt mit der Aufschrift Minime. Wobei das wohl eher Mamas Sicht der Dinge ist, die hier spazieren geführt wird. Mit Tochter taucht Mama noch mal in den Jungbrunnen ein und findet nach 30 Jahren Abstinenz ebenso wie Klein-Zoe erneut Gefallen an Pink- und Rosatönen. Macht ja auch frisch und – ja, schummelt einen einfach jung-dynamisch.

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Gerne trägt das Kleine ja auch schon Designer-Sonnenbrille oder -Boots – genau wie Mama. Man ist quasi eine Einheit, kein Blatt passt dazwischen, das zeigt bereits der erste Blick. Solche kleinen Spielereien fallen auf und sind ja auch im gewissen Rahmen ganz niedlich. Mama ist eben total stolz. Dieses symbiotische Verhalten geht aber oftmals ein ganzes Stück darüber hinaus. Kindern werden immer mehr und bewusst zu Miniausgaben der Großen gemacht.

Entscheidungen auf Augenhöhe

Eltern präsentieren auch weniger Tatsachen, die zu akzeptieren sind, sondern befragen die Kleinen zu jedem und allem: Was sie essen möchten, was sie anziehen möchten, was sie lieber möchten, und ich habe den Eindruck, dass diese Fragerei doch viele Kinder überfordert. Müssen sie das wirklich alles selbst entscheiden?

"Julia ist wie meine beste Freundin," strahlt meine Freundin Annemarie und schaut dabei ihre Tochter schwer verliebt an. "Wir sprechen einfach über alles." Augenhöhe heißt das Zauberwort. Geht das zwischen zwei weiblichen Personen mit über 20 Jahren Altersunterschied wirklich? Geht das vor allem zwischen Mutter und Tochter, die gerade mal in der Pubertät ist? Ich halte das für schlichtweg unmöglich, aber mich fragt ja keiner.

Kinder haben ihren eigenen Kopf

Und manchmal sehne ich mich nach den strikten Ansagen der Eltern von früher zurück, die einfach Fakt waren und nicht hinterfragt wurden. Lasst die Kinder doch erst mal groß werden, dann wird sich ihr Horizont irgendwann annähern. Aber nicht vergessen: Ihr seid Mutter und Kind, Groß und Klein, da wird – mal abgesehen von der Körpergröße – immer ein natürlicher Höhenunterschied bleiben, der meiner Meinung nach gut und wichtig ist. Ich freue mich über Kinder, die auch noch mal ein Geheimnis vor Mama haben und nicht alles mit den Eltern besprechen müssen. Selflove und diese ganzen Dinge mit neumodischen Namen sind ja schön und gut, aber dein Kind ist keine Miniaturversion von dir, es hat seinen ganz eigenen Kopf. Das weißt du. Und das ist auch gut so.

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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