Die Kinderlos-Kolumne

Ich werd jetzt mal ein Muttertier

Ohne Helikopter. Ohne rosarote Brille. Ohne Mama-Gen. Kids und ihre Eltern einfach aus anderer Perspektive betrachtet. Eine kleine Kolumne mit Herz, Humor, ein bisschen Kritik und ganz viel Respekt.

"Bitte sag mir sofort, wenn ich irgendwie komisch werde!" Den Satz meiner Schwester höre ich noch heute. Wollte sie doch tatsächlich, dass ich sie darauf aufmerksam mache, wenn sie sich zu sehr verändern würde als Mutter. Komisch. Das war es für uns beide damals, wenn Mutti den Helikopter anschmeißt und nur noch für die Kleinen Augen und Ohren hat.

"Du bist komisch geworden"

Drei Kinder später habe ich mich getraut. Ich habe den Satz gesagt und sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie inzwischen komisch geworden sei. Allerdings habe ich es direkt bereut. Wie konnte ich nur denken, dass sie meinen Eindruck ernstnehmen würde? Immerhin befindet sie sich jetzt im Nachher, im rosaroten Traumland aller Muttertiere, und hat ihre Einstellung und ihren Blickwinkel aus dem Leben davor komplett verdrängt.

Was ich erntete, war ein verständnisloser Blick: "Du kannst das ja gar nicht beurteilen, du hast ja keine Kinder. Es ist einfach das Tollste auf Erden, Mutter zu sein." War mir fast klar, dass ich so etwas zu hören bekommen würde. Ich verstehe das also nicht, das ist komisch an der neuen Situation. Und sie hat vielleicht ja recht mit dem, was sie sagt. Ein bisschen wütend war ich trotzdem. Wollte ich doch einfach darauf Bezug nehmen, was wir damals, im Vorher, abgemacht hatten.

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Damals, als ich noch dachte, sie würde so bleiben, wie sie ist, mit einer vernünftigen Perspektive auf den Nachwuchs. Doch nun ist alles anders. Ihre Kinder haben Vorfahrt, immer und auf ganzer Linie. Das Telefonieren haben wir schon eingestellt und schreiben besser WhatsApps. Das ist mir einfach zu laut am Ohr, wenn die Kids ständig dazwischenrufen, sofort Gehör finden und ein Dialog mit mir sowieso nicht möglich wird.

Hormone und Muttergefühle

Es gibt leider sowieso auch nur noch ein Thema. Und auch das mit der Konsequenz in Sachen Erziehung ist in meinen Augen bei ihr so eine Sache. Aber ich verkneife es mir besser, auf konkrete Analysen meinerseits einzugehen. Es scheint einfach so zu sein: Hormone und Muttergefühle verschieben die Perspektive und das Handeln, gefangen in einem emotionalen Kokon. Daran muss ich mich gewöhnen. Und es als normal hinnehmen.

Wenn die Kleinen erst das Revier übernommen haben, ist es wie verhext: Löwenmütter sind wie ausgewechselt und haben wenig gemeinsam mit den Wesen von früher. Wie weggebeamt. Komisch bin jetzt ich, weil ich das so deutlich spüre. Was soll’s, es wird irgendwas dran sein, dass die Natur das so eingerichtet hat.  Solange die Kids wirklich davon profitieren – dann bitte komisch! In 20 Jahren wird sie hoffentlich wieder die Alte sein.

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Unsere Autorin

Antonia Müller

Schon als Schülerin hat Antonia Müller Bücher verschlungen, Theater gespielt, Geschichten geschrieben und Hörspiele vertont. Auf Germanistikstudium und Textschmiede folgten Redaktionsjobs für Internet, TV und Verlage.

Zwölf Jahre Kreation von erfolgreichen Ideen und Texten in der Werbung runden ihr Profil als Story Teller ab. Für Junior Medien schreibt sie heute Wissenswertes über Familie, Kind und Kegel. Was noch fehlt, ist ihre erste Romanveröffentlichung.

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