"Bloß nicht zur Bastelschere greifen!"

Kindern selber die Haare schneiden: So klappt's

Die Friseure haben seit Wochen geschlossen, der Pony hängt längst in den Augen: Wer in dieser Zeit seinen Kindern selber die Haare schneiden will, sollte ein paar Tipps und Tricks vom Profi beachten.

Die gute Nachricht zuerst: Natürlich kann man seinem Kind, egal ob Junge oder Mädchen, selber die Haare schreiben. Doch eine Schere allein macht einen nicht zum Meister-Coiffeur: "Bitte zu Hause nicht mit neuen Schnitten experimentieren", rät deshalb Hair Stylist Maleeq Oz. "Pony, Ohrbereich, Nacken –  auf diese Konturen sollten Eltern sich beschränken." Worauf sie dabei achten müssen, erklärt der Profi in fünf Schritten.

1. Die Ausstattung

Die Schere beim Friseur ist extrem scharf. "Greifen Sie bloß nicht zur Bastelschere!", warnt deshalb Maleeq Oz: "Die ist für Papier gemacht, nicht aber für die feine Haarstruktur". Die Folge: Beim Schneiden verschieben sich die Haare innerhalb der Klinge, anstatt sauber abgetrennt zu werden. "Dann lieber die Nagelschere nehmen – die ist deutlich schärfer." Noch besser: Drogerien führen sogenannte Friseurscheren. Die kommen zwar nicht an das echte Profi-Werkzeug heran, sind aber deutlich schärfer als übliche Haushaltsscheren.

2. Die Ablenkung

Maleeq Oz ist selbst Vater. Bei kleinen Kunden weiß er aus Erfahrung: Ablenkung ist alles. "In meinem Salon haben wir für Kinder diese Ein-Euro-Wundertüten aus Papier", verrät er: "Mit einem neuen Spielzeug in der Hand halten selbst kleine Kinder still." Es muss also nicht immer das Tablet oder Smartphone sein: Auch der Inhalt eines Überraschungseis zum Beispiel kann für die nötige Konzentration sorgen – und das so wichtige Stillhalten. Was dem Vater dabei am Herzen liegt: "Bitte brechen Sie ab, wenn das Kind partout nicht will und weint. Wird es krampfhaft gezwungen, entwickelt es nur eine unbegründete Panik vorm Thema Haareschneiden."

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3. Die Technik

Zuallererst: Die Haare auf jeden Fall waschen. Im nassen Zustand schneidet’s sich laut Profi einfach einfacher. Nun geht’s zur Sache: "Bitte keine gerade Linie anstreben", so der Profi – denn das klappt eh nicht. Besser: "Ein kleine Partie abteilen und von unten mit der Scherenspitze hineinschneiden." Strähne für Strähne vorarbeiten. Je weniger Haar man dabei auf einmal in die Hand nimmt, desto besser – denn bei zu vielen Haaren droht wieder das 'Herausrutschen' aus der Klinge.

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Unser Experte

Hair Stylist Maleeq Oz war früher selbst 'Opfer' von Mamas Haarschnitten, wie er sagt. Heute schneidet er nicht nur seinem achtjährigen Sohn die Haare, sondern auch seinen Kunden in Maleeqs Hairlounge in Witten. Mehr Eindrücke von Maleeqs Arbeit gibt es auf instagram.com/maleeqshairlounge.

4. Die Fehler

Diese Technik vermeidet auch direkt den Klassiker unter den Haarschneidefehlern: den 'Sparpony'. "Wer viele Haare auf einmal mit dem Kamm auf Spannung bringt und dann abschneidet, wird sich wundern, wie sehr diese zurückspringen", warnt Frisör Maleeq Oz. So landet man im schlechtesten Fall mit einem einzigen Scherenschnitt beim Mini-Pony. Wovon der Profi außerdem abrät: die Haarschneidemaschine an Kinderköpfen. "Da fehlt einfach jedes Gefühl – mit der Schere ist man näher dran!" Außerdem: den Wirbeln nicht zu nahekommen: "Überall, wo Haare sich drehen, bitte die Finger davon lassen!"

5. Das Happy End

Im besten Fall ist euer Kind nach dem Stayhome-Friseurtermin einfach um einige Haar-Zentimeter leichter – und ihr um eine Erfahrung reicher. Doch was, wenn die trotz aller Tipps schiefgeht? Immer die Ruhe bewahren: "Haare sind keine Zähne – sie wachsen nach", erinnert Hair Stylist Maleeq Oz. Laut dem Profi gibt es zwar einige Selfmade-Malheure, die mit schicken Kurzhaarschnitten zu retten sind. In den allermeisten Fällen aber gilt bei Kindern: einfach abwarten und nachwachsen lassen. Und beim nächsten Mal dann wieder zum Profi gehen.

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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