Familienfeiern

Kinderwillkommensfest: Eine schöne Alternative zur Taufe

Den Start ins Leben feiern, ganz ohne kirchlichen Bezug. Ja, das geht mittlerweile. Eine Alternative zur christlichen Taufe ist das Kinderwillkommensfest. Wir erklären euch alle Details zur "freien Taufe".

Wer christlich aufgewachsen ist, für den ist oft klar: Auch die eigenen Kinder sollen getauft werden. Schließlich ist eine Taufe ein grundsätzlich sehr schönes und positiv besetztes Ereignis. Aber was, wenn so gar kein Bezug (mehr) zur Kirche vorhanden ist, ihr den Eintritt ins Leben aber trotzdem gern für euren Nachwuchs feiern möchtet? Habt ihr schon mal von einem Kinderwillkommensfest gehört? 

Was genau ist ein Kinderwillkommensfest?

Manchmal wird es auch Lebensfeier, Willkommensfest, Willkommensfeier, Geburtsfest oder Geburtsfeier genannt. Den Begriff freie Taufe oder zivile Taufe verwenden auch einige. Die Expertin, mit der wir zu diesem Thema gesprochen haben, sagt nur kurz und knapp: "KiWi" – also kurz für Kinderwillkommensfest. Nicola Möller ist seit drei Jahren freie Rednerin für Lebensfeste aller Art, dazu gehören auch Trauungen und Trauerfeiern. Sie erklärt uns den Trend. Doch handelt es sich überhaupt um einen Trend? "Ja, es werden tatsächlich immer mehr Kinderwillkommensfeste gefeiert – aber es ist ein Trend, der bleibt!" Davon ist die studierte Projektmanagerin überzeugt. "KiWis sind bunte Feste im Kreise der wichtigsten Menschen! Sie sind eine schöne Möglichkeit, die Geburt eines Kindes zu würdigen, zu feiern und es mit einer Zeremonie in der Familie aufzunehmen." Die meisten Kinderwillkommensfeste werden als lockere, sommerliche Gartenparty im engeren Familien- und Freundeskreis gestaltet. Mehr als 40 Gäste können die kleinen Hauptpersonen des Tages auch schnell mal überfordern. Die Empfehlung lautet hier: Kleiner ist feiner! Etwa vier bis sechs Monate im Voraus kann ein solches Willkommensfest geplant werden, je nach Aufwand muss man eventuell auch etwas mehr Zeit einplanen. Ggf. muss doch eine Location gemietet werden oder ein Dienstleister für die Deko, das Catering oder die Rede angefragt werden. Um nicht mit Hochzeiten zu konkurrieren, sollte man das Datum auf einen Sonntag oder Samstagvormittag legen, empfiehlt die Expertin. 

Wie alt sind die Kinder bei einem Willkommensfest in der Regel?

Hierfür gibt es keine feste Regel. Schon für Babys kann ein solches Kinderwillkommensfest gestaltet werden – bei einer Taufe schließlich ein typisches Alter. Nur klar ist, die kleine Haupterperson wird sich in diesem Fall nicht mehr an die Feier erinnern können. Es ist dann eher ein Fest für die Eltern und die Gäste. Nicola Möller ergänzt: "Kinder im Kleinkindalter kriegen natürlich sehr viel mehr mit als Babys. Man kann sie aktiv in die Zeremonie und vor allem in die Rituale miteinbinden. Das ist immer sehr schön." Genau aus diesen Gründen empfindet Nicola Möller ein Alter zwischen zwei und drei Jahren als ideal für ein KiWi. Aber auch für ältere Kids ist ein Kinderwillkommensfest überhaupt nicht ausgeschlossen, findet die freie Rednerin. Das älteste Kind, das sie bisher ins Leben begleitet hat, war vier Jahre alt. Eine schöne Idee ist es zum Beispiel, ein gemeinsames Fest für Geschwisterkinder zu feiern. Das eine ist dann vielleicht erst ein paar Monate alt. Das andere dafür aber schon in der Vorschule. Vielleicht nennen wir es dann einfach Lebensfeier ...? 

Wie läuft so ein Kinderwillkommensfest ab?

Auch hier: Es gibt keine festgemeißelten Regeln für den Ablauf einer Willkommensfeier. Nur ihr entscheidet, wie der große Tag eures Kindes ablaufen soll. Aber Nicola Möller berät Eltern sehr gern im Vorwege und verrät uns hier, wie die Feste verliefen, auf denen sie in der Vergangenheit die Zeremonie halten durfte: 

  • Die Gäste werden meist am frühen Vormittag eingeladen und mit einem Getränk empfangen. Vereinzelt gibt es auch KiWis, die erst am Nachmittag beginnen.
  • Immer schön ist es, wenn dabei Musik gespielt wird. Vielleicht habt ihr jemandem im Bekanntenkreis oder ihr engagiert eine Sängerin, die das Ganze musikalisch begleitet?
  • Dann folgt eine etwa halbstündige Zeremonie durch den Redner oder die Rednerin. Eingeleitet durch die Kennlerngeschichte der Eltern, über die Schwangerschaft und Geburt bis hin zur ersten Zeit als Familie kann alles erzählt werden, was ihr vorab besprochen habt. Sensibiliät bei solch privaten Themen steht für Nicola Möller immer an obersten Stelle.
  • Danach erheitern meist ein bis zwei Rituale die geladene Gesellschaft. Es können beispielweise alle Gäste kleine Briefe für die Zukunft an das Kind schreiben, die dann eingesammelt werden. Idee: Diese dürfen dann von dem Kind nur an einem bestimmten Geburtstag geöffnet werden. ("Für die fünfjährige Mila, für die sechsjährige Mila ... für die sechzehnjährige Mila ...") Das bedarf im Vorwege etwas Vorbereitung. (Mehr Rituale, s. u.)
  • Dann wird eine etwa zehnminütige Rede für und über das Kind gehalten, die natürlich sehr viel verspielter sein kann. Die Minis werden hierbei oft auch aktiv eingebunden. 
  • Am Ende können dann, wenn gewünscht, noch Paten benannt werden. Man kann sie auch in ein Ritual einbinden, zum Beispiel beim Anzünden der Willkommenskerze. Die Patenschaft hat keine rechtliche Kraft, aber eine symbolische allemal: "Wir stehen immer an deiner Seite und unterstützen dich und deine Eltern zu jeder Zeit!"
  • Die meisten Familien lassen ein Kinderwillkommensfest gemütlich mit Kaffee und Kuchen ausklingen. Andere brunchen zusammen oder laden noch in ein nahegelegenes Restaurant zum Mittagessen ein. Manche Feste reichen bis in den Abend. Dann wird vielleicht noch der Grill angeschmissen. Tipp: Fragt doch eure Liebsten, ob sie etwas Selbstgemachtes zu essen mitbringen für ein Büffet. Dann ist der Vorbreitungsaufwand gleich viel überschaubarer. 

Weitere Ideen für Rituale bei einem Kinderwillkommensfest

  • Das Sand-Ritual: Man nehme ein hübsches Gefäß aus Glas, eine Vase oder eine Flasche, und lasse die Gäste verschiedenfarbigen Sand einfüllen. So hat das Kind eine kunterbunte, bleibende Erinnerung an diesen besonderen Tag. 
  • Baum voller Fingerabdrücke: Auf eine Leinwand malt man entweder, wenn begabt, einen Baum oder man bestellt eine solche Vorlage zum Beispiel bei Amazon. Jetzt können alle Gäste ihren Fingerabdruck als buntes Blatt auf den Ästen hinterlassen.
  • Willkommenskerze: Ein schönes Ritual mit Paten oder auch für die Eltern – das Anzünden einer Willkommenskerze. Einfach bei einem Taufkerzen-Anbieter anfragen für ein Exemplar ohne christlichen Anstrich. 
  • "Fürbitten": Bei Hochzeiten und Taufen ein sehr gängiges Ritual. Die guten Wünsche, die von einzelnen Familienmitgliedern bzw. ausgewählten Gästen vorgetragen werden, können auch bei einer freien Taufe oder einem Kinderwillkommensfest stattfinden. Es sind dann weder Bibelverse, noch christlich geprägte Sätze, aber durchaus lebensnahe, gute Wünsche für das Kind.
     

Ratschlag: Von dem wohl typischsten Ritual einer christlichen Taufe, dem Wasser auf dem Kopf, rät Nicola Möller übrigens ab. Es sollte in den Händen der Kirche bleiben. Wenn die Familie allerdings einen eindeutigen Bezug zum Wasser hat, wie jüngst eine Familie aus Kiel, die in der Zeremonie am Strand mit ihrer Tochter gern ein paar Schritte in die Kieler Förde gehen wollte, dann kann es eine schöne Ergänzung zur Zeremonie sein.

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