Kolumne "Mama Kolumna"

Kitas auf, Kitas zu, Kitas a ... ach nee, doch nicht!

In ihren Kolumnen lassen euch unsere Redakteure ein bisschen an ihrem Leben teilhaben. Heute macht sich Nora aka "Mama Kolumna" Luft: Dass in Hamburg die Kitas nach nur zwei Wochen schon wieder schließen während anderswo Biergärten und Sportstudios öffnen, macht sie unendlich wütend.

Yay, die dritte Coronawelle ist da! Dass sich die Infektionszahlen nach Ostern endlich in das lang ersehnte Sommertief zurückziehen, ist in meinen Augen eher unwahrscheinlich. Zum Glück haben wir mittlerweile funktionierende Impf-, Test- und sonstige Strategien ... ach, haben wir gar nicht? Ups. 'Aber irgendetwas müssen wir ja tun', denken wohl derzeit immer mehr Länderchefs, 'am besten wir schließen die Kitas.'

Gottesdienste an Ostern sind quasi ein Grundrecht, logisch. Arbeiten im Großraumbüro – selbstverständlich, im Homeoffice würde man doch vereinsamen! Bundesligaspiele – ohne geht's nicht, ist klar.

Zur selben Zeit: Außerschulische AGs und Sportkurse am Nachmittag? Viel zu gefährlich! Regelbetrieb von Schulen und Kitas – Superspreader-Events sondergleichen! Jugendliche, die sich nach Monaten des Homeschoolings und ohne Freunde bei den ersten Sonnenstrahlen einmal im Park treffen: Wie könnt ihr nur!

Hier in Hamburg wurden die Kitas vor zwei Wochen wieder für alle Kinder geöffnet und zugleich versprochen, dass es nicht noch einmal zu Kitaschließungen kommen würde. Die Erzieherinnen und Erzieher bemühen sich um Impftermine. Bis zu zwei Schnelltests pro Woche dürfen sie machen. Viele Eltern versuchen privat weitere Tests aufzutreiben, um auch die Kinder regelmäßig testen zu können. Alle Kitas suchen nach kreativen Lösungen, um das Infektionsgeschehen so gering wie möglich zu halten. Und doch: Noch vor Ostern kam die Hiobsbotschaft für alle Eltern, dass wir in Hamburg ab April die nächste Runde "erweiterter Notbetrieb" spielen dürfen.

Dass Familien und besonders Kinder nahezu null Relevanz in der Gesellschaft genießen, kriegen wir seit nun über einem Jahr zu spüren. Immer und immer wieder. Was man im ersten Lockdown mit viel gutem Willen noch unter Überforderung der Politik verbuchen konnte, ist mittlerweile einfach nur noch ein Schlag ins Gesicht aller Eltern. Jedes Versprechen, die Schulen und Kitas am Laufen zu halten, wurde wieder gebrochen. Lösungen, wie Familien das stemmen sollen, bleiben weiterhin aus. Man ist fast dankbar, dass niemand mehr eine Aufstockung der Krankentage vorschlägt – wie fernab das von der Realität war, scheint sich mittlerweile auch an die Landesspitze herumgesprochen zu haben.

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Warum ist das so? Warum wird das Recht auf Blumen, Bundesliga und eine fesche Frisur weiterhin höher gestellt als das Recht auf Bildung? Liegt es am berühmten "alten, weißen Mann", der die Führungsebene noch immer beherrscht – und der es einfach gewohnt ist, dass Frauen zu Hause bleiben, um das Schiff zu schaukeln? Sind wir Eltern noch immer so leise, dass das Problem gar nicht oben ankommt? Gab es vielleicht eine geheime Studie, die belegt, dass ein halber Tag vor dem Bildschirm für die kindliche Entwicklung immens wichtig ist?

Wusstet ihr, dass in kaum einem unserer Nachbarländer Kitas und Schulen geschlossen wurden, weder jetzt noch vor einem Jahr? In den meisten Ländern stand dieser Schritt überhaupt nicht zur Debatte, niemals, stattdessen gab es einen harten Lockdown in allen anderen Bereichen des Lebens.

Während Familien in Hamburg oder Berlin nun also versuchen, auch die dritte Runde Kitaschließung zu wuppen, öffnen anderenorts testweise die Biergärten, fahren Arbeitnehmer aus Langeweile lieber mit den Öffis ins Großraumbüro als zu Hause zu arbeiten und Sportler dürfen trotz ständiger Corona-Ansteckungen fröhlich für die TV-Quote kicken.

Im Social Web fordern immer mehr Eltern einen harten Lockdown. Ich auch. Für uns würde das ohnehin wenig ändern: Bolzen, Freunde treffen, lernen – unsere Kinder dürfen nach wie vor ja eh nichts.

Kolumne "Mama Kolumuna"

 Nora aka Mama Kolumna, die verschlafene Mama-Reporterin, kauft ständig Erziehungsratgeber – liest sie aber nicht. In ihrer Kolumne schreibt sie über das Leben mit ihrem dreijährigen Wirbelwind und versucht nebenbei Antworten auf Fragen wie "Mama, warum haben Elefanten einen Schwanz?" zu finden.

Ihre Tochter wechselte vor einem halben Jahr in die Elementargruppe ihrer Kita – in "normalem" Betrieb hat sie diese bis heute nicht kennenlernen dürfen.

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