24 randvolle Tütchen

Hilfe, meine Adventskalender-Pläne sind eskaliert!

Unsere Autorin Nora hatte ganz genaue Vorstellungen, wie der erste Adventskalender für ihre Tochter aussehen sollte. Doch dann kam alles anders und sie warf all ihre guten Vorsätze (und das Weihnachtsbudget) über Bord ...

Die Adventskalendertütchen stehen in Reih und Glied – mal sehen, wie lange die Dreijährige es dabei belässt.
© Foto: privat
Die Adventskalendertütchen stehen in Reih und Glied – mal sehen, wie lange die Dreijährige es dabei belässt.

Ich bin neu im Adventskalender-Game. Meine Tochter ist gerade drei Jahre alt geworden und hatte noch nie einen. Hätte ich vorher gewusst, wie das ausgeht – es wäre wohl dabei geblieben. Mir war nicht klar, dass so ein Adventskalender eine noch größere Herausforderung als das Weihnachtsgeschenk ist!

"Weihnachten gibt's schon genug Geschenke!"
"Jeden Tag Schoki muss mit Drei echt nicht sein."
"Ich geb doch nicht 50 Euro für 'nen Adventskalender aus!"

Das waren vor wenigen Wochen noch meine Mantren. Nicht zu viel Süßes, keinen unsinnigen Kleinkram, das Kind soll im Kindergarten aber auch mitreden können, wenn alle von ihren Türchen berichten. Zu teuer darf's auch nicht sein, denn das große Weihnachtsfinale kommt ja noch. Selbst gebastelt wäre schön, wird von den Anti-Helikopter-Müttern aber verteufelt. Und dann will man sich selbst die Messlatte fürs nächste Jahr ja auch nicht zu hoch legen, schließlich folgen im Zweifel noch ca. 15 weitere Adventskalender fürs liebe Kind. Klare Sache: Wie man's macht, es ist auf jeden Fall falsch.

Zum Glück gibt es die sozialen Medien, die gefühlt schon im Oktober nicht müde wurden, zu betonen: "Heeey! Gekaufte Schoki-Adventskalender vom Discounter sind voll ok, du musst nicht selber basteln!" oder "Mamas, lasst euch in der Weihnachtszeit nicht stressen und gebt an die Väter ab!" – Ja, aber wenn ich doch WILL?! Also basteln. Nicht abgeben. Gestresst sein auch nicht. Klar, nicht alle Eltern haben Bock und Zeit, stundenlang kleine Säckchen zu nähen, Tütchen zu bemalen und diese dann mit mühevoll zusammengeklaubtem Kleinkram zu füllen. Aber ich mag sowas. Andere machen Sport, ich male, klebe und tunke alles in Glitzer, um abzuschalten. Das Internet vermittelte mir dieses Jahr den Eindruck, dass ich damit allen Müttern dieser Welt in den Rücken fallen würde. Oh je.

Die Rücken anderer Mütter sind mir in diesem Fall aber egal, ich möchte meinem Kind eine so richtig vor Gemütlichkeit nur so triefende Weihnachtszeit bescheren. 

Mein Plan war zunächst, um weder Unmengen Kleinkram noch einen überzuckerten Flummi zu Hause zu haben, ein "Zeit statt Zeug"-Kalender: So richtig schön mit Plätzchen backen, Weihnachtskram basteln, Haus schmücken. Nette Idee, sie entpuppte sich aber recht schnell als unsinnig: Nach einem Sieben-Stunden-Kitatag ohne Mittagsschlaf ist außer kuscheln, kneten und einer Folge "Feuerwehrmann Sam" nicht mehr viel drin. 24-mal auf einen Zettel "Ho ho ho, heute kneten wir!" schreiben, das wollte ich dann aber auch nicht.

Tja, und dann – ist alles eskaliert. Eine Stunde ohne Kind im nächstgelegenen Einkaufszentrum später, hatte ich nicht nur jede Menge Schokolade in der Tasche, sondern auch mehr Kleinkram als der Adventskalender Türchen. Ein Stickerheft, zwei Weihnachtsbücher und ein Pixie, Plätzchenausstecher, ein Weihnachtsbaum fürs Puppenhaus, Leuchtsterne, ein Kaleidoskop, Seifenblasen, zwei Schleichtiere, Glitzermalfarbe, Stempel, der heiß gewünschte Kindernagellack in Lila … alle guten Vorsätze flogen in hohem Bogen über Bord, weil ich im Spielzeugladen immerzu die strahlenden Augen meiner Tochter vor Augen hatte. Den ganzen Kram dann auf 24 Tütchen zu verteilen, diese schön zu bepinseln und aufzustellen, dauerte dann, Ehrensache, noch mal die halbe Nacht (und das auch nur, weil wir zu zweit waren).

Unser Adventskalender ist viel zu voll, zu süß und ja, auch zu teuer. Der Plan war ein anderer. Aber es hat so einen Spaß gemacht! Und dennoch: Ich befürchte, nächstes Jahr werde ich auch ins Team "Adventskalender kaufen" wechseln, denn die Türchen, über die sich das Kind am allerallermeisten freut, sind – na klar – die mit den Kinderriegeln ...

Autorin: Nora Ritzschke

Lade weitere Inhalte ...