Die Kinderlos-Kolumne

Juhu, es kribbelt, krabbelt und krakeelt wieder!

Endlich – sie sind wieder da! Die Kleinen sind völlig aus dem Häuschen. Nach langer Ruhephase kommt wieder Leben in die Bude – beziehungsweise ins Freie. Ein lautstarkes Signal, das auch unserer Autorin Antonia Müller – ohne Kinder und Mama-Gen – zu Herzen geht.

Monatelang war es still geworden. Eltern hielten sich und ihre Kinder zur Sicherheit unter Verschluss. Leere Bürgersteige, verwaiste Gärten und Spielplätze prägten das Straßenbild. Eine beunruhigende Ruhe, keine Idylle. Nun endlich ist der Einen-Meter-über-dem-Boden-Bereich allmählich wieder bevölkert. Es kribbelt, krabbelt und krakeelt wieder. Im Kinderwagen, Buggy, an Mamas Hand oder auf dem eigenen Roller. Da sind sie wieder: Lachende Kindergesichter, verschmierte Münder, grobmotorische Bewegungsmuster, leuchtende Knopfaugen und volle Rotznasen. Mamas, die sich wieder trauen, ihre Kleinen durch die Straßen zu tragen, zu schieben, zu begleiten. Papas, die ihrem Nachwuchs oben auf den Schultern zeigen, dass hier draußen noch alles da ist.

Freude, schöner Kinderfunken

Die Zimmerreise ist vorbei, es drängt wieder raus ins Freie. Piepsige Kinder-Stimmchen erheben sich auch wieder außerhalb der eigenen vier Wände. Es gellt und kräht wieder auf dem Spielplatz. Stolz wie Bolle kleckern sie mit ihren pastellfarbenen Eiskugeln durch die Gegend. Balancieren wieder auf Mauern, schaukeln im Park und buddeln quietschvergnügt im Sand. Da ruft wieder einer 20 mal stoisch nach Mama. Es quengelt, plärrt und protestiert wieder hartnäckig im Supermarkt. In den Kitagärten begrüßen die Kurzen wieder überschwänglich Käfer und Gänseblümchen. Sie nuckeln wieder an Flaschen und aufgeweichten Laugenstangen. Sie weinen herzzerreißend um ihren abgestürzten Schnulli. Sie mustern mich wieder mit großen Kulleraugen, zeigen mir ihre Zungen oder ein zahnloses Grinsen. Probieren erste Brabbeleien und stimmen lauthals ihr Organ, freuen sich hemmungslos über die wiedergewonnene Freiheit. Wie auch immer machen sie sich bemerkbar und zeigen unüberhörbar ihre Emotionen.

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Musik in meinen Ohren

Ohne eigene Kinder ist man ja lärmtechnisch gesehen nicht viel gewöhnt. Da ist das Nervenkostüm schnell strapaziert. Wenn ich schon längst schreckhaft zusammenfahre, zuckt die Vierfachmutter nicht mal mit der Wimper. Doch nun ist es anders. Der wieder anschwellende Dezibelpegel in der Öffentlichkeit hat etwas Wohltuendes. Es klingt so echt. Ein beruhigendes Déjà-vu für die Sinne. Ein bisschen wie die ersten Krokusblüten, die sich durch die Schneedecke bohren und unsere winterkalten Herzen erfreuen. Frühlingserwachen! Ein bisschen wie die naive Freude meines Mannes, weil der Fußball endlich wieder rollt. Auch ohne Stadion-Stimmung und mit Hallenbad-Sound inspiriert ihn das Geisterspiel der Profikicker vor Tausenden Pappfans zur Impulsivität eines jungen Welpen. Nach dem gefühlt ewig dauerndem Lockdown und zwangsläufigem Zuhausebleiben, entdeckt der aufgeregte Nachwuchs die Welt da draußen mit anderen Augen. Wie das erste Mal etwas Neues erleben – Erlebnisse, die sich für immer ins Gedächtnis meißeln.

Mut zum Weitermachen

So sprießt es auch bei den Kleinen. (R)ausgelassen wie ein Rudel Jungtiere. Duracell-Hasen, die wieder loslegen dürfen. Restart for Youngsters! Die Straße menschelt wieder, unsere Zukunft zeigt happy (ohne Mundschutz) ihr Gesicht. Das ist ein Zeichen: Es geht weiter! Die Lebensfreude ist zurück, die Lust aufs Outdoor-Entdeckungsreich. Die Enge wird wieder weit. Schwarz-weiß wird wieder bunt. Begegnungen wieder lebendiger, nahbarer. Das Draußen beginnt wieder zu lächeln. Dank der Kleinen, für die die Welt ganz groß ist. Die alles verzeihen und ihr voller Neugier noch eine Chance geben.

Hach, tut das gut!

Es geht wieder los, die Stimmung steigt, die Energie ist zurück, jetzt merke ich es erst: Es hat mir irgendwie gefehlt. Dieses Grundrauschen, das Lärmen und Lachen, die Ehrlichkeit und die Frechheit, das Staunen, die Gefühlsausbrüche, Leben auf Hochtouren, das Chaos und das emsig-bunte Wieseln der Kids. Hallo, Kinder, ihr passt ins Bild: zeigt euch und schreit euer Glück ruhig raus. Ich habe euch vermisst, ihr kleinen Racker – schön, dass ihr wieder da seid!

DIE KINDERLOS-KOLUMNE

Ohne Helikopter, ohne rosarote Brille, ohne Mama-Gen: Autorin Antonia Müller betrachtet Kids und ihre Eltern aus einer anderen Perspektive – nämlich der ohne eigene Kinder. Eine Kolumne mit Herz, Humor, ein bisschen Kritik und ganz viel Respekt.

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