Kolumne "Liebe Lena ... Post von Papa"

Durchschlafen? Auch als Opa noch undenkbar!

Sind die Kinder aus dem Haus, können Eltern endlich wieder in Ruhe durchschlafen. Von wegen! In unserer Freitags-Kolumne berichtet unser Autor, wie er nachts noch immer bei jeder Kleinigkeit aufwacht.

Ja, ja – liebe Lena, das mit dem Nicht-Durchschlafen kenne ich gut. Wenn du mal wieder klagst über die mitternächtlichen Hustenattacken deiner Mädels, ihre Albtraum-Störungen oder schlicht – bis vor einigen Monaten – über die Flaschen-Zubereitungsarien. Jedes Mal musst du hoch. Dieses In-Etappen-Dösen kann zermürben, dieses Hochschrecken (manchmal auch von deinem Mann) bei der kleinsten Regung deiner beiden Mädchen kostet Kraft.

Du kannst das sicher kaum noch hören – aber lass dir sagen: das wird irgendwann besser. Was allerdings bleibt, ist der unruhige Schlaf. Leider.

Aber ehrlich gesagt: Ein tiefer, entspannter Murmeltierschlaf klappt auch bei mir seit Jahren nicht. Der Grund ist nicht, weil ich mich mit Meilenschritten der Senilität nähere – nein, weil ich es seit euren Babytagen irgendwie gewohnt bin: schon das kleinste Knacken, das Wippen der Matratze, das unruhige Atmen des Menschen neben mir, all das reicht, und ich sitze senkrecht im Bett.

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Die Frau an meiner Seite weiß davon ein Lied zu singen: Die Augen weit aufgerissen, schnellt der Kopf von links nach rechts, von rechts nach links, ich checke schnell die Lage ab. "Wo, was ist los? Soll ich eine Wärmflasche machen? Willst du was trinken, einen Tee?" Gelernte Erste-Hilfe-Fragen in der Dunkelheit. 

Ich bin hellwach – das ist die Konditionierung. Bereit eine Babyflasche zu erwärmen, das Bäuerchen nach dem Stillen herauszulocken oder die Windel zu begutachten – na ja, diese Prägung mag im Laufe der Zeit eher verlorengegangen sein. Daran mag ich mich nun doch nicht so gern erinnern.

Aber diese nächtlichen Sessions mit dem Auge-sei-wachsam-Tick werde ich halt nie vergessen. Es war eben eine der wenigen Momente, in denen ich mich einbringen konnte, wenn eure Mutter nach langem Tag mit vier Kindern wirklich die Augen kaum aufkriegen konnte. Papas Einsatz. Auch wenn ich es manchmal echt verflucht habe ... das war Ehrensache.

Neben dieser Hab-Acht-Stellung habe ich seit euren Babytagen noch etwas anderes bis jetzt ins hohe Frührenten-Alter beibehalten: das Einstecken eines Nachtlichts in die Steckdose. Zu oft habe ich mir Knie und Zehen böse gestoßen, wenn ich durch die dunkle Wohnung zur Küche tapste oder die Tür zum Badezimmer suchte. Dieses Leitsystem mit Dämmerlicht ist eine wunderbare Erfindung.

Und etwa Drittes gehört seit Jahrzehnten zu meinem Verhaltensrepertoire: Wenn ich meinen nächtlichen Aktivitätsschub hinter mir habe, lege ich mich schnurstracks wieder auf meine Schlafseite – und schlummere in Nullkommanix wieder ein.

Die Kinder schlafen ja auch wieder, weiß mein Gehirn – dann kann ich ja auch wieder ins Land der Träume wechseln ...

LIEBE LENA ... POST VON PAPA

Chefredakteur Christian Personn ist nicht nur Papa, sondern auch Opa – und schreibt in seiner Kolumne Briefe an seine Tochter Lena, in denen er seine Erfahrung an sie weitergibt. Der Jesper Juul von Leben-und-erziehen!

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