Das erste Wochenende nach der Trennung

Mit Papa allein zu Hause

Freitag ist Kolumnen-Tag bei "Leben & erziehen"! Zum Start ins Wochenende lassen wir euch ein bisschen am Leben unserer Redakteurinnen und Redakteure teilhaben. Heute mit Jan Wickmann, der über das erste Wochenende mit seinen Kindern berichtet – nach der Trennung von seiner Frau.

Jeder hat seine ganz persönlichen Albträume. Sehr lange hat mich nachts der Gedanke gequält, dass ich noch einmal für ein paar übersehene Resttage von der Bundeswehr eingezogen würde. Irgendwann wurde das von der Vorstellung abgelöst, dass meine Ehe zerbricht, meine Kinder getrennt von mir aufwachsen.

Der Anruf von der Dienstelle kam nicht. Der zweite Albtraum wurde Realität – wenn auch nicht so krass, wie in meinem Träumen, da ich meine Kinder sehr regelmäßig sehe.

Nun also das erste Wochenende mit den Dreien allein in meiner neuen Wohnung

Es ist leer. Minimalismus auf hohem Niveau. Sieht so überhaupt nicht nach Kindern zwischen sechs und elf Jahren aus. Ich habe schnell ein Sofa, einen Fernseher und für jeden ein Bett gekauft. Der Vormieter hat mir einen ferngesteuerten Smart dagelassen – mit Batterien. Im Erdgeschoss ist außerdem eine Eisdiele. Das alles reicht für einen Serienmarathon mit den Kindern – aber ansonsten weder den Kindern und noch weniger mir.

Die Anspruchshaltung ist hoch

Meine Kinder erwarten Papi-Programm vom Allerfeinsten. Denke ich. Und stehe unter Druck. 

"Was machen wir heute?"
In der fast leeren Wohnung bleiben. Keine Option.
Wir treffen uns zum Frühstücken im besten Bagel-Laden der Gegend mit Freunden und deren Kindern. Lange Gesichter.
"Was ist los?"
"Wir würden am liebsten allein was mit dir machen."
Machen wir dann hinterher im Kletterpark.

Der Kletterpark ist ein ziemlich cooler Plan. Finde ich. Bis wir angekommen sind. Die Jüngste darf gar nichts erst aufs Seil. Der Mittleren ist schon der zweite Parcours zu hoch. Ich sehe sie unten traurig sitzen, während mich mein Ältester weiter oben verflucht, weil er in den Seilen hängt ...

Am Abend sitzen wir zu viert in der Küche

An einem Mini-Esstisch – auch vom Vormieter. Unsere Teller ragen zu einem Drittel über den Tischrand. Wir grillen auf einem Minigrill, ein bisschen Fleisch, Fisch und Gemüse, trinken Wein und Pfirsich-Saft, machen die Glühbirne aus, zünden Kerzen an.

Wir unterhalten uns, genießen es, zusammen zu sein – ohne Action, ohne Nervenkitzel. Nur wir. Mehr geht nicht. Ging es noch nie. Muss es auch in Zukunft nicht. Was für eine wertvolle Erkenntnis am ersten Tag allein mit meinen Kindern.

Und das Eis von unten und einen Film gibt es selbstverständlich dann auch noch.

Kolumne "Ja Ja Jan: Heute Abend gibt's Pizza"

Verleger Jan Wickmann ist dreifacher Papa – und sagt wie vermutlich alle Working-Dads häufiger JA als seine Frau, wenn er mit den Kids unterwegs ist. Am Ende seiner Kolumne gibt’s traditionell Pizza – oder auch mal ein Eis.

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