Kolumne "Mama Kolumna"

Homeoffice mit Kleinkind? Ich hab ganz andere Probleme!

Freitags ist Kolumnen-Tag bei "Leben & erziehen". Zum Start ins Wochenende lassen wir euch ein bisschen am Leben unserer Redakteure teilhaben. Heute mit Nora, die im Lockdown mit Kleinkind ganz andere Probleme hat als "nebenbei" zu arbeiten.

(Achtung, diese Kolumne könnte Spuren von Ironie enthalten.)

Hurra, endlich wieder ganz viel Familienzeit! Nichts anderes ist doch dieses Homeoffice mit Kleinkind, oder? Es fällt mir wirklich schwer, ohne Ironie über dieses Thema zu sprechen, deswegen versuche ich es gar nicht erst. Auch in Hamburg hat es uns nun also erwischt und die Kitas machen ab Montag für Normalsterbliche wie mich die Schotten dicht. Ja, ich hatte meine Tochter nach drei Wochen Weihnachtspause wieder hingebracht – Gründe dafür gab es viele, doch die sind jetzt egal. Denn nun hat der kleine Wirbelwind entspannte vier Wochen (mindestens ...) Ferien und wir Erwachsenen nicht. Eine ganz hervorragende Kombi, die dunkle Erinnerungen an Lockdown Nr. 1 durch meinen Kopf wabern lassen.

Homeoffice mit Kind? Come on. Früher hieß es "Schlafen, wenn das Baby schläft", nun zelebrieren wir eben "Arbeiten, wenn das Kind schläft". Denn ganz ehrlich: Vier Wochen (oder mehr) mit Kind zu Hause bringen doch viel größere Probleme mit sich – und wenn ich dem Internet glauben darf, stellen die nicht nur mich vor immense Herausforderungen ...

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Die WIRKLICH großen Herausforderungen an einem Lockdown mit Kind

"Was essen wir heuteeee?"

Für jeden Tag, an dem mein Kind in der Kita Mittag isst, bin ich SO dankbar. Denn damit ist zumindest eine ausgewogene und vitaminreiche Mahlzeit am Tag gesichert. Nicht nur das: Selbst den "Schnegg" aus Obst und Knabbergemüse vertilgt meine Tochter in Gesellschaft anderer Kinder mit größtem Vergnügen.

Zu Hause könnten wir Bananen, Paprika und Co. in ausgeklügelten Mandalas anrichten – die Gute würde ihnen keines Blickes würdigen. Dass Instagram gerade wieder voll ist mit Essensplänen und Rezepten für Kinder zeigt mir, dass nicht nur ich mich in Sachen Menüplanung und buntem Kochen schwertue.

Endgegner: die frische Luft

Herrlich, wenn mich das Kind schon morgens mit "Heute gehen wir aber nicht raus, Mama" begrüßt. Habt ihr auch solche Teilzeit-Stubenhocker zu Hause? Okay, ein langer Spaziergang steht bei dem Hamburger Schietwetter auch nicht ganz oben auf meiner Bucket List, aber wat mutt, dat mutt. Fast immer ist das Laufradfahren am Ende doch total dufte, doch der Weg von der Idee übers Anziehen bis zur Haustür ist ein steiniger ...

Ich werde mir noch mal die Tipps unseres Autors Birk Grüling zu Herzen nehmen und versuchen, mehr Abenteuer vor unserer Haustür aufzuspüren.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Kinder sind Gewohnheitstiere und meine Tochter ist die Anführerin. Hat sie einmal etwas für sich entdeckt, ist alles andere für Wochen abgeschrieben. Vor einiger Zeit hat sie "Feuerwehrmann Sam" kennengelernt. Nach einer Woche "Katze retten" (aka Kuschelhund hängt auf dem Kletterdreieck fest) hatten wir Eltern unsere eigenen Namen dann auch vergessen und fühlten uns mit Penny und Mike durchaus angesprochen.

Ebenfalls eine seit Wochen, quatsch: MONATEN!, geliebte Tradition: Grüffelo hören. Hermetisch abgeriegelt unter einer Decke, damit uns die große böse Maus nicht findet – und auch bloß niemand Luft bekommt.

Warum wir immer dreitausend Kinderbücher aus der Bücherhalle mitschleppen? Keine Ahnung, wir gucken vier Wochen lang immer nur eines davon an. Immer und immer wieder. Abwechslung, nein danke.

Pläne sind zum Über-den-Haufen-Werfen da

In der Theorie klingt Homeoffice mit Kind eigentlich total machbar: Papa arbeitet vormittags, Mama nachmittags (oder andersrum) und wenn die Kleinen im Bett sind, legen beide bei einem Vino noch zwei Stündchen die entspannte Abendschicht ein.

In der Realität ist das anders. Kaum hat sich Mama zum wichtigen Meeting verzogen und Papa sämtliche Ablenkungsmanöver aufgefahren, kennt das Kind garantiert nur noch einen place to be: Mamas Schoß. Schichtwechsel 30 Minuten später – selbstverständlich ist genau jetzt Papa der Held der Stunde und ein Dasein ohne ihn keine Sekunde lang möglich.

Bonjour Tristesse

Puppenhaus, Kuscheltiere, Duplosteine, Brettspiele, Bücher, Malen, Basteln, Kneten – ich vermute, nicht nur wir haben schon im ersten Lockdown das volle Angebot an Beschäftigungen aufgefahren. Und, logisch, auch für die nun bevorstehenden Wochen ist bereits ein großes Paket mit Bastelsachen auf dem Weg zu uns.

Aber warum wollen Kinder eigentlich den lieben, langen Tag IMMER NUR EINS spielen?! Und das auf keinen Fall alleine? Vielleicht liegt das an den Gewohnheitstiergenen ... Was bin ich froh, dass wir immerhin zu zweit sind. Mein Beileid geht an dieser Stelle raus an alle Alleinerziehenden (wie macht ihr das?!)!

Viva la Lotterleben

Das größte Problem aber, das uns erst in einigen Wochen bevorsteht, wird sein, dieses Lockdown-Lotterleben ziehen zu lassen. Denn ich gebe es zu: Es ist auch schön. Ja, der erste Lockdown hat uns oft genug an alle möglichen Grenzen gebracht und auch der zweite wird es tun. Aber das hier ist natürlich jammern auf hohem Niveau (und eventuell mit einem Augenzwinkern geschrieben).

Diese Umstände schenken uns Zeit, unserer Tochter beim Aufwachsen zuzusehen, die wir sonst niemals gehabt hätten. Es bricht mir nur das Herz, dass die Großeltern lediglich via Videocalls dabei sein können. Doch der Frühling kommt und mit ihm das Ende des Lockdowns. Da bin ich mir sicher.

Kolumne "Mama Kolumna"

Nora aka Mama Kolumna, die verschlafene Mama-Reporterin, kauft ständig Erziehungsratgeber – liest sie aber nicht. In ihrer Kolumne schreibt sie über das Leben mit ihrem dreijährigen Wirbelwind und versucht nebenbei Antworten auf Fragen wie "Mama, warum haben Elefanten einen Schwanz?" zu finden.

Über das Thema "Homeoffice mit Kleinkind" will sie sich gar nicht mehr aufregen – klappt nur leider nicht immer.

Mehr von Mama Kolumna findet ihr auf Instagram.

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