Lieblingsspielzeug fürs Leben

Kindheitserinnerungen vererben: Ich schenk dir meinen Schatz!

Babypuppe, Schaukelpferd oder Brummkreisel – jedes Kind hat ein Lieblingsspielzeug. Manchmal hält diese Liebe ein Leben lang und wird sogar noch an den eigenen Nachwuchs vererbt.

Mein alter Brummkreisel

Als 2019 meine Tochter auf die Welt kam, brachte meine Mutter mir zum ersten Kennenlernen ihres Enkelkindes einen Brummkreisel mit. Diese Spielzeuge sind heute nur noch selten in den Kinderzimmern zu finden, doch als kleines Mädchen faszinierte mich das sich rasend schnell drehende, bunte und summende Teil unglaublich. Immer und immer wieder wollte ich ihn in Bewegung bringen."Der sieht aus wie meiner früher", sagte ich zu meiner Mutter. Sie lachte mich an: "Das ist deiner!" All die Jahre hatte sie den Blechkreisel aufbewahrt und nur darauf gewartet, dass sie ihn mir irgendwann geben kann. Meine Tochter heute damit spielen zu sehen weckt deshalb jedes Mal wieder ein ganz besonderes Gefühl in mir. Ich bin fast ein bisschen glücklich, wenn sie nach dem alten Ding greift und nicht nach der neuen Eisenbahn. Denn schenkt man Kindern etwas Neues, freuen sie sich. Schenkt man ihnen ein Erbstück, freuen auch wir uns – weil es immer ein Teil der eigenen Kindheit ist. In diesem Artikel habe ich ein paar dieser Geschichten gesammelt. Und wer weiß, vielleicht wartet auf eurem Dachboden auch ein altes Schätzchen aufs Verschenken ...

Autorin Andrea Leim (44) mit ihrer Tochter Philomena (2) und dem Brummkreisel. Er brummt übrigens noch genauso gut wie früher.

Die alte Babywiege

1989 schlief Charlotte als Baby in der Wiege, die ihre Mutter drei Jahre zuvor auf einem Antikmarkt in der Dortmunder Westfalenhalle erstanden hatte. "Meine Mama hat die Wiege mithilfe eines Freundes selbst aufgearbeitet, als sie mit meiner großen Schwester schwanger war", erzählt Charlotte. Seitdem haben insgesamt 15 Babys aus dem Familien- und Freundeskreis in dem wunderschönen Bettchen gelegen – zuletzt, 30 Jahre später, Charlottes eigene Tochter Marlene, die 2019 zur Welt kam. "Ich habe mir immer gewünscht, dass irgendwann auch mein Kind darin liegen wird. Und als Marlene dann zum ersten Mal darin schlief, war das ein sehr besonderer Moment für mich und ihre Oma", sagt Charlotte.

Der doppelte Teddy

Zu ihrer Taufe im Oktober 1982 bekam Claudia durch Zufall zweimal den gleichen Teddy geschenkt – den Klassiker von Stofftier-Riese Steiff. Ihre Taufpatin und ein Freund der Eltern hatten sich im Vorfeld nicht abgesprochen. "Ich konnte mit der doppelten Teddy-Ladung als Kind nicht viel anfangen, hatte immer nur einen von beiden im Einsatz", erzählt sie. "Den aber umso intensiver: Ich habe ihn auch später als Teenager und Erwachsene überall mit hingenommen, er war schon auf vier Kontinenten." Erst gut drei Jahrzehnte nach der Taufe bekam auch Teddy Nummer zwei seine Funktion – als Claudia Mama von Zwillingen wurde. "Meine Kinder lieben die Teddy-Twins. Bei ihrer Geburt sah das vernachlässigte Exemplar aus wie neu, inzwischen kommen sich beide in Sachen Gebrauchsspuren aber immer näher. Mal gucken, ob Nummer zwei auch die Reisen aufholt..."

Das Schaukelpferd

Seit über 80 Jahren ist das Holzschaukelpferd im Besitz von Madeleines Familie. Ihre Urgroßmutter hatte es einst für die Tochter gekauft, die darin die ersten Schaukelversuche machte. Madeleines Mutter Elke saß darin, ihre Zwillingsschwester Miriam und sie selbst – und vor einigen Jahren zum ersten Mal auch Sohn Theo. "Damals war er erst elf Monate alt und brauchte ein Kissen", erinnert sich Madeleine. "Ich musste lachen und war gleichzeitig gerührt, weil mir dieses Bild bewusst machte, welch ein Glück ich habe, in einer Familie aufzuwachsen, die immer zusammenhält. Und ich bin sehr froh, dass Theo das gleiche Glück hat." Theos aktive Schaukelzeit ist fast schon vorbei: "Bald werden wir das Pferd wieder in eine Decke hüllen und es auf dem Dachboden lagern – bis das nächste Kind kommt."

Die Lieblingspuppe

Als Melanie aus Langenhagen vor 30 Jahren ihre Weihnachtsgeschenke aus- packte, strahlte sie übers ganze Gesicht: Ihre Eltern hatten ihr tatsächlich die heiß ersehnte Baby-Born-Puppe gekauft! "Ich wollte schon immer Mama werden, und die Baby Born war deshalb das große Highlight für mich. Drückte ich ihren linken Arm, machte sie Weingeräusche, drückte ich den rechten, flossen die Tränen. Außerdem konnte sie richtig aufs Töpfchen gehen. Wie ein echtes Baby eben", erzählt Melanie. Die Puppe war der große Schatz des Mädchens und musste deshalb überall mit hinkommen. Anfangs nur in den Urlaub. "Doch auch als ich schließlich bei meinen Eltern auszog, habe ich sie mitgenommen." Als sich 2017 Töchterchen Tiana ankündigte, stand für Melanie fest, dass ihr Kind ihr liebstes Erinnerungsstück bekommen sollte. Und so durfte ihre Kleine schon sehr früh mit der Baby Born spielen. Es stellte sich heraus, dass Tianas Puppenherz mindestens so groß war wie das ihrer Mama. Deshalb bekam Tiana mit gut zwei Jahren ihre neue, eigene Baby Born geschenkt. Eins steht für Melanie fest: Sollte Tiana irgendwann einmal das Interesse an ihrer Puppe verlieren, wird sie sie für sie auf bewahren: "Denn wenn meine Tochter später selbst einmal Mama wird, wird sie sich freuen, auch ihrem Kind etwas so Besonderes schenken zu können."

Die vererbte Jacke

1985 entdeckte Sarahs Mutter diese Winterjacke in einer Kinderboutique in Erlangen. Normalerweise suchte sie nach Kleidung, die bereits im Schlussverkauf war, doch für diese Herbstjacke zahlte sie den vollen Preis. "Ihr gefiel das helle Türkis und das dazu passende karierte Innenfutter so sehr", erzählt Sarah. "Sie fand, dass es zu meinen dunklen Haaren passte." Ein paar ausgewählte Stücke, zu denen auch diese Herbstjacke gehörte, hob sie für Tochter Sarah auf, die sie nun an ihren Sohn Jascha weitergibt. "Ich schätze diese Kleidungsstücke ganz besonders und kaufe auch aktuell überwiegend Vintage-Sachen für meinen Sohn, weil mich die Kleidung aus den Achtzigern an meine Kindheit erinnert", sagt Sarah.

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Unsere Autorin

Andrea Leim

Andrea Leim arbeitet seit mehr als 20 Jahren für verschiedene Redaktionen, hauptsächlich im Bereich Kinder, Kultur und Krachmusik. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit ihrem Mann bei Konzerten, zu Hause rockt ein kleiner Lockenkopf ihr Leben als Mama.

Andrea hat mit "Die Geschichte deiner Geburt: Mein Brief für dich" das erste Leben & erziehen-Buch geschrieben. Es ist im April 2021 erschienen.

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