Kolumne @ganznormalemama

Warum "Mama-Papa-Vergleiche" nicht witzig sind

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute erklärt Nathalie, warum sie über "witzige" Mama-Papa-Vergleiche absolut nicht lachen kann:

"Wenn Mama das Kind anzieht. Wenn Papa das Kind anzieht. So warten Mamas, dass ihr Kaffee durchläuft. So warten Papas auf ihren Kaffee." – Kennt ihr diese lustig gemeinten Videos? So richtig lachen kann ich über diese Witze nicht. Sie überhöhen die Mutter und werten den Vater ab – sie unterstützen Klischees über verstaubte Rollenmodelle, die wir im Jahr 2021 eigentlich überwunden haben sollten. Ich soll mich nicht so anstellen, ich alte Spaßbremse? Man kann doch einfach mal lachen und muss nicht immer alles so bierernst sehen? Nö.

Die Themen Vereinbarkeit und Gleichberechtigung sind zu ernst, zu dringend, zu wichtig. Derartige Witze stehen uns dabei leider im Weg. Das sage ausgerechnet ich, die immer verkündet, mit Humor ginge alles leichter? Ja. Ich bin der festen Überzeugung, dass es das Leben erleichtert, wenn wir alles nicht immer so ernst nehmen und vor allem auch uns selbst nicht so ernst nehmen. Humor ist etwas Verbindendes, kann Mauern einreißen und Kritik ihre Schärfe nehmen. Aber: Wenn Humor den Zweck erfüllt, sich selbst zu erhöhen, ist das nicht meine Art von Humor. Denn dann wird Humor verletzend, abgrenzend, spaltend.

Eben das passiert bei diesen Gegenüberstellungen: Die Mutter zieht das Kind adrett und passend zum Wetter an, beim Vater ist der Pulli schon mal falsch herum und Rosa wird mit Rot kombiniert. Die Mutter putzt die halbe Küche, während ihr Kaffee am Vollautomaten in 30 Sekunden durchläuft, der Vater steht derweil da und popelt in der Nase. Klischeealarm! "Man wird ja wohl noch mal lachen dürfen."

Aber: Es sind Stereotype. Meinetwegen ist es "tatsächlich oft so". Solche Klischees haben ja auch oft einen wahren Kern. Aber Witze dieser Art helfen nicht, Klischees und veraltete Rollenmodelle zu überwinden. Sie sorgen eher dafür, dass die Gräben tiefer werden. Auch über Humor sollte nachgedacht werden. Alte Rollenmodelle zu bedienen ist wenig hilfreich, um mehr Gleichberechtigung zu erlangen, um mehr Vereinbarkeit zu ermöglichen und Männer mit ins Boot zu holen, wenn es um gleichberechtigte Elternschaft geht. Mit derartigen Witzen kommen wir nicht weiter, es lässt uns auf der Stelle treten oder noch schlimmer: wirft uns zurück.

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Unsere Gastautorin

Nathalie Klüver ist Journalistin, Mama-Reporterin und bloggt als "Ganz normale Mama" von den Tücken des Alltags mit drei Kindern (zwei, sechs und neun Jahre alt). In ihrer Kolumne schreibt sie u. a., warum sie pastellfarbene Kinderzimmer bei Insta und Co. nicht mehr sehen kann. Und wieso es unperfekt viel besser ist.

Nathalie auf Instagram: instagram.com/eineganznormalemama

Nathalies Blog: ganznormalemama.com

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