Aktiv die Umwelt schützen

Mülltrennung mit Kindern: So geht's richtig

Die korrekte Mülltrennung kommt so manch einem vor wie eine Wissenschaft für sich. Doch wenn man ein paar Dinge beachtet, ist es eigentlich ganz einfach. Wir haben mit einer Expertin von Greenpeace gesprochen, die uns verrät, warum das richtige Trennen von Müll überhaupt so wichtig ist.

Experten-Bild

Unsere Expertin

Viola Wohlgemuth (geboren 1985) ist studierte Pharmazeutin und arbeitet seit 2018 als Konsumexpertin bei Greenpeace. Sie lebt selbst nach dem Zero-Waste-Prinzip und kauft Lebensmittel hauptsächlich in Bio-Qualität.

Die Gerüchte, dass Mülltrennung total egal ist, weil am Ende eh alles wieder zusammengekippt wird, halten sich hartnäckig. Wird der Müll am Ende denn tatsächlich recycelt? "Diese Gerüchte stimmen definitiv nicht", sagt Greenpeace-Expertin Viola Wohlgemuth. Es sei ganz wichtig, dass wir trennen, denn nur dann könne überhaupt recycelt werden. "Die Dinge, die sauber getrennt werden, werden auch wirklich recycelt, das ist wertvolle Ware", weiß die Expertin, die selbst die Anlage des Gelben Sacks besucht hat. "Das heißt, wir sollten, wo möglich, immer unterschiedliche Materialien immer voneinander trennen, also den Aludeckel vom Plastikjoghurtbecher komplett abziehen und auch die gegebenenfalls vorhandene Papierbanderole getrennt entsorgen", rät die Expertin.

Mischgewebe sei ein großes Problem, da es nicht verwertbar sei, sondern oft nur noch verbrannt werden könne. Das betrifft auch Getränkekartons, die aus mehreren Schichten mit verschiedenen Materialien bestehen. "Tetra-Paks sind eine absolute Umweltkatastrophe. Durch das Verbundmaterial mit verklebtem Aluminium und Plastikschichten sind sie nicht recyclingfähig, lediglich das Papier kann wiederverwendet werden. Daher raten wir immer zu Glasflaschen, am besten Mehrweg", sagt Viola Wohlgemuth.

Warum Mülltrennung wichtig ist

Das Hauptproblem, wenn man nicht trennt: Uns gehen wertvolle Stoffe verloren, die man hätte wiederverwerten können. Wir verschwenden also unsere Ressourcen. Schlecht getrennter Müll werde leider noch immer in OECD-Staaten exportiert und lande zum Teil auf illegalen Mülldeponien, warnt Viola Wohlgemuth.

Restmüll hat in einer anderen als der grauen oder schwarzen Tonne nichts zu suchen, denn sonst beeinflusst bzw. verhindert er das Recycling der gesammelten und korrekt getrennten Verpackungen. Andersherum haben Verpackungen nichts in der Restmülltonne zu suchen, da sie dann nicht recycelt werden können. Wusstet ihr, dass die Mülltrennung inzwischen sogar gesetzlich vorgeschrieben ist? Das steht in §13 des Verpackungsgesetzes von 2019.

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Verpackungsmüll abwaschen oder nicht?

Viele Eltern fragen sich, ob man Joghurtbecher, Einwegflaschen und Co auswaschen sollte, bevor sie in den Müll kommen. Denn der Wasserverbrauch ist ja auch wieder nicht gut für die Umwelt. Fakt ist, Verpackungen sollten zumindest restentleert sein, Viola Wohlgemuth rät aber: "Ich würde alles ausspülen, da sich sonst Pilze, Bakterien und Gase ansammeln können. Am besten im benutzten Abwaschwasser, um kein weiteres Wasser zu verbrauchen."

Müllvermeidung im Haushalt, Zero Waste leben – ein Beispiel aus der Praxis

455 Kilogramm Müll verursacht der "Durchschnittsdeutsche" pro Jahr. Tanja Heller ist anders: Null Verschwendung und null Müll ist bei ihr und ihrer Tochter seit Jahren selbstverständlich. Wir haben sie gefragt, was das für den Alltag – gerade mit Kind – bedeutet. Und wie wir alle ein wenig mehr zur Müllvermeidung beitragen können.

Leben & erziehen: Du hast mit deiner Tochter seit Geburt an nach dem "Zero Waste"- Prinzip gelebt. Was genau bedeutete das für die Zeit mit Baby?
Tanja Heller: Wiege, Babywanne, Laufstall, Wickeltisch, Schnuller, Feuchttücher, Fläschchen ließen wir im Laden. Im ersten Jahr stillte ich. Brei kochten wir aus Gemüse und froren ihn ein. Gewaschen wurde im Waschbecken. Außer Mandelöl, Babyschere und Tragetuch habe ich vorher bewusst nichts gekauft, sondern alles gebraucht und neuwertig geschenkt bekommen, sogar Stilleinlagen aus Seide. Ein Föhn und ein Kleiderbügel, als Halterung, ersetzten den Heizstrahler.

Leben & erziehen: In vielen Kinderzimmern stapelt sich das Spielzeug in Unmengen. Wie sah das bei euch aus?
Tanja Heller: Ich habe mich immer bemüht, Spiel­zeugkonsum zu vermeiden und fantasievolle Spielmöglichkeiten herzustellen: Aus Pappmaschee und Spielteig modellierten wir Musikin­strumente, Kinderküche, Theater und das Kaufladenequipment. Es gab einen großen Garten mit Kletterwand aus alten Fahrrad­schläuchen, Balancieren auf aus­rangierten Spannseilen von LKWs. Die Kids bauten ein zweistöckiges Baumhaus am Fluss. Sie befreiten das Ufer von Müll und fuhren mit selbst gebauten Booten, einem halbierten Kanister und ausgedienten Kanus.

Leben & erziehen: Wie können Familien beim Thema Konsum umdenken?
Tanja Heller: Wenn Eltern sich in der Schwanger­schaft verantwortungsvoll Gedanken machen und sich informieren, wel­ches Spielzeug für das Kind sinnvoll und nicht gesundheitsschädlich ist, entfällt eine Unmenge an Plastik­, Elektroschrott und Chemiebergen im Kinderzimmer. Erwachsene, die Geschichten erzählen und vorlesen und sich mit ihren Kindern beschäf­tigen, machen elektronische Unterhaltung im Kinderzimmer überflüssig. Eltern, die immer bewusst für und mit ihren Kindern einkaufen, werden sie zu kritischen Konsumen­ten machen.

Zur Person: Tanja Heller ist Werbetexterin und Autorin ("Minimalismus"). Seit der Geburt ihrer Tochter lebt sie nach dem Zero-Waste-Prinzip. Mehr Infos über ihre Person: www.texterin-mit-biss.de

Das Interview führte Silke Schröckert

Gespritzte Obst- und Gemüseschalen gehören nicht in den Biomüll

Gehören denn auch gespritzte Orangen-, Apfel-, Kartoffelschalen und Co (also aus Nicht-Bio-Anbau) in den Biomüll, also die grüne Tonne? "Nein", sagt Viola Wohlgemuth, "idealerweise kauft man sie gar nicht erst, wegen der Pestizide. Die sind ja nicht nur in der Schale." Und wenn man sich die Bio-Produkte nicht leisten kann oder will, sollte man vor allem Zitrusfrüchte, Äpfel und Kartoffeln immer gut mit heißem Wasser abwaschen und anschließend mit einem Tuch abreiben. Die Reste gehören dann laut Greenpeace-Expertin strenggenommen in den Restmüll, da es sich um "schadstoffhaltige Abfälle" handelt.

Wohlgemuth: "Ich würde sie keinesfalls auf den heimischen Kompost geben, da dort nicht die hohen Temperaturen erreicht werden wie in industriellen Kompostieranlagen. Da aber der große Teil unseres Obstes und Gemüses leider noch konventionell hergestellt wird, was das Spritzen mit Pestiziden beinhaltet, würden wir, wenn sie nicht in der Bio-Tonne landen, auch die ganze Biomasse für neue Erde verlieren. Also am besten immer Bio kaufen, dann belasten wir weder uns noch unsere Umwelt."

Und noch einen Tipp hat Viola Wohlgemuth parat: "Bitte den Bio-Müll nicht mit Plastiktüten, auch nicht aus sogenanntem kompostierbaren Plastik, in die Bio-Tonne geben, denn selbst diese enthalten meistens herkömmliches Plastik und verschmutzen den Kompost. Lieber in einer Edelstahldose oder in Papiertüten sammeln und dann in die Tonne geben."

Checker Tobi: Video für Kinder zum Müll-Check

In diesem Video erklärt Checker Tobi kindgerecht, was es mit dem Müll auf sich hat:

Kindern Mülltrennung erklären

Wie motiviert man Kinder dazu, den Müll richtig zu trennen? Schon Kinder können lernen, dass Mehrweg besser ist als Einweg, aber auch, dass Müllvermeidung sinnvoll ist und noch dazu Zeit und Geld spart. Viola Wohlgemuth wünscht sich, dass Kita- und Schulgruppen Unverpacktläden besuchen, damit die Kinder die Alternativen kennenlernen. Inzwischen gibt es rund 400 Unverpacktläden in Deutschland. Lebensmittel ohne Verpackung zu kaufen sei oft sogar billiger, da man wirklich nur für das Lebensmittel zahlt, so die Greenpeace-Expertin. Kinder lieben es, ihre eigenen Boxen aufzufüllen. Sie entwickeln so auch einen ganz anderen Bezug und ein Bewusstsein für ihre Lebensmittel, wenn diese nicht in Verpackungen versteckt werden. Auch ein Bauernhofbesuch ist spannend und lehrreich zugleich. Die Kinder sehen dann, was alles dahintersteckt, bevor unsere Lebensmittel im Supermarkt landen.

Gut erhaltene Dinge weitergeben

Ihr habt Dinge, dir ihr nicht mehr braucht, obwohl sie noch gut erhalten sind? Dann gebt sie doch in eine Givebox.

Was das ist?

Eine Givebox lädt Nachbarn und Passanten dazu ein, Dinge zu tauschen oder zu verschenken. Es kann ein wetterfestes Regal, ein begehbarer Schrank oder ein kleiner Container sein. Was man nicht mehr benötigt, stellt man hier ab – und jemand anderes kann sich darüber freuen. Und wenn es bei euch in der Nähe noch keine gibt, stellt doch selbst eine auf. Infos dazu gibt's unter dem Link oben.

Extra Müll durch die Pandemie

Gerade jetzt durch die Pandemie entstehen Berge an Müll durch Masken, Testkits etc. Doch der Verpackungsmüll, der durch Lieferservices in den Lockdowns entsteht, sei noch viel gravierender, meint Viola Wohlgemuth. Also, wann immer es geht, lieber selber kochen. Eltern können in vielen Bereichen Vorbild sein.

Zero Waste – mehr als ein Trend

"Weltweit landet jede Minute eine Lkw-Ladung voll von Plastik in unseren Meeren", weiß unsere Expertin. Daher hat Greenpeace einen Zero-Waste-fünf-Punkte-Plan entwickelt:
Refuse: Verpackung ablehnen, auch kleine Geschenke wie Mini-Gummibärchentüten, Kugelschreiber etc.
Reduce: Alles, was ihr nicht wirklich braucht, solltet ihr auch nicht kaufen.
Reuse: wiederverwenden oder reparieren. Eigene Trinkflasche oder Mehrweg-Kaffeebecher mitnehmen.
Recycle: Müll, der sich nicht vermeiden lässt, richtig trennen.
Rot: Alles, was nach den vorigen Punkten übrig bleibt, sollte organisch sein und eignet sich perfekt für den Kompost oder die Wurmkiste. So erzeugt ihr selbst wertvollen Dünger für eure Pflanzen.

Persönlicher Zero-Waste-Tipp von Viola Wohlgemuth
Sammelt als Familie eine Woche lang euren gesamten Müll (auch von unterwegs). Dann sortiert ihn und schaut, wovon ihr am meisten habt. Das ist eure persönliche "Müll-Problemzone". Hier könnt ihr ansetzen und Schritt für Schritt reduzieren.

Welcher Müll gehört in welche Tonne? Ein Überblick

In Deutschland sind die Mülltonnen farbig sortiert. So kann man sich leicht merken, in welche Tonne welcher Müll gehört. Die gängigsten Farben sind wohl die folgenden:

graue oder schwarze Tonne: Restmüll. Dazu gehören Spezialpapiere wie Backpapier, normale Glühbirnen und Halogenlampen, Windeln, auch Öko-Windeln, Tampons und Binden, volle Staubsaugerbeutel etc. Dieser Müll kommt in die Müllverbrennungsanlagen und wird dort verbrannt.
gelbe Tonne/gelber Sack: Leichter Verpackungsmüll aus Kunststoff, Aluminium, Weißblech und Kombinationen aus verschiedenen Materialien (sogenannte Verbundmaterialien), womit Dinge und Lebensmittel verpackt sind, zum Beispiel Getränkeverpackungen wie Tetra-Paks, Chips-Packungen etc. Unterschiedliche Materialien wenn möglich trennen. Verpackungen nicht stapeln, sondern einzeln in den Sack oder die Tonne geben.
blaue Tonne: Papiermüll. Ausschließlich unverschmutztes Papier, Pappe und Karton. Also kein fettgetränkter Pizzakarton. Und auch keine Kassenbons oder Kontoauszüge aus Thermopapier. Die gehören in den Restmüll. Das Paketklebeband sollte von Kartons entfernt werden – das Klebeband gehört dann in die gelbe, der Karton flachgelegt in die blaue Tonne.
braune oder grüne Tonne: Bio-Müll, also organische Küchenabfälle oder -reste wie Obst- und Gemüseschalen (bio), Nuss- und Eierschalen, aber auch Kaffee- und Teefilter (streng genommen aber ohne Alu-Nadel), andere Essensreste (auch Fisch-, Fleisch- und Käsereste), Gartenabfälle, kleine Mengen Heu und Stroh, Schnittblumen, auch Blumenerde.
Altglascontainer, weiß, grün und braun: Leere Einwegflaschen und -gläser gehören ohne Deckel in den Altglascontainer. Übrigens: Blaues Glas gehört in den Container für Grünglas. NICHT in den Glascontainer gehören Blumenvasen, Autoscheiben, Spiegelglas, Trinkgläser, Spezialgläser (da sie weitere Stoffe enthalten), Porzellan
Recycling-/Wertstoffhof: LED-Lampen, Energiesparlampen, Lichterketten, Farbreste, Chemikalien, Elektrogeräte, Kabel, Batterien, ausgediente Akkus, Tapetenreste ...

Welcher Müll in welche Tonne? Listen zum Download

Hier könnt ihr euch die Listen, welcher Müll in die blaue, gelbe und Altglastonne gehört, direkt runterladen, ausdrucken und aufhängen.

Linktipps zu Mülltrennung und Co.

Initiative der dualen Systeme: muelltrennung-wirkt.de
Richtige Mülltrennung laut Bundesumweltministerium: bmu.de/themen/wasser-ressourcen-abfall/kreislaufwirtschaft/abfallarten-abfallstroeme
Übersichtskarte Unverpacktläden: reuse-revolution-map.greenpeace.de
Info zu Workshops für Kitas und Schulen: greenpeace.de/engagieren/kids
Analyse zu Pestiziden in Obst aus Brasilien: greenpeace.de/engagieren/nachhaltiger-leben/giftiger-obstsalat
Kinderseiten des Bundesamtes für Naturschutz für kleine Naturdetektive: naturdetektive.bfn.de/lexikon/sonstiges/muell

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin (Online und Print) bei Junior Medien.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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