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Frauen in Führung

Mütter zwischen Kind und Karriere

Arbeitsplatzgarantie, Teilzeitregelung und Elterngeld machen berufstätigen Müttern das Leben leicht – theoretisch! Denn in der Praxis gestaltet sich der Wiedereinstieg mitunter schwierig. Entscheidend sind Eigeninitiative und gute Organisation.

Martina Riehler ist eine gut ausgebildete Europasekretärin mit eindrucksvollem Werdegang. Doch eines war für die junge Frau klar: Wenn sie und ihr Mann Kinder bekommen, bliebe sie zu Hause.

Zehn Jahre lang widmete sich Martina Riehler ganz der Familie. Der Wunsch, in die Arbeitswelt zurückzukehren, regte  sich bei der jungen Frau erst wieder, als auch ihr jüngster Sohn eingeschult wurde.

Die Firmen, bei denen sie vorsprach, fanden ihre Zeugnisse „sehr alt“. Martina Riehler verstand, dass sie ihre Kenntnisse trotz Topausbildung und -arbeitgeber auffrischen musste. „Die Zahl der Frauen sinkt, die wie Martina Riehler für die Familie lange aus dem Berufsleben aussteigen“, sagt Eike Ostendorf-Servissoglou, Sprecherin des Verbandes „berufstätiger Mütter e. V.“. „Heute haben die Frauen weniger Kinder und kommen relativ schnell wieder in den Job zurück.“

Doppelrolle erwünscht

Junge deutsche Frauen strotzen vor Selbstbewusstsein. 90 Prozent sagen, es sei für sie wichtig, auf eigenen Beinen zu stehen. Beinahe ebenso viele möchten finanziell unabhängig sein. 78 Prozent sind bereit, Verantwortung in Beruf und Gesellschaft zu übernehmen. Dies bedeutet jedoch keine Absage an Kinder und Familie.

90 Prozent aller jungen Frauen wollen Kinder, so das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und der Frauenzeitschrift „Brigitte“. Noch vor einigen Jahren stellten sich Frauen sehr bewusst die Frage, ob sie Kinder haben oder Karriere machen wollen. Diese Zeiten sind vorbei: Beruf und Baby – heute wollen Frauen selbstverständlich beides.

Fast zwei Drittel der Mütter mit minderjährigen Kindern sind laut Statistischem Bundesamt erwerbstätig. „Und das ist gut so“, findet Eike Ostendorf-Servissoglou. „Denn der Wert beruflicher Kompetenzen fällt rapide.“ Das heißt: Die Ansprüche an Qualifikationen im Job wandeln sich stetig und können sich bei längerer Abwesenheit als echte Hürde erweisen.

„Je schneller Mütter dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen, desto besser sind ihre Chancen auf einen qualifizierten Job und einen guten Wiedereinstieg“, erläutert die Expertin. Denn eine längere Auszeit ist für jede Karriere gefährlich. Dass die Familiengründung heute ausgerechnet in eine Lebensphase fällt, in der auch im Job die Weichen gestellt werden, macht es jungen Müttern nicht leichter.
„Am besten überlegt eine Frau schon beim Ausstieg aus dem Arbeitsleben, wie und wann sie zurückkehren möchte und wie sie den Kontakt zum Arbeitgeber auch während der Familienpause gestaltet.“ 

Klare Planung

Maren Lehky, Autorin des Ratgebers „Kind und Beruf“, rät werdenden Müttern daher, frühzeitig Eigeninitiative zu zeigen: „Sobald eine Frau weiß, dass die Elternzeit ansteht, sollte sie noch Mal verstärkt an ihrem Image arbeiten. Dazu gehören ein zuverlässiger Plan, wie lange die Pause dauern soll, sowie eine ordentliche Übergabe an die Kollegen.“

Dieser positive Eindruck kann später die Rückkehr in das Team wesentlich erleichtern. Besonders wichtig sei es auch, die Interessen des Arbeitgebers im Blick zu behalten: „Ich empfehle den Frauen, selbst Lösungsvorschläge vorzubringen und nicht nur Forderungen zu stellen, die für Chef und Kollegen zusätzlichen Stress erzeugen“, sagt Maren Lehky.

„Man kann sich beispielsweise selbst Gedanken darüber machen, welche der bisherigen Aufgabenbereiche man für eine spätere Teilzeitbeschäftigung abgeben könnte. Damit zeigt man Initiative und gibt bereits ein deutliches Zeichen: Ich will wiederkommen!“

Kontakt zum Arbeitgeber

Auch während der Elternzeit ist ein guter Draht zu  Arbeitgeber und Team wichtig. „Frauen können sich während der Familienpause um eine stundenweise Mitarbeit im Betrieb bemühen, beispielsweise indem sie von zu Hause aus arbeiten oder auch mal die Urlaubsvertretung für einen Kollegen übernehmen“, rät Angelika Pabst, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit in München.

Während der Elternzeit ist eine Teilzeitbeschäftigung von bis zu 30 Stunden pro Monat möglich. „Entwicklungen im Unternehmen lassen sich für die Wiedereinsteiger nur schwer nachvollziehen – Arbeitsbereiche verändern sich, Teams werden umstrukturiert, Arbeitsplätze fallen weg.

Zudem nimmt auch die Bereitschaft im Unternehmen nach und nach ab, die frühere Kollegin während ihrer Abwesenheit auf dem Laufenden zu halten.“ Spätestens nach dem ersten Jahr sollten Frauen den Kontakt zum Arbeitgeber wieder aktivieren.

Wichtiger als die eigentliche Dauer der Abwesenheit ist jedoch, schon vor Beginn der Familienpause genaue Auskunft über die persönlichen Planungen geben zu können. Dann ist die Rückkehrerin von Anfang an für ihren Arbeitgeber eine verlässliche Größe.

„Es ist leider nicht von der Hand zu weisen, dass viele dass viele Frauen durch ihr zum Teil wankelmütiges Verhalten, was Zeitpunkt und Umfang ihrer Rückkehr betrifft, dazu beitragen, dass sich der Arbeitgeber schließlich enttäuscht nach einer Ersatzkraft umsieht“, weiß Angelika Pabst.

Hindernislauf

Die Bedingungen, unter denen Frauen in Deutschland  Muttersein und Beruf unter einen Hut bringen müssen, sind nicht immer ideal: Schuld an der Misere ist nicht nur die derzeitige Arbeitsmarktsituation, sondern auch nach wie vor der Mangel an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren.

Somit sind die beruflichen Möglichkeiten und die Flexibilität von Frauen stark eingeschränkt. Es fehlen immer noch öffentliche Betreuungsmöglichkeiten für die Kleinsten – lediglich etwa 18 Prozent der Kinder unter drei Jahren sind hierzulande staatlich betreut. Was bleibt, sind private Lösungen wie Kinderläden oder Tagesmütter. Doch die sind ziemlich kostspielig. Insofern muss sich die werdende Mutter sehr genau überlegen, ob und wie die berufliche Situation mit Kindern vereinbar ist.

Und ob die Vorstellungen, die sie vom Arbeits- und vom Familienleben hat, zusammenpassen. „Doch die Berufstätigkeit rentiert sich auf jeden Fall, auch wenn die Betreuungskosten zunächst einen großen Teil des Verdienstes schlucken“, sagt Eike Ostendorf-Servissoglou.

Berufstätige Mütter sind zufriedener als Mütter ohne Erwerbsarbeit, fanden amerikanische und deutsche Psychologen aktuell heraus. Ihre im täglichen Familienchaos trainierten „Managerqualitäten“ – planen, organisieren, delegieren, Probleme lösen – können sie auch im Job hervorragend nutzen. Und so ihren Wunsch verwirklichen, Familie und Karriere in Einklang zu bringen. Um sich auch mit Kind beruflich weiterzuentwickeln.


Nicole Thesen

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