Kolumne @eineganznormalemama

"Mütter, haltet zusammen!"

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute schreibt Nathalie über das Phänomen, dass sich Mütter einander oft die ärgsten Feinde sind.

Klagt man über das Chaos, das so ein Haushalt mit Kindern mit sich bringt, trifft man auf zehn, bei denen es nie chaotisch aussieht. Klagt man darüber, dass die Kinder mäkelig beim Essen sind, trifft man auf zwanzig, bei denen so etwas nicht vorkommt, weil SIE es ja gar nicht zulassen und SIE ja wissen, wie sie ihre Kinder vernünftig erziehen. Gibt man zu, dass man manchmal kaputt ist, nicht mehr kann und viel zu viel meckert, dann heben 20 die Hand und rufen "Bin ich nie! Weil ich es ja so perfekt mache!".

Jep. Schon klar.

Und dann wird eifrig missioniert. Viele Mütter scheinen ja nur noch schwarz oder weiß zu kennen: Gläschen versus BLW. Tragetuch gegen Kinderwagen. Hausgeburt gegen Kaiserschnitt. Hausfrau versus Vollzeit. Markenklamotten versus Discounter. Brotbox-Bento gegen Milchschnitte. Familienbett gegen Ausquartieren mit zwei Wochen.

Immer wieder fallen zwei Lager übereinander her und stehen sich viel zu oft unvereinbar gegenüber. Es wird gemeckert, bessergewusst und übereinander hergezogen, was das Zeug hält.

Ich verstehe nicht, was das soll. Es geht hier um unser Familienleben. Etwas ganz Privates. Was weiß ich denn über den Alltag der Mutter, die an der Supermarktkasse entnervt das gewünschte Ü-Ei aufs Band wirft? Muss man da gleich über die mangelnde Konsequenz herziehen und betonen, dass einem selbst so etwas ja nie passiert, weil man seine Kinder so super im Griff hat?! Kenne ich die Gründe der jungen Mama, die ihrem zwei Monate alten Baby die Flasche gibt? Die vielleicht entzündete Brustwarzen hatte? Vielleicht kam das Kind auch per Notkaiserschnitt und sie lag zwei Tage selbst auf der Intensiv und konnte einfach nicht stillen? Wie wäre es mit einmal nachdenken, bevor man gleich eine Meinung hat – und noch schlimmer, diese gleich lautstark kundtut?! Müssen manche Mütter immer alles besserwissen?!

Ich finde, wir Mütter sollten zusammenhalten. Uns gegenseitig unterstützen. Mehr Verständnis miteinander haben. Und uns nicht ständig gegenseitig runterziehen. Denn jede hat ihr eigenes Leben. Ihre ganz eigenen Gründe.

Und niemand ist perfekt.

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Unsere Gastautorin

Nathalie Klüver ist Journalistin, Autorin mehrerer Bücher und Mama von drei Kindern (drei, sieben und neun Jahre alt). Als @eineganznormalemama schreibt sie auf Instagram und ihrem Blog über den Alltag mit drei Kindern und viele weitere Familienthemen.

Nathalie bei Instagram: instagram.com/eineganznormalemama/

Nathalies Blog: ganznormalemama.com

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