Patchworkfamilie: Power statt Probleme!

Sie helfen anderen Menschen dabei, ein besseres Leben zu führen. Doch selbst für das "Coaching-Couple" Sandy Simon und Damian Richter war die Patchwork Situation anfangs eine ständige Zerreißprobe. Uns haben die beiden ihre Geschichte erzählt – und ihren Sechs-Punkte-Plan verraten. Plus: Drei weitere Patchworkfamilien berichten aus eigener Erfahrung über Vor- und Nachteile.

Hanna (30) und Basti (37) mit Louisa (4), Schaumburg (Niedersachsen)

Hanna und Basti sind seit zwei Jahren ein Paar. Bastis Tochter Louisa (4) kennt Hanna schon seit ihrem ersten Lebensjahr – sie war in der Krippe ihre Erzieherin. "Ich hatte schon einmal einen Partner mit Kind, fühlte mich deshalb selbstsicher", sagt Hanna, "dann aber musste ich feststellen, dass es beim zweiten Mal ganz anders sein kann." Zu Beginn der Beziehung war alles noch harmonisch, erst mit Hannas Einzug fingen die Probleme an.

Die Beziehung zu Louisas Mutter wurde zu einer Achterbahnfahrt mit einigen Höhen und viel mehr Tiefen. Es folgte eine Aussprache und kurzzeitige Entspannung. "In der Corona-Zeit hat sich die Situation dann leider noch einmal verschärft", erzählt Hanna, "Louisa lehnte mich mehr und mehr ab."

Das Paar wandte sich an eine Beratungsstelle – mit Erfolg. Wenn Basti jetzt "Ich liebe dich" zu Hanna sagt, sagt Louisa: "Ich liebe euch auch." Entscheidend für Hanna: "Ich hatte die ganze Zeit Bastis Unterstützung. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich meine Koffer gepackt." Sie ist sicher: "Ich habe einen Sechser im Lotto und lasse ihn nicht mehr gehen – und er mich auch nicht."

Unser Tipp: "Holt euch professionelle Hilfe! Die Freunde, die einem die Schulter tätscheln und sagen, wie schrecklich alles ist, helfen einem nicht so wie ein Coach."

Juliane (35) mit Aileen (8), Aimée (12), Linda (11, v. l.) und Silvio (37) mit Lilith (5), Bremervörde (Niedersachsen)

Für Juliane und Silvio hat sich das Leben in den letzten Wochen komplett gedreht. Denn ausgerechnet die Pandemie sorgte dafür, dass ihre Patchworkfamilie endlich so richtig zusammenwuchs.

Seit dem 1. Oktober 2018 sind die beiden zusammen, sie brachte drei Töchter (heute 8, 11 und 12) mit in die Beziehung, er machte das Mädchen-Quartett mit Nesthäkchen Lilith (5) komplett. Im vergangenen Jahr hatte das Paar noch alle 14 Tage ein kinderfreies Wochenende, an dem die Kids beim jeweils anderen Elternteil waren – Corona änderte das: "Den Lockdown haben wir zum gemeinsamen Probewohnen genutzt", erklärt Silvio. Juliane erzählt: "In dieser Zeit war auch meine Bonustochter überwiegend mit dabei, weil Silvio und Liliths Mama beide arbeiten mussten, also bot ich mich für die Betreuung an." Lilith lernte im Homeschooling, ihren Namen zu schreiben und die Zahlen auseinanderzuhalten – außerdem brach auch zwischen den Halbgeschwistern das Eis. Juliane sieht diese Zeit als Bestätigung: "Wir leben alle noch, wir mögen uns alle noch", sagt sie, "Jetzt kann uns nichts mehr aufhalten."

Unser Tipp: "Man muss viel miteinander reden, dann läuft es auch."

Stefan (37) mit Tarja (9) und Yvonne (38) mit dem gemeinsamen Sohn Leonard (3 Monate), Herne (NRW)

Yvonne ist glücklich verheiratet und frischgebackene Mama von Leonard (3 Monate). Der Weg dahin war allerdings ziemlich steinig.

Als sie vor dreieinhalb Jahren mit Stefan zusammenkam, fiel es ihr schwer, mit seiner damals sechsjährigen Tochter entspannt umzugehen. "Ich war eifersüchtig, dass er ein Kind mit einer anderen Frau hat und nicht mit mir." Wenn Tarja sagte, dass ihr langweilig ist, löste das bei Yvonne eine innere Erwartungshaltung aus, immer mit ihr spielen zu müssen. "Das wurde mir irgendwann zu viel." Frust, Ärger und Ablehnung wuchsen. Parallel blieb ihr eigener Kinderwunsch lange unerfüllt. Durch ein Coaching änderte sich ihre Einstellung zur Bonustochter: "Als ich mich selbst reflektiert habe, konnte ich mit der Situation besser umgehen. Mein Tipp ist, zuerst bei sich zu gucken und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten." 

Als der innere Druck weg war, klappte es auch mit der Schwangerschaft. Seit der Geburt hat sich Yvonnes Verhältnis zu Tarja noch mal gewandelt. "Jetzt freue ich mich auf sie und merke auch, dass sich ein Gefühl von 'Ich habe sie lieb' einstellt."

Unser Tipp: "Schwierige Situationen haben meistens mit dir selbst zu tun. DA müsst ihr ansetzen."

Autorin: Marita Strubelt

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