Taufen

Patenschaften – eine Verbindung fürs Leben

Für einige ist es eine veraltete Tauftradition – für andere auch ohne Kirchenzugehörigkeit selbstverständlich. Aber brauchen Kinder Patentanten und -onkel? Und was sollte man bedenken, bevor man selbst eine Patenschaft übernimmt?

Der große Tag! Mit der Taufe wird euer Kind in die Gemeinde aufgenommen. Die Paten sagen dabei zu, Verantwortung für den Täufling zu übernehmen.
© Foto: Getty Images/kzenon
Der große Tag! Mit der Taufe wird euer Kind in die Gemeinde aufgenommen. Die Paten sagen dabei zu, Verantwortung für den Täufling zu übernehmen.

Wer in der Kirche ganz klassisch Taufpate wird, der hat offiziell folgende Aufgaben: dem Täufling als persönlicher Vertrauter zur Seite zu stehen. Christliche Werte weitergeben, sich um sein menschliches Wohl kümmern. Mitverantwortlich sein und das Kind spüren lassen, dass es vertrauen kann, angenommen wird, dass es eine Würde und eine Chance hat. Die Hamburger Pastorin Andrea Busse (51) hält es für wichtig, "dass ein Kind neben seinen Eltern noch andere Erwachsene hat, die ihm vorleben, was Glauben bedeutet, die in besonderer Form für das Kind da sind und zu denen es im besten Fall ein Vertrauensverhältnis gibt, sodass das Kind oder der spätere Jugendliche sich mit Fragen und Problemen an die Person wenden kann."

Wer darf Pate werden?

Ganz gleich ob es Freunde der Eltern oder Familienmitglieder sind, die das Patenkind auf seinem Lebensweg begleiten: Oft entwickelt sich eine besondere Beziehung in der Patenschaft, die bis ins Erwachsenenalter anhält. Dabei geht es für die Paten auch darum, den Kindern neue Perspektiven, Erfahrungen und Inspirationen zu eröffnen, die zum Nachdenken und Reflektieren anregen und den Horizont erweitern. In der katholischen Kirche darf Pate werden, wer mindestens 16 Jahre alt, getauft, katholisch gefirmt und Kirchenmitglied ist. Nicht katholische Christen können (neben einem katholischen Paten) immerhin "Taufzeuge" werden. Bei den Protestanten dürfen getaufte und konfirmierte Jugendliche ab 14 Jahren eine Patenschaft übernehmen, die offiziell mit der Konfirmation endet. Mindestens einer der Paten sollte evangelisch sein, alle sollten in der Kirche sein. Die Paten erhalten eine Taufbescheinigung und werden im Familienbuch eingetragen. 

Freie Taufe: Wilkommensfeier fürs Baby

Bei freien Taufen handelt es sich um eine frei gestaltete Willkommens-Zeremonie ohne Mitgliedschaft in einer Religion oder Glaubensgemeinschaft, dafür mit Taufzeugen und einem freien Theologen oder Taufredner. Zudem gibt es jenseits der Kirche zahlreiche Möglichkeiten, sozial motivierte Patenschaften für andere zu übernehmen. Etwa ältere Schüler für jüngere, erfahrene Businessleute für Berufsanfänger sowie Gutsituierte für bedürftige Kinder in Entwicklungsländern.

Patenschaften sollten eine Eigendynamik entwickeln

Egal in welcher Konstellation: Wichtig ist immer, im Vorfeld zu klären, welche Erwartungen die Eltern des Kindes an die Patenschaft knüpfen. Potenzielle Paten sollten frei darüber entscheiden, ob sie der mit der Patenschaft verbundenen moralischen Verpflichtung gewachsen sind. Ein Irrglaube hingegen ist die Verpflichtung, beim Tod der Eltern des Kindes automatisch Vormundschaft und Sorgerecht übernehmen zu müssen. Jedoch sollte eine Patenschaft in der Tat mehr bedeuten, als immer nur zum Geburtstag Geschenke abzuliefern. Zum Glück ist es dank E-Mail, Whatsapp und Skype selbst auf Distanz einfacher, Kontakt zu halten. Doch so freundschaftlich verbunden Eltern und Paten meist sind: Beziehungen verändern sich mit der Zeit. Es ist deshalb gut, wenn die Patenschaft eine Eigendynamik entwickelt.

Eine Beziehung zum Mitgestalten

Im Laufe des Lebens kann so viel aus einer Patenschaft erwachsen, Freunde und Verwandte der Eltern können zu echten Vertrauten werden. Im Idealfall ist eine Patenschaft etwas, das sich immer weiterentwickelt – und ein Geben und Nehmen von Begleitung: Manchmal können die Patenkinder später etwas zurückgeben und für ihre Paten im Alter eine Unterstützung sein. So groß die Verantwortung einer jeden Patenschaft ist, sie bereichert oft das Leben beider Seiten. Und sie ist vor allem immer das, was man selber daraus macht.

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