Anordnung schlägt Wellen

Quarantäne: Kinder sollen von Eltern getrennt sein

Müssen Eltern und Kinder wirklich getrennt in Quarantäne? Schreiben vom Gesundheitsamt verunsichern derzeit mehrere Familien. Bei Nichteinhalten drohen massive Strafen. Doch das Amt sieht sich missverstanden.

7. August 2020: Vermehrt äußern Familien Fassungslosigkeit über Schreiben vom Gesundheitsamt. Aus diesen ginge hervor, dass Kinder in häuslicher Quarantäne isoliert werden sollten, keinen Besuch bekommen dürfen und Masken tragen müssen, wie Focus online berichtet.

Familien aus mehreren Bundesländern, deren Kinder in Quarantäne mussten, hätten bereits von Briefen des Gesundheitsamtes mit verwirrendem Inhalt berichtet. So habe sich eine Familie im Kreis Offenbach in zweiwöchige häusliche Isolation begeben müssen, nachdem bei ihrem Kita-Kind eine Corona-Infektion bestätigt worden sei. Es folgte ein Brief vom Gesundheitsamt, in dem es hieß, das Kind sollte im Haushalt den Kontakt zu anderen Haushaltsmitgliedern durch zeitliche und räumliche Trennung vermeiden. Es solle keine gemeinsamen Mahlzeiten einnehmen und sich allein in einem Raum aufhalten.

Ernsthaft – ein Kind im Kita-Alter?! Was absurd erscheint, ist kein Einzelfall, sondern sei in mehreren Bundesländern vorgekommen. Im Kreis Karlsruhe seien zudem zwei Grundschulklassen in Isolation in häuslicher Quarantäne geschickt worden, nachdem eine Lehrerin positiv auf Corona getestet worden war. Bei Nichtheinhaltung der Isolation drohte die Stadt mit einer zwangsweisen Unterbringung des Kindes in einer geschlossenen Einrichtung.

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Der Kinderschutzbund und die Initiative "Familien in der Krise" halten Anordnungen wie diese für rechtswidrig und bezeichnen die geforderten Maßnahmen wie das Trennen der Familienmitglieder als psychische Gewalt. Focus online zitiert den Präsidenten des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers: Bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie müssen Kinderrechte und Kindeswohl Vorrang haben.

Die Behörden verstünden die Aufregung nicht. Die Ämter hätten sich bei den Briefen nach Vorlagen gerichtet. Selbstverständlich sollten Isolationsmaßnahmen bei Kindern ihrem Entwicklungsstand angemessen umgesetzt werden. Quarantänemaßnahmen seien im Interesse der Eltern, da sie ohne diese Anordnung nicht von ihrem Job freigestellt würden, um ihre Kinder zu betreuen. Eine Trennung von Eltern und Kindern sei mit dem Schreiben nicht gemeint gewesen. Ein Anwalt bestätigt, dass Kinder ihren Eltern nur in Fällen von Kindeswohlgefährdung entzogen werden dürfen.

Die Ämter täten meiner Ansicht nach gut daran, den Wortlaut in sensiblen Schreiben wie diesen genauer zu überprüfen, statt Familien grundlos zu verunsichern.

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Unsere Autorin

Irlana Nörtemann

Irlana Nörtemann ist seit vielen Jahren mit Herzblut Redakteurin bei Junior Medien. Zu ihren Aufgaben zählt auch Content Management.

Als Mutter eines Jungen lässt sie ihre Alltagserfahrungen in ihre Artikel mit einfließen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Reise und Gesundheit.

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