Tendenz steigend

"Sammelbild"-Familien: Wenn Eltern sich Kinder beider Geschlechter wünschen

Wenn Eltern mehr Kinder bekommen, weil sie sich Tochter und Sohn wünschen, bezeichnen Forscher dieses Phänomen als "Sammelbild"-Verhalten.

Es gibt Familien, die entweder nacheinander mehrere Jungen oder aber Mädchen bekommen – sich aber auch ein Kind des anderen Geschlechts wünschen. In meinem Bekanntenkreis gab es ein Pärchen, das fünf Kinder bekommen hat. Kind eins bis Kind vier waren alle Mädchen. Spätestens mit der fünften Schwangerschaft der Mutter war offiziell bekannt, dass sich das Paar einfach auch einen Jungen wünschte. Hätte es früher mit dem männlichen Nachwuchs geklappt, wäre die Familie wohl nicht so kinderreich geworden. Das Nesthäckchen erfüllte dann den Wunsch und schloss die Familienplanung ab. Der Kleine bekam dann auch gleich fünf Vornamen – denn bei jedem Kind hatten die Eltern schon vor der Geburt auch immer einen Jungennamen parat. Er bekam sie dann letztlich alle.

Neue Forschungsergebnisse

Eine aktuelle Studie zeigt jetzt die leichte Tendenz, dass Eltern die nur Kinder eines Geschlechts haben, die Familienplanung weiter ausbauen und erst mit dem Kind des jeweils anderen Geschlechts abschließen. Im britischen Fachmagazin "Current Biology" berichten die Forscher, die das Phänomen auf Basis von Daten der britischen UK Biobank (genetische, gesundheitliche und familiäre Informationen von mehreren Hunderttausend Freiwilligen aus Großbritannien) untersucht haben. Die Bezeichnung "Sammelbild"-Familien ist darauf zurückzuführen, dass so lange "gesammelt" wird, sprich so viele Kinder geboren werden, bis das Bild komplett ist. In diesem Falle bedeutet das: die Eltern sowohl mindestens einen Sohn, als auch eine Tochter haben.

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Die Forschungsergebnisse zeigen, dass das "Sammelbild"-Verhalten für mindestens 3,3 Prozent der untersuchten Familien gelten könne. Dies sei laut der Forscher noch eine vorsichtige und vermutlich zu niedrige Schätzung. Viele Familien entscheiden sich nämlich aufgrund von finanziellen oder physiologischen Einschränkungen oder Hürden bei der Kinderbetreuung gegen weitere Kinder. Das "Sammelbild"-Bedürfnis könnte dennoch vorhanden sein, ohne, dass es ausgelebt wird. Diese Familien würden in der Statistik dementsprechend nicht berücksichtigt.

Tendenz von "Sammelbild"-Familien steigend

Um eine Entwicklungstendenz festzustellen, haben die Wissenschaftler die Zahlen mit älteren Statistiken aus den Niederlanden abgeglichen. Festzustellen sei, dass es vor 1940 tatsächlich mehr Familien nur mit Töchtern oder nur Söhnen gab. Erst danach würden diese Unterschiede kleiner. Das "Sammelbild"-Verhalten wird also mehr und mehr Mode.

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Unsere Autorin

Anna Ludewig

Anna Ludewig hat Germanistik und Soziologie studiert und ist durch und durch Familienmensch. Bei Themen rund um den Alltag mit Kindern geht ihr das Herz auf.

Seit Januar 2020 ist sie Content Manangerin bei Leben&erziehen und schreibt mit Begeisterung über alle bunten Facetten des Familienlebens.

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