Kolumne "Schröckert schreibt"

Stilberatung: 1 x Mami-Mode-Makeover, bitte!

Unsere Autorin hat den bequemen Spielplatz-Look satt: Sie will (nach zwei Schwangerschaften) ihren Modestil wieder- finden – und hat sich professionelle Hilfe geholt für den längst überfälligen Kleiderschrank-Check.

"Mama, ist das dein Schlafanzug?" Meine Tochter stellt diese Frage so laut, dass die umstehenden Mütter auf dem Spielplatz zu uns herüberschauen. Hätte ich mich selbst wohlgefühlt in meinen Klamotten, wäre es mir egal gewesen. Doch das war es nicht. Die Situation war mir nicht nur peinlich, sie hat mich verletzt.

Mama ohne Mode-Ansprüche

Vor sechs Jahren wurde ich das erste Mal Mutter. Seither erfüllt mein Kleidungsstil zwei Kriterien. Erstens: bequem. Zweitens: praktisch. In einen Alltag zwischen Milchspucke und Möhrenbrei passen pflegeleichte Baumwollshirts einfach besser als schicke Blusen. Irgendwann waren meine Kinder aus dem Spuck- und Brei-Alter raus – doch ich hatte es mir in dem Schlabber-Look so gemütlich gemacht, dass er geblieben ist. Mit der grauen Kombination aus Leggings und T-Shirt, die meine Tochter an diesem Tag publikumswirksam kommentierte, hatte ich es offensichtlich übertrieben. Das war der Anstoß: Ich wollte etwas an meinem Style ändern!

Unsere Expertin

Janine Dudenhöffer bezeichnet sich als "Sustainable Stylist". Die zweifache Mutter hat Textilmanagement studiert und als Moderedakteurin gearbeitet. Heute hilft sie von Berlin aus, das Potenzial in unseren Kleiderschränken zu erkennen – per Hausbesuch oder via Online-Call. Ein digitaler Schrank-Check kostet 100 Euro pro Stunde. Das Mami-Mode-Makeover unserer Autorin lässt sich auch als Gutschein verschenken.

Neue Chance für alte Stücke

Ich holte mir Hilfe vom Profi: Janine Dudenhöffer ist Autorin des Buches "Der Mama Styleguide". Als Stylistin unterstützt sie Mütter auf dem Weg zu einem passenden, guten und obendrein nachhaltigen Stil. Dafür schaut sie in fremde Kleiderschränke, sortiert um, stellt neu zusammen, mistet aus und erstellt Vorschläge für Neuanschaffungen. Die sind aber kein Muss, denn es soll vor allem um eines gehen: mit den eigenen Lieblingsteilen einen persönlichen Stil zu kreieren – und gleichzeitig lang liegen gelassenen Stücken eine neue Chance zu geben.

Anderthalb Stunden sind für meinen Kleiderschrank-Check via Skype vorgesehen. Damit die sich lohnen, muss ich vorab Hausaufgaben machen: Zuerst fülle ich einen dreiseitigen Fragebogen aus. Dann schicke ich Janine Fotos meiner Schuhe, meiner Taschen, vom Inneren meines Schrankes. Außerdem: Screenshots von Looks, über die ich online stolpere und die mir gefallen. Und natürlich: Fotos von mir. In Outfits, die ich an mir mag – oder eben nicht. Ich räume das größte Chaos im Schlafzimmer aus dem Weg, sodass die Laptop-Kamera ein vorzeigbares Bild einfängt. Ich bin bereit – und rechne damit, dass ich mich in den kommenden 90 Minuten mindestens 20-mal umziehen werde. Doch wir starten so, wie sich die Expertin auch mein Konsumverhalten wünscht: langsam und wohlüberlegt. Ob ich zu Impulskäufen neige, fragt mich Janine. Ich antworte ehrlich: Wenn ein Schnäppchen mich überzeugt, schlage ich schnell zu – fast immer online. Nur ein Klick, und schon ist ein neues Teil zweifelhafter Qualität bestellt. Oft genug ärgere ich mich später, wenn die Sachen ankommen. 

Ab sofort: Schluss mit Impulskäufen

Das soll nun ein Ende haben. Denn wie sich zeigen wird: Mein Kleiderschrank bietet ausreichend Optionen für bequeme und gleichzeitig richtig schöne Outfits. Als Erstes nimmt Janine sich meine bodenlangen Kleider vor. Ich liebe jedes einzelne, fühle mich aber overdressed, wenn ich im flatternden Boho-Look meine Kinder abhole. Also baumeln die Kleider seit Monaten ungenutzt an Bügeln und warten auf den unwahrscheinlichen Fall eines Strandparty-Marathons.

Gute Outfits fotografieren

Pullover besitze ich noch mehr als lange Kleider, nur habe ich noch nie beides miteinander kombiniert. "Zieh mal einen Hoodie über das grüne Kleid", bittet Janine mich. Ich bin nicht überzeugt, krame dennoch einen grauen Kapuzenpullover hervor. "Nicht den. Nimm den gelben Strickpulli", empfiehlt die Stylistin. Der Pulli macht aus meinem Beachclub-Kleid einen Spielplatztauglichen Rock. Ich sehe weder nach Strandparty noch nach Schlafengehen aus, sondern einfach –gut! "Direkt fotografieren", rät mir Janine. Das soll ich künftig immer machen: Outfits, die mir gefallen (an mir selbst oder an anderen), festhalten und sammeln. "Das hilft enorm, um den eigenen Stil zu finden", so die Expertin.

Weihnachtskleid und Dirndl müssen weg

Mein Kleiderschrank-Check endet, wie er begonnen hat: mit Hausaufgaben. "Dein Schrank gehört nur dir", lautet das erste To-do, das Janine mir mitgibt. Soll heißen: Für Legokartons und den Schulranzen meines Sohnes muss ich neuen Stauraum finden. Außerdem empfiehlt Janine mir, aus meinem Ganzjahresschrank einen "aktiven Schrank" zu machen: Alles, was nicht zur aktuellen Saison passt, soll ich verstauen und erst hervorholen, wenn es zur Jahreszeit passt. "Man entdeckt die eigene Kleidung ganz neu, wenn man sie ein halbes Jahr lang nicht vor Augen hatte", erklärt Janine. Ich muss lachen: Denselben Trick wende ich bei meinen Kindern und ihrer Flut an Spielsachen an. Am nächsten Wochenende sortiere ich: Der Wintermantel, das Dirndl, mein Weihnachtskleid (ja, ich besitze ein Weihnachtskleid) – nichts davon werde ich in den kommenden Monaten benötigen. Als ich fertig mit Verstauen und Neuarrangieren bin, sieht mein Schrank aus wie eine Kleiderstange in einer Boutique, in der ich richtig gern einkaufen würde: Nur aktuelle Lieblingsteile hängen da, alle mit ausreichend Platz und farblich sortiert.

Plötzlich ist es leicht, mir selbst eine neue Kombination zu überlegen. Vorher hatte ich beide Teile gar nicht richtig auf dem Schirm, aber jetzt erkenne ich: Das braune Kleid und der rote Pulli passen super zueinander. Im Flur läuft mir meine Tochter vor die Füße, mustert mich von Kopf bis Fuß. "Gehst du arbeiten, Mama?", fragt sie. "Nein," antworte ich, "wir gehen jetzt auf den Spielplatz." Und ich habe mich beim Sandburgen-Bauen und Schaukelschubsen schon lange nicht mehr so wohl in meiner Haut gefühlt.

Kolumne "Schröckert schreibt"

Vom unbeschreiblichen Glücksmoment bis zum nächtlichen Nervenzusammenbruch: Die Hamburger Zweifachmama Silke Schröckert kennt und kommentiert alle Seiten des Mama-Daseins. Manchmal brüllend komisch, manchmal emotional ernst, aber auf jeden Fall immer eins: absolut ehrlich.

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