Aufreger Facebookpost

"Eure Strebersprüche könnt ihr behalten"

Unsere Leserin Vera ärgerte sich kürzlich über einen Post von "Mamiweb", den wir in unserem Feed geteilt hatten, und machte ihrer Wut darüber kurzerhand in einem Kommentar Luft. Dafür erntete sie zahlreiche virtuelle Umarmungen und einen Heiratsantrag.

Vera ist sauer. Auf Facebook-Seiten, die emotionale Mama-Sprüche posten. Und dabei doch wieder nur eines vermitteln: Egal, wie du es als Mutter machst – du machst es auf keinen Fall richtig. Und weil Vera sich auch über einen der Sprüche auf unserer Facebook-Seite aufgeregt hat, haben wir entschieden, ihr Raum zu geben, ihrer Wut Luft zu machen. Hier schreibt unsere Leserin Vera sich ihre Meinung von der Seele. Und wir sagen DANKE für so viel Ehrlichkeit.

Es ist Freitag. Mein freier Tag. Die Kinder sind in der Kita und in der Schule. Ich trinke (Halleluja!) den gefühlt ersten heißen Kaffee der Woche und scrolle dabei durch Facebook. Gleich geh ich einkaufen, wasche Wäsche, räume auf. Ohne Kinder, jippie! Da klatscht es mir ins Gesicht. "Putzen, waschen, aufräumen... das alles läuft dir nicht davon! Die Zeit mit deinem Kind schon!"

Einer dieser zahllosen Sinnsprüche, bei denen mir jedes Mal das Frühstück hochkommt. Denn was sich hinter Pastellfarben und Schnörkelschrift (traue niemandem, der Comic Sans verwendet) verbirgt, ist ein weiterer Versuch, Eltern ein schlechtes Gewissen zu machen. Und obwohl ich mit der Entscheidung, mir einen freien Orga-Tag in der Woche zu gönnen, sehr glücklich bin, treffen mich solche Aussagen. Weil sie mich unter Druck setzen. Weil sie suggerieren, dass ich jeden einzigen Moment mit meinen Kindern genießen muss. Weil sie bald groß sind. Und ich dann verbittert zu Hause sitze und den guten alten Zeiten hinterhertrauere. Tolle Aussichten.

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Wer so was schreibt, hat noch nie versucht, ein quengeliges, klebriges Kleinkind bei 30 Grad zum Schlafen zu bringen. Natürlich verbringe ich gern Zeit mit meinen Kindern. Ich weiß auch, dass die Zeit von süßen Patschhändchen und Vorlesekuscheln begrenzt ist.

Aber an endlosen Nachmittagen umgeben von Schleichelfen und Bobo-Büchern fühlt sich diese Endlichkeit verdammt unendlich an. Wenn ich mich dann auf dem Klo verstecke, um mal fünf Minuten Erwachsenendinge auf meinem Handy zu tun – würdet ihr dann bitte eure Strebersprüche für euch behalten?

Danke <3.

Unzählige Likes und ein Heiratsantrag

Für ihren Kommentar unter dem von uns geteilten Post erntete Vera jede Menge Likes und Zuspruch. Sogar einen (nicht ganz ernst gemeinten) Heiratsantrag erhielt sie für ihre Worte. Wir feiern ihre Ehrlichkeit auf Facebook und sind damit nicht allein. Alle Reaktionen könnt ihr unter dem Post in unserem Feed lesen:

Genau! 😍👇

Gepostet von Leben & erziehen am Donnerstag, 22. Oktober 2020

Unsere Gastautorin

Vera Baastrup ist zweifache Mutter und Texterin in Schleswig-Holsteins größter Werbeagentur. Was sie gern in ihrer Freizeit tut, hat sie vergessen, weil sie ständig zwischen Kita, Kinderturnen und Konferenzraum hin- und herjagt. Für uns hat sie sich trotzdem Zeit genommen und ganz privat in die Tasten gehauen. (Hoffentlich musste sie sich dafür nicht auch auf dem Klo verstecken!)

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