Mehr Leichtigkeit, bitte!

3 Tipps für gestresste Mütter im Alltag

Trotzphase, Heulanfall, Streit unter Geschwistern – wir alle kennen diese kritischen Momente. Nicht selten stoßen gestresste Mütter an ihre Grenzen, sind ausgebrannt und erschöpft. Unsere Autorin ist Psychologin und hilft euch dabei, den Familienalltag für alle entspannter zu machen.

Harmonie in der Familie müssen sich Eltern auch ein Stück weit erarbeiten.
© Foto: Getty Images/Catherine Falls Commercial
Harmonie in der Familie müssen sich Eltern auch ein Stück weit erarbeiten.

"Hör jetzt auf!" schrie die Mutter ihr Kind an. Natürlich machte es das nicht besser – und natürlich wusste sie das. Hätten wir sie fünf Minuten später danach gefragt, wäre sie voller Schuld und Scham im Erdboden versunken. Diese Mutter – ... war ich! Nina vor sechs Jahren. Ich hatte einen Master in Psychologie. Ich saß tagelang auf Meditationskissen. Ich hatte mindestens zehn hippe Erziehungsratgeber gelesen. Ich wusste so viel! Und stand dennoch brüllend vor meinem unschuldigen, zu­ckersüßen (und mittlerweile heulenden) Kleinkind.

Kennt ihr das? Theoretisch wisst ihr ganz genau, wie Erziehung und Familienleben aussehen soll. Aber im Alltag tut sich immer wieder diese Lücke zwi­schen Theorie und Praxis auf. Herzlich willkommen im Club! Ich wollte diese Lücke endlich schließen und habe eine Brücke erarbeitet, um nicht wieder in alte Verhaltensmuster zu rutschen.

Das Fundament der Brücke: Selbstbeziehung

Viele von uns fühlen sich selbst nicht mehr. So gehen wir im vollen Familienalltag immer wieder über unsere Grenzen. Bis irgendwann der legendäre letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. Das Problem: Wir stehen nicht in Beziehung zu uns selbst! Eine bewusste Selbst-Beziehung ist das stabilste Fundament für eure Brücke zwischen Theorie und Praxis.

Tipp: Richtet euch jeden Tag ein paar Minuten ein, in denen ihr euch fragt: Was täte mir jetzt gut? Um es euch dann selbstverständlich zu schenken.

Tipp 1: Vertraut euch und euren Kindern!

Kurzes Gedanken-Experiment: Stellt euch euer Leben als einen Fluss vor. Er fließt mal stetig und elegant, mal wird es wilder und lauter. Wie wäre es, wenn wir unsere aktuelle Herausforderung als einen wilden Abschnitt auf dem Fluss unseres Lebens betrachten würden, den es braucht um ans Meer zu kommen? Vertraut auf euch, dass ihr mit eurer aktuellen Herausforderung genau richtig seid. Das entspannt. Und das hilft!

Extra-Tipp: Wenn euch euer Kind mal wieder in den Wahnsinn treibt, erinnert euch: Es ist ein wilder Abschnitt! Er geht vorbei!

Tipp 2: Seid präsent!

Häufig sind wir in herausfordernden Momenten mit unseren Gedanken überall, nur nicht hier. Wenn wir uns gedanklich Sorgen um die Zukunft machen (Was soll nur aus meinem Kind werden?), dann macht das etwas mit uns. Versucht, euch auf den aktuellen Moment zu konzentrieren. Wenn ihr mit eurer Aufmerksamkeit wirklich hier seid, erkennt ihr, dass euer Kind vielleicht einfach nur müde ist und deswegen so viel quengelt. Und neue Handlungsspielräume tun sich auf.

Extra-Tipp: Achtet in oder nach Konflikten auf eure Gedanken. Fragt euch dabei: Ist das wirklich wahr? Und: Gibt es andere Perspektiven? Ist es zum Beispiel wirklich wahr, dass euer Kind nur undankbar und frech ist? Oder stellt ihr vielleicht fest, dass es beim Frühstück noch sehr freundlich war? Wenn ihr Gegenbeweise zu euren Gedanken findet, versucht, sie vorüberziehen zu lassen. Wie eine Wolke am Himmel. Und dann klar auf die Situation zu blicken.

Tipp 3: Übernehmt bewusst Verantwortung!

Es gibt eine Faustregel: Wenn eine Reaktion nicht im Verhältnis zum Auslöser steht, ist ein altes Muster – vielleicht noch aus der Kindheit – getriggert. Zum Beispiel: Die Mutter schreit ihr Kind an, weil es nicht aufräumen will. Es ist nicht die Aufgabe unseres Kindes, das zu lösen. Sondern unsere!

Extra-Tipp: Wenn ihr emotional stark reagiert, fragt euch: Was brauche ich in solchen Momenten wirklich? Ist es Sicherheit? Wertschätzung? Unterstützung? Und wie kann ich heute, als Erwachsene, dafür sorgen, dass ich genau das bekomme?

Und noch etwas...

Erkennt an, dass ihr euch überhaupt auf den Weg gemacht habt! Schätzt eure Erfolge wert, seien sie noch so klein. Und wenn ihr doch wieder in alte Muster fallt, denkt an Selbstbeziehung, Vertrauen, Präsenz und Verantwortung!

Autorin: Nina Grimm

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