Gut vorbereitet

Tipps für werdende Väter: Acht Dinge, die ich gerne vor der Geburt gehört hätte

Das Leben als Vater kann man sich kinderlos kaum vorstellen. Trotzdem hätte sich unser Autor Birk Grüling ein paar ganz konkrete Tipps im Vorfeld gewünscht. Acht davon hat er für uns aufgeschrieben.

Befreundete Eltern, der eigene Vater, unsere Hebamme – sie alle haben diesen Satz zu mir gesagt: "Wenn du Papa bist, wird sich dein Leben komplett verändern." Blauäugig lächelte ich die Wahrheit weg. Mit meiner Naivität war ich aber nicht allein. Vor knapp fünf Jahren saß ich in der Männerrunde des Geburtsvorbereitungskurses. Alle erwarteten ihr erstes Kind. Und nun sollten wir über unsere künftige Vaterrolle sprechen – über Ängste, Sorgen, Wünsche. Eigentlich! Stattdessen gab es Witze über die kulinarischen Vorlieben unserer schwangeren Frauen und Small Talk über den Job. Und natürlich: Ist Fußball oder doch Handball der bessere Sport für den Nachwuchs? Wie wird es sein, wenn die Tochter ihren ersten Freund mit nach Hause bringt? Elternzeit, Windelnwechseln, die ständige Müdigkeit – für harte Eltern-Realität war in dieser Runde kein Platz. Umso wichtiger wäre ein Papa gewesen, der mal knallhart und ehrlich über die ersten Wochen und Monate mit Baby berichtet und ein paar Ratschläge wie diese parat hat ...

Unser Autor

Birk Grüling, Jahrgang 1985, hat mal Lehramt und Musikjournalismus studiert. Inzwischen schreibt er als freier Journalist am liebsten über Bildung, Vereinbarkeit und Dinosaurier. Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in der beschaulichen Nordheide.

1. Sprecht im Vorfeld über eure Vorstellungen!

In der Schwangerschaft hat man viele Dinge im Kopf: Einrichtung des Kinderzimmers, Wahl des Kinderwagens, Namensfindung, Kontrolltermine. Um die Vorstellungen von Familie geht es viel zu selten: Wer bleibt wie lange zu Hause? Wie teilen wir uns die Aufgaben? Glaubt mir: Konflikte über Erwartungen an den anderen Elternteil klärt man lieber im Vorfeld, als völlig übermüdet und genervt mit zahnendem Baby auf dem Arm.

2. Wochenbett? Bleibt zu Hause!

Im Wochenbett, also in den ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt, sollten Papas aus meiner Sicht unbedingt zu Hause bleiben. Während eure Frau sich erholt, könnt ihr kochen, den Haushalt schmeißen, lästige Besucher abwimmeln. Das gibt ein wunderbares Gefühl von Produktivität und des Gebrauchtwerdens. Außerdem bekommt ihr die Chance, euch als Familie zu finden.

3. Nehmt lange Elternzeit

Zeit mit dem Baby verbringen und dafür auch noch bezahlt werden: Das ist doch ein tolles Angebot. Um ein paar Phrasen zu dreschen: Kinder werden so schnell groß, und die Zeit kommt nicht zurück. Inzwischen kann ich sagen, dass beides absolut wahr ist. Die Elternzeit – idealerweise allein und auf sich gestellt – ist super, um eine PapaKind-Routine zu entwickeln und festzustellen, wie anstrengend und schön aktives Vatersein ist.

4. Teilt die Care-Arbeit!

Familie ist Teamwork – und zwar vom ersten Tag der Elternschaft an. Deshalb macht es auch Sinn, vom ersten Tag an alle Aufgaben rund um die Familie gerecht aufzuteilen – selbst wenn der eine Partner in Elternzeit ist und der andere das Einkommen sichert. Jeder erledigt seine Aufgaben selbstständig und keiner "hilft" nur mit oder "unterstützt"! Wenn Arbeit und Verantwortung auf vier statt nur zwei Schultern verteilt werden, gibt's weniger Streit – versprochen.

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5. Seid pragmatisch und nicht perfekt!

Natürlich wollen wir tolle Eltern sein. Wonach wir aber nicht streben sollten, ist Perfektion. Mit Baby zu Hause braucht keiner geputzte Fenster und gebügelte Hemden. Euer Essen darf auch mal vom Lieferdienst kommen, das Wohnzimmer im Chaos versinken, der Jogginghosen-Radius vergrößert werden. Lasst euch auf den Rhythmus des Kindes ein, seid über alles Geschaffte glücklich, anstatt euch über das nicht Geschaffte zu ärgern.

6. Sucht euch Entlastung!

Alles allein hinkriegen zu wollen, ist Quatsch. Also habt keine falsche Scham, euch selbst und anderen einzugestehen, dass es manchmal zu viel wird. Verwandte und Freunde bieten gerade am Anfang oft ihre Hilfe an. Solche Angebote solltet ihr unbedingt annehmen. Manchmal reicht es schon, wenn jemand mal eine Stunde den Kinderwagen schiebt, damit ihr ungestört duschen, einen Tee trinken und kurz Kraft tanken könnt.

7. Gönnt euch Auszeiten!

Ein kleines Baby braucht unsere ganze Aufmerksamkeit, ohne unsere Fürsorge kann es nicht überleben. Die Bedürfnisse des Kindes deshalb gerade am Anfang über alle anderen zu stellen, ist gut und richtig. Aber: Vergesst darüber euch selbst nicht. Hört auf eure eigenen Bedürfnisse, fordert aktiv Auszeiten ein. Das ist eine ziemlich gute Investition: Denn ausgeruhten Eltern fällt es einfach viel leichter, mit den Anstrengungen des ersten Baby-Jahres zurecht zu kommen.

8. Bleibt im Gefühl!

Intimität, Romantik und Zeit zu Zweit werden in den ersten Monaten zu einem raren Gut. Deshalb sind in Sachen Liebesbeziehung Geduld, Gelassenheit und Toleranz gefragt. Sorgt euch nicht, wenn heiße Leidenschaft und wilder Sex von vollen Windeln, Still-BHs und schlaflosen Nächten verdrängt werden. Trotzdem solltet ihr im Gefühl bleiben – ohne zu hohe Erwartungen zu haben. Auch die Zeit und Lust für knisternde Zweisamkeit kommen irgendwann zurück.

Buch-Tipp: "Eltern als Team: Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit"

Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren ist die vielleicht größte Herausforderung für Mütter und Väter. In seinem Buch "Eltern als Team: Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit" (erscheint am 26. April 2021) zeigt unser Autor Birk Grüling, wie Vereinbarkeit zeitgemäß gelebt werden kann. Mit tollen Impulsen für neue Werte!

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Autor: Birk Grüling

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