Kolumne @eineganznormalemama

"Toll, dass er sich nachmittags um sein Kind kümmert!"

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Warum sind vollzeitarbeitende Mütter eigentlich schlechter angesehen als Väter, fragt sich Nathalie heute.

Arbeitende Väter auf dem Spielplatz: "Wie süß er mit seinem Kleinen umgeht"

Der Vater ist gerade auf dem Spielplatz angekommen, das Handy unters Kinn geklemmt. Während er seinem Sohn aufs Klettergerüst hilft, schallen Wortfetzen herüber. "Müssen wir unbedingt im Meeting besprechen" und "Ich schick 'ne E-Mail". Sohnemann ist gerutscht und buddelt im Sand, der Vater tippt aufs Smartphone und bekommt nicht mit, wie Sohnemann ihm ein Sandeis bringt. Solange, bis sein Sohnemann ihm das Eis, also den Sand, über die Hose kippt. Er gibt seinem Sohn einen Kuss, bevor er sich wieder dem Smartphone widmet.

"Ich finde es ja toll, wenn Väter sich so engagieren", wispert eine Mutter der anderen zu. "Wie süß er mit seinem Kleinen umgeht", sagt die andere. Wieder eine andere sagt "Toll, dass das möglich ist, auf dem Spielplatz zu arbeiten und Zeit mit dem Kind zu verbringen."

Arbeitende Mütter auf dem Spielplatz: "Die arme Kleine, ihre Mutter arbeitet immer bis 16 Uhr"

Es ist 16:30 Uhr. Während der Vater am Sandkastenrand sitzt, kommt eine andere Mutter mit ihrer Tochter auf den Spielplatz. "Die arme Kleine, ihre Mutter arbeitet immer bis 16 Uhr", wispert es am Sandkastenrand. "Der ist die Arbeit wichtiger als ihr Kind", antwortet die andere. Die vollzeitarbeitende Mutter klemmt sich das Handy unters Ohr und während sie ihrer Tochter auf die Rutsche hilft, schallen Wortfetzen herüber: "Müssen wir im Meeting besprechen. Ich schick gleich 'ne Mail." Am Sandkastenrand werden die Augen verdreht: "Die arbeitet selbst noch auf dem Spielplatz, anstatt mit ihrer Tochter zu spielen."

Die Mutter setzt sich auch an den Sandkasten, tippt auf ihrem Handy herum, während ihre Tochter einen Sandkuchen backt. Als das Mädchen ihr das Sandförmchen reicht, sagt sie "lecker", kippt den Sand aus und tippt weiter auf ihrem Handy herum. "Was für eine Rabenmutter", tuschelt es ein paar Meter weiter. "Da ist das Kind den ganzen Tag im Kindergarten und noch nicht mal jetzt hat sie Zeit für das Kind", tuschelt es zurück.

Zweierlei Maß. Sie machen beide genau das Gleiche.

Der engagierte Vater und die Rabenmutter. Aber er ist halt ein Er. Und sie ist halt eine Sie. Väter werden dafür gefeiert, dass sie das machen, was die meisten Mütter eh ständig machen. Kennt ihr das?

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Unsere Gastautorin

Nathalie Klüver ist Journalistin, Mama-Reporterin und bloggt als "Ganz normale Mama" von den Tücken des Alltags mit drei Kindern (zwei, sechs und neun Jahre alt). In ihrer Kolumne schreibt sie u. a., warum sie pastellfarbene Kinderzimmer bei Insta und Co. nicht mehr sehen kann. Und wieso es unperfekt viel besser ist.

Nathalie auf Instagram: instagram.com/eineganznormalemama

Nathalies Blog: ganznormalemama.com

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