Kolumne @eineganznormalemama

"Ich habe heute leider keine Urkunde für dich."

In unseren Kolumnen lassen wir Eltern zu Wort kommen, die aus ihrem Alltag berichten. Der ist mal laut und mal leise, mal nervenaufreibend und mal gemütlich, mal chaotisch und mal organisiert, aber auf jeden Fall immer eins: einzigartig. Heute schreibt Nathalie darüber, was die "beste Mutter" eigentlich ausmacht.

Übrigens: Es gibt keinen Preis für die "beste Mutter". Da ist am Ende des Tages niemand, der den Pokal für den ersten Platz überreicht. Es gibt keine Jury, die Punkte verteilt für den schönsten Frühstückstisch, die gesündeste Brotdose oder das aufgeräumteste Haus.

Es steht niemand da und gratuliert zur tadellosen Bügelwäsche, nein, auch nicht für das selbstgebackene Vollkornbrot oder die fleckenlosen Kinderklamotten. Und der Applaus für die makellose Bikinifigur geht auch nur an die Handvoll Topmodels oder Schauspielerinnen. Es gibt auch keine Urkunde fürs "Kinder ohne Fernsehen aufwachsen lassen". Und erst recht keine dafür, dass wir sie immer pünktlich zum Mittagessen aus der Schule abholen.

Es gibt nicht mal einen Trostpreis dafür, wenn wir unsere Yogastunde ausfallen lassen, um unsere Kinder zum Fußballtraining zu fahren und ganz wirklich auch nicht dafür, dass wir nie die Fassung verlieren und nie mit unseren Kindern schimpfen. Und den Oscar für die Kategorie "vorbildlich so wie im Erziehungsratgeber agierend" gibt es auch nicht, weder bei den Haupt- noch bei den Nebendarstellern.

Nein. Es gibt überhaupt keinen Preis für die beste Mutter. Keine Pokale, keine Dankesreden, keine Urkunden, keine Medaillen und erst recht keinen Oscar. Weil es nämlich keine beste Mutter gibt. Weil wir alle beste Mütter sind. Jede auf ihre Art und Weise.

Überhaupt, was soll das sein? Die beste Mutter? Wer bestimmt das? Wenn, dann nur unsere Kinder. Und nur sie dürfen mir einen Pokal überreichen. Wobei ich den gar nicht brauche. Wenn sich zwei müde Ärmchen um meinen Hals schlingen und ein kleines Stimmchen "Ich hab dich so lieb, Mama!" sagt, ist das mehr wert als jeder Preis der Welt. Wenn mich strahlende Kinderaugen anschauen und beim Anblick des Schokopuddings rufen "Du bist die beste Mama der Welt!" ist das ehrlicher als alle Herzen und Likes bei Instagram.

Und dafür braucht es gar keine übermenschlichen Kräfte. Dafür braucht es kein Perfektsein. Dafür braucht es keinen heimelig gedeckten Frühstückstisch, dafür braucht es keine Wimpelkette zum Geburtstag – dafür braucht es einfach nur unsere Aufmerksamkeit. Dass wir da sind. Und auch wirklich da sind, wenn wir da sind.

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Unsere Gastautorin

Nathalie Klüver ist Journalistin, Autorin mehrerer Bücher und Mama von drei Kindern (drei, sieben und neun Jahre alt). Als @eineganznormalemama schreibt sie auf Instagram und ihrem Blog über den Alltag mit drei Kindern und viele weitere Familienthemen.

Nathalie bei Instagram: instagram.com/eineganznormalemama/

Nathalies Blog: ganznormalemama.com

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