Kolumne Joko Zoellner

Junge Väter – alte Väter: Die Vor- und Nachteile

In seiner Kolumne "Junger Vater oder alter Vater" erläutert Autor Joko Zoellner bereits einige wichtige Aspekte bezüglich des Vaterwerdens in verschiedenen Lebenssituationen. Hier zählt er die Vor- und Nachteile auf, die das Vatersein in jungen oder älteren Jahren mit sich bringen kann ...

Gut für dich zu wissen

Vor- und Nachteile von Vätern im Alter von ...

20 - plus

Vorteile:

Gerade eben erst erwachsen geworden, spürt er die Jugend noch in seinen Knochen und hat die Kindheit nicht völlig vergessen. Neugier und eine satte Portion Aufgeregtheit sind deshalb positive Antriebsfedern, sich der neuen Aufgabe zu stellen und sie mit großer Begeisterung auch meistern zu wollen. Körperliche Fitness und gedankliche Flexibilität sind herausragende Voraussetzungen, Babys Schrei-Nächte (aber nicht nur die) wegzustecken, die Mama wirksam zu entlasten und trotzdem einen Tag nach dem anderen mit guter Laune zu begleiten.

Pluspunkte: Jugendlichkeit, Fitness, Flexibilität – einmal junger Papa, immer junger Papa.

Nachteile:

Gerade eben die Ausbildung beendet, mit dem Studium noch nicht ganz fertig oder erst kürzlich ins Berufsleben eingestiegen – Phasen wichtiger Bewährungsproben, die Zeit und Konzentration in Anspruch nehmen. Vielleicht muss auch ein Zusatzjob die nur mäßig gefüllte Kasse aufbessern. Aktuelle (Streit-)Themen: Familienplanung – gemeinsam wohnen, evtl. heiraten, Zeit für Baby-Betreuung bereitstellen, auf persönliche Freizeit und Hobbys (Fußball, Skat) verzichten müssen, viele Freunde, die sich abwenden, weil sie mit Familie nichts am Hut haben.

Minuspunkte: Sich überschätzen oder sich eingeengt fühlen. Größte Gefahr: Trennung von Partnerin und Baby.

30 - plus

Vorteile:

Da es jetzt heißt "ideales Alter" kann ja eigentlich nichts schief gehen. Beruflich sind die Weichen gestellt. Finanziell ist ein Grundstein gelegt, ständig "auf der Piste" zu sein, verliert zunehmend seinen Reiz, dafür gewinnt eine gewisse Häuslichkeit an Bedeutung und aus Kontakten haben sich feste Beziehungen entwickelt – Perspektive: Familie, Kind und Haus. Auch der Sport ist nun nicht mehr das allein seligmachende Hobby.

Pluspunkte: Mit einem ersten Hauch erlebter Gelassenheit hat nun die ungestüme Drauflos-Mentalität ihren Platz an Kind & Co. verloren.

Nachteile:

Da es jetzt von allen Seiten aufmunternd heißt "ideales Alter", kann viel schief gehen mit der Familienplanung, wenn es andere Baustellen gibt, die mehr Aufmerksamkeit erfordern. Beispiel: die Karriere – die entscheidenden Schritte zur Führungskraft und zum Gehaltssprung. Sie rauben Zeit. Sie brauchen eine ungeteilte Konzentration. Sie verlangen uneingeschränkte Rücksicht – auch von der Partnerin. Die beste Zeit für ein Baby? Wohl eher nicht.

Minuspunkte: Übertriebener beruflicher Ehrgeiz. Solange der Job keine Kompromisse zulässt, ist wahrscheinlich der Platz fürs Baby noch nicht wirklich gefunden. Große Trennungsgefahr.

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40 - plus

Vorteile:

Das Leben hat seine Konturen. Der Beruf zeigt Profil und Perspektive. Das Privatleben findet in abgestecktem Rahmen statt – Partnerin, Ferien, Hobby, Freunde aus Schul- oder Studienzeiten. Was jetzt eigentlich nur noch fehlt? Die Kinder. Die Familie. Wissen, wofür man lebt und arbeitet: das eigene Nest. Aber jetzt schon zu alt für ein Baby? Ansichtssache. Sicher ist: Lebenserfahrung und Zeit sind unschlagbare Argumente.

Pluspunkte: Schon der kleine finanzielle Handlungsspielraum schafft jetzt eine willkommene Flexibilität in der Freizeitgestaltung – wichtigste Voraussetzung, sich engagiert um den Nachwuchs zu kümmern. 40 ist doch noch kein Alter ...

Nachteile:

Das Leben fängt schon mal an, seinen Tribut zu fordern. Das eine oder andere Zipperlein meldet sich. Du hast Rücken? Die "süße, kleine Maus" leicht und locker durch die Gegend zu tragen, ist nicht mehr so leicht wie früher zu meistern. Auch eine Schrei-Nacht könnte problematischer werden, denn "Mann" braucht seinen durchgehenden Schlaf. Und der Verstand tritt ständig auf die Spaßbremse. Sorgfaltspflichten: Was ist, wenn dem Baby was passiert – oder mir? Ängste schüren Selbstzweifel. Anspannung statt Entspannung. 40 ist doch schon ganz schön alt.

Minuspunkte: Wer sich als Vater infrage stellt, stellt damit das gesamte Nachwuchs-Projekt in Frage. Die nachhaltige Euphorie könnte fehlen, sich noch mal mit einem neuen Lebensabschnitt anzufreunden. Trennung eher unwahrscheinlich.

50 - plus

Vorteile:

Nicht zu Unrecht wird diese Lebensphase gern als "zweiter Frühling" bezeichnet – Aufbruchstimmung. In unserer Gesellschaft bedeutet das heutzutage oft auch "zweite Frau" oder besser: "jüngere Frau". Zweite Ehe und zweite Chance als Vater, der man aus einer früheren Beziehung vielleicht schon ist. Die Voraussetzungen sind perfekt: Die Flamme des beruflichen Ehrgeizes ist gelöscht. Im Mittelpunkt steht jetzt das Baby. Die Beziehung profitiert vom unschätzbar wertvollen Erfahrungsschatz des Vaters, der endlich das einbringt, was am wichtigsten ist: Zeit.

Pluspunkte: Auf zwei G's kommt es unter anderem bei der Erziehung an: auf Gelassenheit und Geduld. Väter in diesem reiferen Alter bringen beides mit. Ein Kind hat jetzt eine ganze neue Wertschätzung. Trennung wegen Nachwuchs: unwahrscheinlich.

Nachteile:

"Zweiter Frühling" hin und her. Von allein geht immer weniger. Vieles ist irgendwie anstrengender geworden, weil Flexibilität und Spontaneität zunehmend nachlassen. Das macht den Umgang mit Kleinstkindern nicht einfacher. Und das ist nicht nur, aber auch dem Alter geschuldet. Die Einsicht wächst: Man wird nicht jünger. Zweifel kommen auf: Wie lange kann ich noch mithalten? Fragen, die einer Vaterschaft allerdings ganz schön im Wege stehen.

Minuspunkte: Betulich, umständlich, langsam, engstirnig – einmal alter Papa, immer alter Papa.

Unser Autor: Joko Zoellner

Joachim "Joko" Zoellner blickt auf eine lange und ausgefüllte Karriere im Journalismus zurück. Zu seinen dabei durchlaufenen beruflichen Stationen gehören unter anderem Chefredakteursposten (tw. stellv.) im Springer-Verlag. Vor allem im Sport- und Familienbereich war und ist Zoellner leidenschaftlich als Autor aktiv. 

Weiter gründete der studierte Theologe den Verlag "Jokomedia UG" sowie die Zeitschrift "Familie & Co." Für wireltern.de schreibt er regelmäßig unterhaltsame und informative Kolumnen rund um die Themen Familie, Kinder und Erziehung. Dabei kritisiert und kommentiert er – stets mit einem Augenzwinkern – gängige Methoden und alltägliche Missverständnisse zwischen Eltern und Kind.

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Unser Autor

Martin Piecha

Content Manager bei Junior Medien

Martin stammt als studierter Sportjournalist und -manager sowie ehemaliger Redakteur für Fitness- und Gesundheitsthemen aus einem eher anderen Fachbereich. Er liebt jedoch die redaktionelle Herausforderung und stellt sich voller Freude und Enthusiasmus dem weiten Feld rund um das Elternwerden und Elternsein.

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