Kolumne Joko Zoellner

Junger Vater oder alter Vater – wer kann es besser?

Haben Männer mit 20, 25 Jahren die besseren Papa-Voraussetzungen als ihre reiferen Kollegen mit 40 oder gar Ende 50? Ist das Alter tatsächlich so wichtig, wie so gern behauptet wird? Wir sagen euch, worauf es wirklich ankommt – Vorteile und Nachteile.

Vater werden? Coole Idee! Sehr gern – aber wann? Es gibt eigentlich dafür nur zwei Varianten.

Nr. 1: die Familienplanung. Vor allem sind es die Männer, die den besten Baby-Zeitpunkt finden wollen und endlos darüber diskutieren. Möglichst nichts sollte dem Zufall überlassen bleiben. Da müssen die Voraussetzungen stimmen und mit der Bald-Mama abgestimmt sein: zu allererst natürlich der von beiden herbeigesehnte Kinderwunsch, aber auch die garantierte existenzielle Grundlage (Wohnung, Gehalt) sowie Geld für diverse Anschaffungen (Wiege & Co.).

Nr. 2: die Überraschung. Es ist der Klassiker, der Männer kurzfristig in die Knie zwingt: "Liebling, ich bin schwanger." Rumms! Treffer! In dieser Sekunde hat sich damit jede weitere theoretische Zeitpunkt-Diskussion erübrigt. Passiert – und bestätigt durch den Schwangerschaftstest. Nun gilt es zu handeln, meine Herren, euer Leben fängt vielleicht nicht völlig neu an, aber auf alle Fälle geht es jetzt ganz anders weiter.

Ob sorgsam geplant oder unvorbereitet scheinen die Mütter in spe auf ihre Aufgaben irgendwie intuitiv schon vorbereitet zu sein. Die meisten "neuen" Väter finden sich in einem Wald voller "Was-tun"-Fragezeichen wieder und suchen nach Orientierung. Und genau schon jetzt, in diesem frühen Moment, scheiden sich die Geister von werdenden Vätern. Wir haben uns auf zwei Typen festgelegt.

Vater-Typen

Typ eins: der Mitmacher

Er nimmt seine Rolle sofort engagiert an. Dazu gehört unter anderem: Verzicht auf Nikotin und Alkohol – zumindest im Beisein der zukünftigen Mama, Reduzierung der eigenen Vorlieben wie zum Sport gehen, stattdessen Begleitung zu Ultraschall- oder Vorsorgeterminen, aktive Teilnahme an Schwangerschaftsübungen in Vorbereitung auf die Geburt und auch bei der Geburt selbst, wenn das gewünscht wird.

Vorbildlich! Allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Es gibt ja auch die sogenannten "Hundertprozentigen". Das sind Väter, die ihre Rolle nicht nur ernst, sondern zu ernst nehmen, die Bald-Mama am liebsten in Watte packen würden und ihr alles – buchstäblich alles – abnehmen möchten. Wenn die Hilfeleistungen  ständig nicht nur gut, sondern zu gut gemeint sind, nerven sie und der Mann genauso. Nichts mögen designierte Mütter weniger als zur Passivität verurteilt zu werden.

Typ zwei: der Zurückzieher

Er akzeptiert ebenfalls die neue Lage, versteht sich selbst aber eher als Zuschauer und weniger als aktiver Teilnehmer an der Schwangerschaft. Und das hat Gründe. Er fühlt sich – gar nicht böse gemeint – unsicher oder deplatziert, allein schon, wenn es nur um ein paar Atemübungen beim Frauenarzt geht. Er kauft alle Zutaten für ein schönes Essen ein, aber auch selbst kochen? Lieber nicht.

Der Gedanke, die Geburt live mitzuerleben, bereitet ihm schon Monate vorher schlaflose Nächte. Geht es um die Entscheidung, welcher der von ihm vor-ausgesuchten Kinderwagen es denn sein soll, zuckt er mit den Schultern, schaut seine Partnerin an und sagt: "Bitte, entscheide du." Wagen wir schon mal einen Blick nach vorn: Auch später mit Baby an Bord den Kinderwagen durch die Straßen zu schieben, fällt mit einem Zurückzieher eher aus.

Was am Ende nach Ausrede klingt, vielleicht auch nach Desinteresse oder Faulheit aussieht, ist der eigene Anspruch und die übertriebene Erwartung nichts, aber auch rein gar nichts falsch machen zu wollen. Übervorsichtig ist der Zurückzieher und genauso überkorrekt. Dieser "Typ werdender Vater" sieht seine verantwortungsvolle Aufgabe darin, nur das zu tun, was er beherrscht und was ihm liegt: mit beruflichem Können und unermüdlichen Engagement seine junge Familie finanziell aufs Beste abzusichern.

Mitmacher und Zurückzieher – zwei unterschiedliche Charaktere. Jeder trägt auf seine ganz eigene Art etwas dazu bei, dass es Mutter und Kind vor und nach der Geburt gut geht.

Ist das eine Frage des Alters, welche Väter sich wie verhalten?

In den folgenden Lebensabschnitten – raus aus den Windeln rein in die Kita, Schule, Lehre bis hinein in die Volljährigkeit – tut sich unfassbar viel für heranwachsende Kinder, die von Jahr zu Jahr selbstständiger sind. Aber auch für Eltern, die (vielleicht sogar mit weiteren Kids) während der einzelnen Erziehungsphasen lernen müssen, mit der Zeit zu gehen, nicht stehen zu bleiben und vor allem  nicht den Anschluss an die Denkweisen der Jugendlichen zu verpassen. Schritt halten schützt vor schnellerem Altern.

Und wie entwickeln sich nun "unsere Väter" in all diesen Jahren?

Der Mitmacher macht weiter engagiert mit, wenn auch mit mehr Reife etwas weniger. Er hat sein Eigenleben nie aus den Augen verloren und diesem ein paar neue Impulse geschenkt. Meistens haben die Ehen von Mitmachern in all den stürmischen Erziehungszeiten ganz gut gehalten.

Der Zurückzieher zieht sich immer noch gern zurück, aber im Laufe der Jahre durchaus etwas weniger. Seine Berührungsängste sind ein wenig positiver Zuversicht gewichen, von der ältere Kinder profitieren können. Die ursprüngliche Vorsicht gibt der Zurückzieher aber nie ganz auf. Auch dazu kann sein Rückzug aus der Ehe gehören.

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Ist das auch eine Frage des Alters, wenn sich Väter so verhalten?

Kluge Frage – klare Antwort: Ob jüngere oder ältere Väter die besseren sind, ist doch unerheblich. Jedes Alter hat seine charakteristischen Vor- und Nachteile (siehe dazu weiter unten). Das entscheidendste Kriterium ist die innere, altersunabhängige Einstellung, mit der jeder Vater nach eigenen individuellen Wertmaßstäben seine Rolle als Erziehungsberechtigter definiert und im Alltagsleben dann auch umsetzt.

Verständnis, Toleranz und Autorität gehören sicherlich zu den besten, wichtigsten und erfolgreichsten Papa-Tugenden – und zwar in jedem Vater-Alter!

Junger Vater ...

Wer mit 25 Jahren Vater wird (laut Umfragen für 88 Prozent das ideale Alter), ist bei Volljährigkeit seines Kindes "erst" 43. Da bleibt ihm genug Zeit, sein Leben noch mal neu einzusteuern. Sogar berufliche Karriere-Chancen könnten sich wieder auftun. Selbst wenn das dritte Kind flügge wird, sind in etwa erst die frühen 50er-Jahre erreicht. Kein Gedanke an Rente!

Alter Vater ...

Wer mit 45 Jahren Vater (laut Umfragen nur für 2,8 Prozent ein ideales Alter) wird, entlässt seinen Nachwuchs mit 63 Jahren in die Eigenständigkeit (wenn das Kind volljährig ist?. Die Rente ist (fast) schon erreicht, das Berufsleben gelebt, das Kind aus dem Haus. Der Ruhestand lockt und nicht mehr irgendwelche Verpflichtungen.

Unser Fazit: Hauptsache, ein guter Vater!

Unser Kolumnist: Joko Zoellner

Joachim "Joko" Zoellner blickt auf eine lange und ausgefüllte Karriere im Journalismus zurück. Zu seinen dabei durchlaufenen beruflichen Stationen gehören unter anderem Chefredakteursposten (tw. stellv.) im Springer-Verlag. Vor allem im Sport- und Familienbereich war und ist Zoellner leidenschaftlich als Autor aktiv. 

Weiter gründete der studierte Theologe den Verlag "Jokomedia UG" sowie die Zeitschrift "Familie & Co." Für wireltern.de schreibt er regelmäßig unterhaltsame und informative Kolumnen rund um die Themen Familie, Kinder und Erziehung. Dabei kritisiert und kommentiert er – stets mit einem Augenzwinkern – gängige Methoden und alltägliche Missverständnisse zwischen Eltern und Kind.

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Unser Autor

Martin Piecha

Content Manager bei Junior Medien

Martin stammt als studierter Sportjournalist und -manager sowie ehemaliger Redakteur für Fitness- und Gesundheitsthemen aus einem eher anderen Fachbereich. Er liebt jedoch die redaktionelle Herausforderung und stellt sich voller Freude und Enthusiasmus dem weiten Feld rund um das Elternwerden und Elternsein.

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