#mutterschutzfueralle

Mutterschutz für Selbstständige: Petition für mehr Unterstützung

Was tun, wenn die Übelkeit zuschlägt – und die Selbstständigkeit keine Pause kennt? Freiberufliche Frauen starten eine Petition und wollen während der Schwangerschaft die gleiche Unterstützung bekommen wie Festangestellte.

Mutterschutz für Selbstständige: Was tun, wenn das Arbeiten in der Selbstständigkeit zur Qual wird?
© Foto: iStock/Vasyl Dolmatov
Mutterschutz für Selbstständige: Was tun, wenn das Arbeiten in der Selbstständigkeit zur Qual wird?

Ja, auch ich war von diesem Schlamassel betroffen. Ich war selbstständig und schwanger. Klingt erstmal nicht nach einem Debakel, was? Doch diese ständige Unsicherheit, ja, die Angst davor, dass ich – entweder aufgrund von Corona oder sonstigen Schwangerschaftskomplikationen – vorzeitig aussetzen muss, hat mich aufgefressen. Denn zu Anfang meiner Schwangerschaft war mir wochenlang schlecht. 24/7. Ich hatte Existenzängste. Und bangte Tag für Tag, dass diese starke Übelkeit vielleicht bis zur Geburt anhält. Am Ende ging alles gut und ich konnte fast bis zum Schluss durchziehen, doch noch einmal möchte ich das nicht durchmachen müssen. Und es gibt da draußen sooo viele Business Ladies, die trotz anhaltender Beschwerden durchhalten (müssen) – sich richtig durchquälen. Hut ab! Deshalb liegt mir das Thema "Mutterschutz für Selbstständige" auch besonders am Herzen. Es muss sich etwas ändern. Und ENDLICH haben freiberufliche Frauen in Deutschland den Schritt gewagt und eine Online-Petition ins Leben gerufen, die etwas bewegen soll …

Mutterschutz und Sicherheiten? Als festangestellte Schwangere kein Problem!

Hätte ich mich damals schon in einer Festanstellung befunden, wäre alles ganz genau geregelt gewesen. Und mein Bauchgefühl wäre etwas besser gewesen. Sechs Wochen vor Entbindungstermin (ET) beginnt der Mutterschutz und wenn es schon vorher zu Beschwerden kommt, die das Arbeiten unmöglich machen und eventuell sogar dauerhaftes Liegen erfordern? Etwa durch starke Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum) oder vorzeitige Wehen? Na, dann gibt es ein Attest vom Gynäkologen – und die Neu-Mama kann sich bezahlt beim Arbeitgeber krankschreiben lassen und (wie vom Arzt verordnet) ausruhen.

Mutterschutz als Selbstständige? Fehlanzeige!

Schwangere Frauen, die selbstständig sind bzw. einer freiberuflichen Tätigkeit nachgehen, müssen sich um vieles Gedanken machen. Und darauf kann (und sollte) man mit einem Baby im Bauch eigentlich gut verzichten. Denn: Finanzielle Unterstützung vom Staat bleibt in der Regel aus. Und vor allem: können Krankheitstage nicht ausgeglichen werden. Das heißt, wenn eine Frau – und das kommt nicht selten vor – schwanger vorzeitig nicht mehr in der Lage dazu ist, ihrer gewohnten Tätigkeit nachzugehen, dann ist sie finanziell auf sich selbst gestellt. Peng, ist dann so! Nur Eltern, die sich in einem Angestelltenverhältnis befinden, haben einen Anspruch auf Mutterschutz sowie Elternzeit. Der Bezug von Elterngeld steht immerhin auch Selbstständigen zu, doch auf Mutterschaftsgeld haben freiberufliche Schwangere nur unter bestimmten Umständen Anspruch – das hängt von der jeweiligen Krankenversicherung ab. Als selbstständige Bald-Mama muss man demnach auf eigene Faust und rechtzeitig (!) für Rücklagen sorgen. Ansonsten lässt sich das eigene Business aufgrund der und Elternzeit schlecht aufrechterhalten.

Petition für eine Reformierung des Mutterschutzes

Jetzt soll sich durch eine Online-Petition etwas ändern: Diese wurde unter anderem von der freiberuflichen Tischlermeisterin Johanna Röh initiiert, die in ihrer Schwangerschaft um die Existenz ihres Betriebes bangt. Mutterschutz, Krankengeld, Gehaltsausgleich? Fehlanzeige. Das konnte sie nicht auf sich sitzen lassen. Eben eine echte Macherin. Mehr als 56.000 Menschen haben die Petition bereits unterschrieben.

Ihr wollt mitmachen? Bis zum 12. Juli 2022 kann hier noch unterschrieben werden!

Der dazu passende Hashtag #mutterschutzfueralle wurde bereits tausendfach geteilt – auch etwa von Model Marie Nasemann. Auch sie ist als selbstständige Zweifach-Mutter davon betroffen. Sie weiß: Nicht jede selbstständige Frau hat die Möglichkeit, ihrer Tätigkeit vom Sofa aus nachzukommen und das Einkommen zu sichern. Auf ihrem Instagram-Kanal machte sie auf die so wichtige Petition aufmerksam …

Johanna Röh nimmt sich Wochenbett-Auszeit

Übrigens: Die Unternehmerin Johanna Röh möchte sich nach der Geburt ihres Kindes eine zweimonatige Auszeit nehmen. Also quasi eine Art – aber auf eigene Faust. Denn schließlich finanziert sie sich diese Zeit (gemeinsam mit ihrem festangestellten Ehemann) selbst. Es ist wirklich an der Zeit, dass sich etwas ändert. Zusammen mit Röh und ihren Handwerkskolleginnen drücken wir die Daumen …

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