Väter im Erziehungsurlaub

Antworten auf Fragen werdender "Hausmänner"

Das neue Elterngeld lockt immer mehr Väter in die Babypause. Laut Statistischem Bundesamt wurde seit Einführung der neuen Familienleistung Anfang des Jahres etwa jeder zehnte Antrag von einem Vater gestellt. Damit hat sich der Anteil der Väter, die nach der Geburt eines Kindes zu Hause bleiben, auf knapp zehn Prozent verdreifacht. Doch wie ist es als Vollzeit-Papi? Viele von Ihnen haben Zweifel und sind unsicher: "Soll ich’s wagen?". Nun, sicher ist eins: diese Zeit mit Ihrem Kind werden Sie nie wieder nachholen können. Doch wie ist es als Vollzeit-Papi? Viele von Ihnen haben Zweifel und sind unsicher: "Soll ich’s wagen?". Nun, sicher ist eins: diese Zeit mit Ihrem Kind werden Sie nie wieder nachholen können.

Welche finanziellen Konsequenzen die Auszeit?
Wenn Sie bisher einen hohen Lebensstandard hatten, werden Sie sich sicherlich etwas umstellen müssen. Wer von vornherein darauf gefasst ist, auf einigen Luxus zu verzichten, wird sich leichter darauf einstellen können. Vielleicht können Sie auch ein Talent für eine Nebentätigkeit von zuhause aus nutzen oder etwa ein paar Stunden am Wochenende in Ihrem alten Job arbeiten. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber.

Werde ich den Anschluss im Berufsleben verlieren?
Natürlich werden Sie nach der Erziehungszeit einiges in Ihrem Job nachzuholen haben: Techniken entwickeln sich weiter, Strukturen verändern sich, vielleicht sogar die Kollegen. Diesen Bedenken stehen aber auch einmalige und wertvolle Erfahrungen mit Ihrem Kind gegenüber. Die Entwicklungen in Ihrem Beruf können Sie innerhalb weniger Monate wieder aufholen. Hier mal eine Fachzeitschrift und da mal ein Anruf bei Kollegen helfen dabei, informiert zu bleiben. Je nach Job machen es manche Arbeitgeber sogar möglich, zeitweilig etwas für seinen alten Job zu tun.


Was sagen die Kollegen? Wie reagieren Freunde und Verwandte?
Allgemein stößt die neue "Vaterrolle" auf reges Interesse. Sie werden sehen, dass Sie öfter nach Ihrem Befinden gefragt werden, als Frauen in dieser Zeit. Überreste geschlechtspezifischer Einstellungen sorgen natürlich für die ein oder andere Frozelei: "Bist du jetzt faul zuhause und lässt deine Frau für dich arbeiten?" oder "Na, was macht der Mappi?". Wenig Verständnis zeigen vor allem Männer, die in der traditionellen Rolle leben.

Auch von Ihren Eltern dürfen Sie nicht gleich Verständnis erwarten. Möglicherweise sind sie enttäuscht, weil ihr Sohn "den Beruf aufgeben will". Schwiegermütter dagegen neigen dazu, Ihnen die Erziehungskompetenz abzusprechen. Mit diesen Widerständen können Paare am besten umgehen, indem sie zusammen halten und gemeinsam hinter ihrer Entscheidung stehen. Ausschlag gebend ist Ihr Selbstvertrauen für diese Aufgabe, dass Sie in Ihrer Rolle entwickeln. Ihre Partnerin muss Kritik abwenden und gleichzeitig ihr bedingungsloses Vertrauen signalisieren – dann kommen keine Fragen mehr auf.

 

Werde ich überhaupt alles in den Griff bekommen?
Um sich als Vater zu beweisen, wollen die meisten im Erziehungsurlaub alles 150%ig machen: den Haushalt führen, das Kind versorgen und erziehen, die Freizeit interessant gestalten und sich liebevoll um die Partnerin kümmern.... Setzen Sie Ihre Maßstäbe nicht so hoch. Versuchen Sie nicht perfekt zu sein, sondern machen Sie sich und allen anderen klar: auch Männer brauchen Unterstützung, Entlastung, Bestätigung und Anerkennung. So können Sie mit Ihren eigenen und den Zweifeln Ihres Umfeldes besser umgehen. Lassen Sie sich helfen – von Ihrer Partnerin, von Verwandten, Freunden und anderen Vätern in Ihrer Lage. Wachsen Sie langsam in Ihre Aufgabe hinein. Wirklich hilfreich ist der Kontakt zu anderen Vätern und Hausmännern in Ihrer Lage. Vielleicht lässt sich Sie über Kontaktanzeigen eine (kleine) Vätergruppe organisieren. Tauschen Sie sich untereinander aus, starten Sie gemeinsame Unternehmungen, unterstützen und entlasten Sie sich gegenseitig. Außerdem finden Sie im Internet gesonderte Väter-Foren, wie
www.vatie.de, www.vollzeitpapis.de.


Wie wird es mir in der Krabbelgruppe und auf dem Spielplatz ergehen?
Sollten Sie keine gesonderte Väter-Gruppe finden, können Sie ruhig den Schritt in eine "normale" Krabbelgruppe mit vielen Müttern wagen. Versuchen Sie, eine Gruppe zu finden, die sich gerade erst gründet, damit Sie von Anfang an dabei sein können. Sie werden Interesse, Anerkennung und Bewunderung erfahren. Beim Kletterburgen bauen und Handwerken werden Sie sogar eine ganz besonders wichtige Rolle spielen – Sie werden sehen!


Wie kommen meine Partnerin und ich mit der Rollenverteilung zurecht?
Da gibt es ganz unterschiedliche Erfahrungen: Probleme in der Partnerschaft kann es geben, wenn Sie sich minderwertig fühlen und selbst mit der neuen Rollenverteilung nicht glücklich sind. Nach einiger Zeit kann auch bei der Frau das Gefühl entstehen, der Mann wäre als berufstätiger Mann attraktiver und ernstzunehmender gewesen. Gegen diese Gedanken sollten Sie unbedingt ankämpfen: Begreifen Sie sich als Team mit Arbeitsteilung, bei dem jeder seinen Teil leistet. Sein Sie stolz auf das, was der andere tut. Diese Haltung wird sich auch auf das Umfeld auswirken. Manche Paare lehnen es auch ab, die Rollen vollständig zu tauschen. Ihr Konzept: Sie bügelt weiterhin die Wäsche und er ist für alle handwerklichen Dinge verantwortlich.

Ob finanziell, beruflich oder im sozialen Umfeld – Ihr Erziehungsurlaub wird einiges verändern.
Sie haben es in der Hand, diese Zeit positiv und gewinnbringend zu gestalten. Fest steht jedenfalls: Männer können die Aufgabe genauso gut bewältigen wie Frauen, das haben sie bereits vielfach bewiesen. Genießen Sie diese Zeit als eine berufliche Auszeit, eine Gelegenheit, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln – und vor allem als eine wichtige Zeit für Sie und Ihr Kind.

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