Alleinerziehend

Mama sucht Mann

Spätestens, wenn der neunjährige Sohn die Mama in einer Fernsehshow verkuppeln will, sollte man die Partnersuche etwas ernster nehmen, findet unsere Autorin. Und hat sich – nicht nur dem Sohn zuliebe – so einige Gedanken über den Mann fürs Leben gemacht.

Ich kann gar nicht mal genau sagen, wo mein Sohn Levi die Werbung für die neue "Bauer sucht Frau"-Staffel gesehen hat. Beim Abendessen jedenfalls fällt sie ihm plötzlich ein: "Mama, soll ich dich anmelden für die Hofwoche mit dem Cowboy da? Ich bin erst mal sprachlos. "Bauer sucht Frau"? Mein Sohn möchte, dass ich im Fernsehen einen Mann finde, echt jetzt?!

Trotz meiner nicht wirklich euphorischen Reaktion lässt Levi nicht locker: Am nächsten Tag erzählt er seine Idee in unserem Reitstall herum. Wir nennen zwei Ponys unser Eigen, da würde ein Cowboy als neues Familienoberhaupt natürlich perfekt passen. Die Reitstallbesitzerin findet das auch und verspricht ein großes Public Viewing im Saloon, sollte es mit dem TV-Bauern und mir klappen.

"Warum will dich keiner heiraten?"

Kurz nach der Geburt habe ich mich von Levis Vater getrennt. Das ist jetzt über neun Jahre her. Seitdem gab es zwar durchaus wieder einen Mann in meinem Leben, jedoch keinen, der bei uns einzog und das Leben komplett mit uns teilte. Vater, Mutter, Kind: So stellt sich mein Sohn Familie vor. Auch wenn es in seinem Freundeskreis diverse Konstellationen gibt – von Mutter, Mutter, Kind, Kind bis Vater, Kind – das traditionelle Bild von Familie empfindet er offensichtlich am erstrebenswertesten – auch, wenn er so bisher gar nicht erlebt hat.

"Warum will dich keiner heiraten, Mama?", fragt er kürzlich kurz vor dem Zubettgehen. Ich schlucke. Ist ja nicht so, dass ich nicht schon selbst darüber nachgedacht hätte. Die Frage tut ein bisschen weh, mein in dieser Beziehung sowieso schon angeknackstes Selbstbewusstsein meldet sich. Dabei schwanke ich ständig zwischen: "Was für ein Glück, dass ich mit Levi alleine bin" und: "Wie schön wäre es mit einem Partner an der Seite". Einerseits die Freiheit, sich nicht ständig mit einem Lebensgefährten abzusprechen und auseinandersetzen zu müssen. Außerdem funktioniert unser Mama-Sohn-Team super! Andererseits meine Zweifel, ob Söhne nicht auch ein männliches Vorbild brauchen. Zumal der eigene Vater mit Glück viermal im Jahr für ein paar Stunden zu Besuch kommt. Als Vater-Ersatz hielten bisher der Opa her, der Schwager, ein guter Freund, der Nachbar, ein Exfreund. Aber ob das reicht?

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Der Mann muss beiden gefallen

Meine Lebensphilosophie von Freiheit, Gleichmut und Schicksal gerät erneut ins Wanken, als ich innerhalb von ein paar Tagen einige Male mit dem Vater eines Klassenkameraden von Levi telefoniere. "Mama, ist der Vater von Tom in dich verliebt oder warum ruft der dich ständig an", fragt Levi nach einem der Telefonate. Einmal mehr bin ich sprachlos, dann muss ich laut lachen und kläre meinen Sohn auf: Ich hätte mit Toms Vater nur einen bevorstehenden Klassenausflug geplant. Auch wenn die Sache mit dem TV-Bauern vom Tisch ist, geht die Suche nach einem Mann für uns wohl weiter.

Aber ob es so einen Mann für uns überhaupt geben kann? Unsere Wünsche liegen nicht in allen Punkten auf einer Wellenlinie. Levi wünscht sich ganz klar einen Vater-Ersatz. Einen Mann für Jungs-Themen und Jungs-Abenteuer, vielleicht auch einen, der noch Teilzeit-Geschwister mitbringt und der sich mal auf die eigene Seite schlägt, wenn die Mama-Themen nerven. Ich frage mich, ob ich noch Teilzeit-Kinder brauche? Suche ich nicht viel mehr nach einem Liebhaber, einem Mann, der mir den grauen Alltag etwas bunter macht? Aber möchte ich auch einen Partner, der sein gesamtes Leben mit uns teilt? Einigkeit herrscht indes darüber, dass er keine Tierhaarallergie haben darf. Katzen und Hunde lieben muss wie wir, am besten noch Pferde, zumindest nichts gegen Stallgeruch und leidenschaftlich reitende Familienmitglieder einzuwenden haben darf.

Ein Student als Papa?

Ein neuer Mieter zieht in unsere Einliegerwohnung. Es ist 27 Jahre und Student. Wir treffen ihn ein paarmal zufällig auf der Straße, dann lädt ihn Levi spontan zum Abendessen ein. Er findet es prima, sein Kühlschrank ist ohnehin gerade leer. Als Levi im Bett ist, trinken wir noch ein Glas Wein zusammen. Am nächsten Morgen fragt mich Levi, warum unser Nachbar nicht bei uns übernachtet hat. Ich muss lachen und erkläre ihm, dass es bis zu seiner Wohnung ja nicht weit ist.

Die Bauer-sucht-Frau-Werbung kündigt den Staffel-Start an. Levi ist betrübt darüber, dass ich nicht dabei bin. Er findet, die Kandidatinnen, die sich der Cowboy ausgesucht hat, passen überhaupt nicht zu ihm. Ich verspreche Levi, die Suche nach einem Mann ab sofort ernster zu nehmen. Auch wenn ich absolut keinen Plan habe, wie ich das anstellen soll.

Einige Monate später bringe ich Levi wie immer zum Gitarrenunterricht. Im Aufenthaltsraum der Musikschule nehme ich wieder diesen Mann wahr, den ich jeden Donnerstag dort zufällig treffe. Wir sitzen uns gegenüber. Er auf einem blauen Stuhl, ich auf einem roten Sofa. Wir haben Masken auf, sind beide in unsere Smartphones vertieft. Wer schließlich mit wem das Gespräch begonnen hat, kann ich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Fest steht, Levi und ich haben unseren Cowboy am Ende in der Musikschule gefunden. Mitten in der Corona-Pandemie, völlig unerwartet. Die besten Geschichten haben eben kein Drehbuch …

Experten-Bild

Unsere Autorin

Nina Meyer schreibt am liebsten über ihren verrückten Alltag mit Sohn Levi (9).

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