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Komm schmusen, Darling

Sex nach der Geburt

Umdenken ist angesagt, wenn bei frischgebackenen Eltern die Rollen neu verteilt werden. Es geht auch ohne Lust, denn Begierde kommt beim Lieben. Das jedenfalls behaupten Paartherapeuten.

Es ist das alte Lied: Sobald ein Baby mit ins Team kommt, bleibt der Sex erst mal auf der Strecke. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Es hat nichts damit zu tun, dass man den Partner weniger mag. Aber die Rollen sind neu verteilt und eine Menge Aufgaben sind hinzugekommen. Verantwortung für den Säugling, Schlafmangel, aufgebrauchte Kraftreserven und minimale Zeitfenster für die persönlichen Bedürfnisse erfordern eine Umverteilung der Energie. Wickeln, Füttern, Beruhigen, Kümmern lassen kaum noch Spielraum für andere Dinge, geschweige denn für Lust und Begierde. Außerdem ist die Psyche auf den Nachwuchs fokussiert.

Hinzu kommt, dass Mann und Frau von Natur aus völlig unterschiedlich reagieren, wenn es um Lust geht. Die männliche Begierde ist tendenziell triebgesteuert, um es profan auszudrücken. Mit anderen Worten: Die Lust ist einfach vorhanden oder schnell entfacht. Die weibliche Sehnsucht nach Sex wird dagegen eher durch ein angenehmes Ambiente oder eine entspannte Situation ausgelöst. Bei Frauen wirken sich äußere Einflüsse sexfördernd oder sexhemmend aus. Frauen mögen eine romantische Atmosphäre. Die ist aber kaum gegeben, so lange ein Säugling einen voll in Anspruch nimmt. Ein Teufelskreis, denn wenn die frischgebackene Mutter ihren Partner zurückweist, vergeht auch ihm die Lust.

Wenn man aber weiß, dass Frauen nicht so funktionieren, dass sie das Baby baden, stillen, ins Bettchen bringen und ein Schlaflied singen, um dann aufzuspringen und zu sagen: „Hey Darling, lass uns Sex haben“, muss man andere Strategien entwickeln. Die Alternative wäre Verzichten und das ist auf Dauer für die Zweisamkeit sicher die schlechtere Variante. Hier kommen die Züricher Sexual- und Paarpsychologen Doris Christinger und Peter A. Schröter ins Spiel, die nämlich sagen: „Es braucht keine Lust, um sexuell aktiv zu sein.“ Die meisten Eltern denken, erst wenn ich Lust habe, passiert etwas. Wenn ich keine habe, passiert nichts. Die Paartherapeuten wissen: „Man kann sich jederzeit auch ohne vorherige Begierde lieben. Dann geschieht so etwas wie ein Energieaustausch und – Überraschung! – die Lust kommt. Das funktioniert auch, wenn man erschöpft ist.“

 

Zehn Tipps der Paartherapeuten, wie ihr den Spagat zwischen Elternsein und erotischem Knistern trotz allem schafft:


1. Tauscht die Elternrolle nicht gegen die Liebhaberrolle, sondern ergänzt sie.

2. Lernt umzudenken: Wartet nicht, bis sich die Lust einstellt, sondern sorgt  aktiv dafür.

3. Achtet darauf, euch auch im Alltag liebevoll zu streicheln und sinnlich zu berühren.

4. Nutzt die Zeit vor dem Einschlafen für Zärtlichkeiten.

5. Liebt euch ohne Anstrengung und sanft – ihr müsst euch nicht auch noch beim Sex verausgaben.

6. Löst euch von der Vorstellung, dass es jedes Mal krachen muss.

7. Sex kann man problemlos unter­brechen – deshalb ist es nicht so schlimm, wenn zwischendurch das Baby schreit.

8. Es hört sich verkrampft an, ist aber wirkungsvoll: Verabredet regelmäßige Termine für euer Sexualleben und macht euch von hohen Erwartungen frei.

9. Guter Sex ist nicht nur der aus der Zeit der leidenschaftlichen Verliebtheit, es gibt nicht nur den einen guten Sex.

10. So wie sich die Lebensrollen ständig verändern, ändert sich auch die Qualität von Sex und  Erotik, und darauf sollte man sich einlassen.

Denkt also dran: „Der Appetit kommt beim Essen“. Zögert nicht, euch anfangs ein wenig zu überwinden, denn durch die Streicheleinheiten und Liebkosungen erwacht die Lust von ganz alleine.
 

Buchtipp: Doris Christinger, Peter A. Schröter: „Vom Nehmen und Genommenwerden“, Piper 2010, 9,99 Euro.

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