Wanderurlaub in den Bergen

Alpenüberquerung mit Kindern: Was für ein Sommererlebnis!

Gemeinsam etwas Großes machen, Zeit füreinander haben: Davon träumen viele Familien. Unsere Autorin hat es gewagt – und ist mit ihren Kindern über die Alpen gelaufen.

7 Tage, bis zu 22 Kilometer pro Tour ...

... und manchmal 900 Höhenmeter pro Etappe: Das war unser ­Abenteuer in Zahlen. Mit meinen Kindern Kilian, 15 Jahre alt, und Norah, 10, bin ich über die Alpen gewandert, eine individuelle Route vom Tegernsee in Oberbayern bis nach Sterzing in Südtirol. Es war eine Alpenüberquerung "light" – auf einfachen und mittelschweren Wegen und mit Gepäcktransport. An manchen Tagen konnten wir sogar ein bisschen schummeln und ein Stückchen mit dem Zug fahren oder auch mal eine Gondel nehmen und uns so ein paar Höhenmeter oder ein Stückchen der Wegstrecke sparen.

Aber wir mussten jeden Tag früh aufstehen, den Tagesrucksack packen und loslaufen – egal, ob die Füße noch vom Vortag brannten oder dicke Wolken am Himmel hingen. Meine Kinder sind sehr sportlich, viel fitter als ich, und sie sind gerne in den Bergen. Aber Kilian und Norah sind Sprinter. Die Langstrecke hat ihnen an manchen Tagen ziemlich zu schaffen gemacht. Dann wurde auch mal gejammert und gemotzt. Norah beim Aufstieg: "Wir gehen jetzt schon drei Stunden bergauf – ich kann nicht mehr!" Kilian beim Abstieg: "Wie lange zieht sich dieser doofe Ziehweg denn noch?" Manchmal haben wir uns dann gefetzt, weil auch mir irgendwann die Puste ausging und ich nicht mehr genug Energie und Atem hatte, um nölige Teenager aufzubauen. Dann sind wir eine halbe Stunde mit Abstand und schweigend weitergelaufen – bis wir den Streit vergessen oder wieder etwas Spannendes entdeckt haben: riesige Fliegenpilze etwa, haarige Raupen, die vom Weg gerettet werden mussten, tosende Wasserfälle oder endlich doch das nächste Gipfelkreuz. 

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Anstrengend, aber eine gute Erfahrung

Aber wir hatten auch ziemlich viel Spaß: Wir haben köstliche Heidelbeeren am Wegrand gepflückt – mussten aber erst einmal einer Kuh den Vortritt lassen, die genüsslich die Kräuter daneben fraß. Also setzten wir uns auf einen Stein, holten die Brotzeit aus den Rucksäcken und warteten, bis der Weg zum Dessert freigegeben wurde. Das Warten hat sich gelohnt – Norah jedenfalls meinte: "Das sind die süßesten Beeren meines Lebens!"

Wir sind bei strahlend blauem Himmel am Achensee ein Stück mit dem Schiff gefahren, ein Stück am Ufer entlanggelaufen und dann ins eiskalte Wasser gesprungen. Wir haben auf dem Weg nach Hochfügen auf der Gart­alm den "best Kaiserschmarrn ever" gegessen und erfrischende Himbeerbuttermilch getrunken. Nach dem Abendessen saßen wir zusammen, haben uns Geschichten erzählt, Karten gespielt und die nächste Tagesetappe geplant. Die Diskus­sion, wann es ins Bett geht, stellte sich an keinem einzigen Abend – spätestens um 22 Uhr waren wir müde. 

Es war eine anstrengende, aber schöne Woche. Und als wir über die Landesgrenze nach Italien liefen, waren wir richtig stolz, es zu Fuß über die Berge geschafft zu haben. Natürlich führte uns in Sterzing der erste Weg in eine Eisdiele. Dort meinte Kilian, der genüsslich einen großen Eisbecher mit Schlagsahne löffelte: "Ich muss das jetzt nächstes Jahr nicht gleich wieder machen. Aber es war eine Erfahrung."

Web-Tipp: Geführte Alpenüberquerungen

Mehrere Reiseanbieter organisieren Alpenüberquerungen mit Gepäcktransport. Zum Beispiel:

Autorin: Claudia Steiner

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