Brief an Corona

"Wir mussten unsere lang geplante Weltreise mittendrin abbrechen"

Die Pandemie hat viel verändert: Sie ließ Träume platzen, ruinierte Existenzen, durchkreuzte Pläne. Wir haben mit Betroffenen gesprochen, was sie dem Virus zu sagen haben. Herausgekommen sind emotionale Briefe, die uns zu Tränen rührten. Hier berichtet die "Strandfamilie", wie Corona ihre Weltreise durchkreuzte.

Hallo Corona-Virus,

es gibt Momente, in denen wir uns fragen, was du uns als Familie sagen möchtest?! Über ein halbes Jahr lang haben wir unsere Familien-Weltreise geplant. Wir haben unser Haus und den Großteil unseres Besitzes verkauft. Haben gemeinsam mit den Lehrern unserer beiden Jungs Möglichkeiten gefunden, wie wir diese Reise trotz Schulpflicht verwirklichen können. Und dann kamst DU.

Als wir Ende Ende Januar Ausgrabungen in Rom entdeckten, freuten wir uns noch über die leere Stadt. Keine Warteschlangen am Kolosseum. Das Gleiche in Thailand und Laos. Aber die schlechten Nachrichten nahmen zu. Es wurde klar: Du betriffst nicht nur China – du betriffst uns alle. So wirklich wurde uns das erst in Vietnam klar. Wir waren die letzten Touristen, die ohne 14-tägige Zwangsquarantäne einreisen durften. Wir mussten auf der Straße sehr früh Masken tragen, bekamen im Restaurant Fieber gemessen. Wir begegneten Einheimischen, die Angst vor uns hatten, da wir Touristen dich in dieses Land brachten. Ganze Hotels standen unter Quarantäne.

Und irgendwann ging es nicht mehr weiter. Lockdown in einem fremden Land. Regeln, die wir nicht immer verstanden. Und Sorgen, die wir uns noch nie vorher gemacht hatten. Wo bekommen wir Verpflegung her, wenn der Markt um die Ecke schließen muss? Wie lange halten es die Kinder in unserer Unterkunft aus, wenn wir nicht raus dürfen? Und, spätestens nach unserem "Zwangs-Corona-Test" in einem örtlichen Krankenhaus: Wo ist das nächste internationale Krankenhaus? Selten kamen wir uns so hilflos vor. Selten lastete die Verantwortung, die wir für unsere Kinder tragen, so sehr auf unseren Schultern.

Täglich wurde uns bewusster, dass wir dieser Belastung nicht gewachsen sind. Dass wir zurück nach Deutschland müssen. In ein Land, welches du ebenfalls durcheinanderwirbelst. Aber eben auch in ein Land, dessen Sprache wir mächtig sind. Und nun sind wir wieder in unserer Heimat Hessen. Unseren großen Traum, drei Monate lang durch Australien zu Reisen, hast du platzen lassen. Doch verrückterweise geht es uns gut. Wir lachen und sind glücklich. Übergangsweise haben wir bei Oma und Opa gewohnt – und jetzt machen wir alternativ einen Roadtrip durch Deutschland. Du kleines Virus hast so viele Träume zerstört, bedrohst Leben und Existenzen, stellst unser Gesundheitssystem und Politiker auf die Probe. Was hast du uns schon genommen? Nichts! Wir dürfen immer noch frei entscheiden. Und wir entscheiden uns zu vertrauen.

Deine Strandfamilie

Unsere Autoren

Jenni und Mark haben im Januar 2020 ihr Haus verkauft, um mit ihren Söhnen Jonas (11) und Julian (8) die Welt zu bereisen. Dafür haben die beiden schulpflichtigen Kinder extra eine Schulbeurlaubung für ein Jahr erhalten.

Ihre große Reise startete in Rom, dann ging es durch Thailand und Laos, bis sie durch das Coronavirus in Vietnam ausgebremst wurden und entschieden, nach Hause zurückzukehren. Aktuell reisen sie nun durch Deutschland und berichten darüber auf ihrem Blog strandfamilie.de

Teil 2: "Ich trieb ab, weil ich in diese Welt kein Kind setzen will" Teil 3: "Wir hatten von heute auf morgen kein Einkommen mehr"

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