Urlaub mit 90 Prozent Rabatt

Corona-Auszeit: zu wenig Plätze, zu viel Frustration

Das Bundesfamilienministerium investiert 50 Millionen Euro, um Familien einen kostengünstigen Urlaub zu ermöglichen. Doch die Umsetzung des Programmes sorgt bei vielen für Unmut. Zu Recht, findet unsere Autorin.

Ein Urlaub für die ganze Familie, endlich rauskommen, die Pandemie und die Kita-Schließungen und den Homeschooling-Stress vergessen, unbesorgt Ferien machen wie damals, vor Corona, und das für nur 10 Prozent des eigentlichen Preises – wow, klingt das verlockend!

Zu schön, um wahr zu sein?

Das Bundesfamilienministerium will Familien einen solchen Urlaub ermöglichen: Es übernimmt rund 90 Prozent der Kosten für Übernachtungen und Verpflegung von Familien, damit diese sich von den Corona-Strapazen ein wenig erholen können. Denn die vergangenen zwei Jahre haben wohl alle von uns auf die ein oder andere Art an unsere Grenzen gebracht. Eine Auszeit könnte also JEDE Familie gut gebrauchen.

Allerdings gilt dieses Angebot nicht für jede Familie. Und auch nicht für jeden Urlaub. Und vor allem nicht für jede Unterkunft. Und genau da liegt der Haken.

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Finanzielle Hilfe für die, die sie brauchen

Bevor wir uns missverstehen: Ich gehöre nicht zu denjenigen, die den berechtigten Familien dieses Angebot neiden. Irgendwo habe ich den schönen Spruch gelesen, dass wir, wenn es um die Pandemie geht, keineswegs alle im selben Boot sitzen. Wir sind nur alle im selben Sturm – und ob wir diesen auf einem wackeligen Floß oder auf einer luxuriösen Yacht durchstehen müssen, das hängt nun einmal von den finanziellen Mitteln ab, die uns zur Verfügung stehen.

Meine Familie ist weit davon entfernt, auf einer schicken Yacht durch die Pandemie zu schippern. Aber unser metaphorisches Holzbötchen ist zum Glück immerhin so stabil, dass wir den geplanten Sommerurlaub aus eigener Tasche zahlen können. Und ich finde es richtig und wichtig, dass mit einem Programm wie der "Corona-Auszeit" genau denjenigen Familien finanzielle Angebote gemacht werden, die sich eine solche dringend nötige Auszeit nicht aus eigenen Mitteln leisten können.

Mehr Ärger als Freude beim Planen der Corona-Auszeit

Aber beginnen wir von vorn: Zunächst muss ja man herausfinden, ob man überhaupt zu den berechtigten Familien für eine solche "Corona-Auszeit" gehört. Das hängt unter anderem vom Einkommen ab: Nur, wer eher gering verdient, kann an dem Programm teilnehmen. So weit, so logisch. Nun kann man sich durch die 100 teilnehmenden Einrichtungen klicken, um zu entscheiden, in welche man mit seiner Familie reisen möchte. Das schürt die Vorfreude auf den Urlaub und macht sogar Spaß! Jetzt aber wird es kompliziert: Denn statt über einen Buchungskalender die freien Zimmer angezeigt zu bekommen, muss man die Einrichtungen alle separat kontaktieren, telefonisch oder per Formular, um nach freien Plätzen zu fragen.

Und da reicht ein Anruf nicht aus, denn siehe da: In den Schulferien – wer hätte es gedacht! – sind die Unterkünfte längst ausgebucht. "Wir waren wochenlang am Ball und haben nichts bekommen", lese ich in einem der zahlreichen wütenden Kommentare auf Facebook. Und weiter unten sinngemäß: "Wir haben bald alle 100 Einrichtungen angerufen, und von jeder eine Absage bekommen." Was für ein organisatorischer Stress – also genau das Gegenteil von alldem, was das Programm bewirken sollte. Von der Hoffnung auf einen preiswerten Urlaub bleibt nichts als Frustration übrig.

Tolle Aktion, schlechte Umsetzung

Was bitte hat ein solches Projekt dann für einen Sinn, wenn nicht einmal diejenigen daran teilnehmen können, für die es ins Leben gerufen wurde? Wenn das gut gemeinte Angebot statt Ruhe und Entspannung vielen nur organisatorischen Stress, Ärger und Enttäuschung bereitet? Warum bekommt ein Programm, für das 50 Millionen Euro ausgegeben werden, keine Website zur Verfügung gestellt, bei dem die interessierten Familien mit einem Mausklick filtern können, in welchen Unterkünften überhaupt noch Plätze frei sind? Und wie zum Geier kann es sein, dass Angebot und Nachfrage hier so verdammt schlecht zusammenpassen?

Aber genug geärgert: Ich wünsche allen, die einen Platz für ihre Familie ergattern konnten, natürlich trotzdem und wirklich von Herzen eine wunderbare "Corona-Auszeit". Ihr habt sie euch verdient! Und allen anderen wünsche ich, dass das Programm ganz bald aufgestockt wird und wirklich jede Familie ihre Auszeit bekommt. Denn verdient haben wir wohl alle ein paar Tage zum Durchatmen – und das auch völlig unabhängig vom Einkommen.

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