Die Osterferein stehen vor der Tür

Coronavirus: Was Reisende jetzt wissen müssen

So wie die Lage derzeit aussieht, werden wohl viele Familien ihren Osterurlaub nicht antreten können. Aber kann man in Zeiten von Corona einfach so von einer Reise zurücktreten? Wer zahlt die Stornierungs- oder Umbuchungsgebühren? Und wie sieht eigentlich die Lage aus, wenn ein Einreiseverbot oder eine Reisewarnung vorliegt? Wir haben uns bei einer Expertin Rat geholt.

Die Zahl der Infektionen und leider auch Toten, die durch das Coronavirus SARS-CoV-2, das die neuartige akute Atemwegserkrankung COVID-19 verursacht, steigt immer höher. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Ausbreitung Ende Januar zu einer "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite" erklärt, am 11.März 2020 zur Pandemie.

Mittlerweile sind viele im alltäglichen Leben von Corona betroffen: Schulen und Kitas sind geschlossen, in den Supermärkten werden Hamstereinkäufe getätigt und fast jeder kennt jemanden, der sich in häusliche Quarantäne begeben musste. Und viele Familien hatten eigentlich vor, demnächst in den Urlaub zu fahren, denn bald starten die Osterferien. Was Reisende jetzt wissen müssen – dazu haben wir mit der Versicherungsmaklerin Marlene Drescher gesprochen. 

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Unsere Expertin

Marlene Drescher ist Diplom-Finanzökonomin und berät seit über 16 Jahren als Versicherungsmaklerin Kunden in ganz Deutschland. Als Mutter dreier Teenie-Töchter kennt sie sich in Versicherungsfragen rund um die Familie bestens aus.  

Mehr Infos unter marlene-drescher.de

Der Coronavirus macht vielen Familien Angst. Kann man bereits gebuchte Reisen nun absagen?

Nein, denn Angst ist nicht versicherbar. Familien können natürlich von einer geplanten Reise zurücktreten, dann gelten aber die Stornokosten des Reiseveranstalters nach AGB. 

Wie sieht es aus, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung herausgegeben hat? Oder das Land, in das ich reisen will, ein Einreiseverbot verhängt hat?

Eine Reiserücktrittsversicherung greift nur in bestimmten Fällen. Dazu gehören: 

  • eine unerwartete schwere Erkrankung
  • eine schwere Unfallverletzung
  • Impfunverträglichkeit
  • Schwangerschaft
  • und viele weitere Gründe, die im Gefahrenhorizont der versicherten Person liegen.

Das heißt: Ein Einreiseverbot zählt leider nicht zu den versicherten Rücktrittsgründen. Viele Reiseveranstalter reagieren aber sehr kulant und bieten eine kostenlose Umbuchung oder Stonierung an. Wurde für das Reiseland eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt ausgegeben, kann die Pauschalreise kostenfrei storniert und das kostenfreie Rücktrittsrecht in Anspruch genommen werden. Auch hier greift aber nicht die Reiserücktrittsversicherung. Bei einer Pauschalreise ist immer der Reiseveranstalter der richtige Ansprechpartner, nicht die Versicherung.

Wie sieht es mit individuell gebuchten Reisen aus?

Bei individuell gebuchten Reisen gelten die Bedingungen nach AGB der Fluggesellschaft, des Hotelbetreibers, des Touren- oder Mietwagen-Anbieters. Soll heißen: Je nach Stornobedingungen müssen Reisende in diesem Fall auf Kulanz hoffen und sich selbst darum kümmern, ein gebuchtes Angebot zu verschieben oder zu canceln.

Liegt ein Einreiseverbot vor, muss die Fluggesellschaft den Flug stornieren und den Kunden das Geld zurückzahlen. Viele Airlines haben ihre Umbuchungs-und Stornobedingungen anlässlich des stark eingeschränkten Flugverkehrs bereits gelockert. Wer Änderungen an seinem Flug vornehmen möchte, wendet sich am besten an die Hotline der Fluggesellschaft. 

Zahlt meine Reiserücktrittsversicherung, wenn ich mit mit dem Corona-Virus infiziere und den Urlaub absagen muss?

Da kommt es auf das Kleingedruckte an. Einige Versicherungen schließen Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien als versicherten Grund aus. Da die Weltgesundheitsorganisation WHO den Corona-Virus am 11. März 2020 zu einer Pandemie ausgerufen hat, würden diese Versicherungen also nicht einspringen. Es gibt doch Versicherer im Reiserücktrittsbereich, die den Ausschluss von Pandemie und Epidemie nicht mit drinnen haben. Am besten also in den AGBs nachschauen. 

Und wenn ich mich in Quarantäne begeben muss?

Auch hier würde die Reiserücktrittsversicherung aufgrund des WHO-Pandemie-Status nicht greifen. Man könnte aber versuchen, mit dem Reiseveranstalter zu sprechen. Eventuell wäre eine Stornierung oder Umbuchung auf Kulanz möglich. 

Was passiert, wenn ich mich im Urlaub infizieren sollte?

Dann ist man hoffentlich im Besitz einer Auslandskrankenversicherung, die in diesem Fall die Kosten der Behandlung vor Ort trägt.

Ist es ratsam für einen bevorstehenden Urlaub eine Reiseabbruchversicherung abzuschließen?

Nein, denn wie bei der Reiserücktrittsversicherung greift auch sie wegen des WHO-Pandemie-Staus nicht mehr. Wenn man also im Urlaub merkt, dass sich das Virus ausbreitet und mehr und mehr Geschäfte schließen, kann man die Reise natürlich vorzeitig abbrechen. Die Kosten werden aber nicht erstattet. Ein Pauschalanbieter würde seine Kunden in einem solchen Fall vermutlich zurückholen. 

Haben Pauschalurlauber insgesamt gerade die besseren Karten?

Ja, das kann man schon so sagen. Sie sind durch den Veranstalter abgesichert, der entsprechend der Vorkommnisse immer auf dem Laufenden ist und entsprechend reagiert. Individualreisende müssen immer selbst nach einer Lösung schauen und sich informieren.

Viele Familien haben Angst, dass sie sich die Kosten eines gebuchten Urlaubes gar nicht mehr leisten können, weil ihre Jobsituation ungewiss ist. Gibt es hier Möglichkeiten, von einer Reise zurückzutreten?

Wenn konjukturbedinkte Kurzarbeit in einem Unternehmen angeordnet wurde, ist das grundsätzlich ein versicherter Rücktrittsgrund. Dazu muss die versicherte Person an mindestens drei aufeinanderfolgenden Monaten betroffen sein und der Bruttovergütungsanspruch muss sich um mindestens 35 Prozent verringern.

Sind Klassenfahrten und Abschlussfahrten versichert?

Leider nein, auch wenn viele Schulen diese Info gerade fälschlicherweise an die Eltern weitergeben. Viele Kultusministerien haben die Anweisung herausgegeben, Klassen- und Abschlussfahrten zu untersagen. Da es sich hier um keinen versicherten Rücktrittsgrund handelt, ist dies auch nicht über eine Reiserücktrittsversicherung abgesichert. Eltern sollten sich am besten ans Ministerium wenden und dort nachfragen, wie mit der Erstattung der Kosten umgegangen wird. 

Wie verhält man sich am besten, wenn man jetzt schon Sommerurlaub gebucht hat?

Die Situation gerade ist sehr dynamisch. Aus Angst oder Verunsicherung lässt sich eine Sommerreise durch eine Reiserücktrittsversicherung nicht stornieren, jedenfalls nicht ohne auf den Kosten sitzenzubleiben. Am besten ist es, erst einmal abzuwarten. Sollte es weitere Reisewarnungen oder Einreiseverbote geben, werden die Veranstalter rechtzeitig reagieren. Individualtouristen müssen schauen, ob und was sich von gebuchten Leistungen noch stornieren lässt.

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Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist freie Autorin bei Leben & erziehen. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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