Wegen Coronavirus: Urlaub mit Ausgangssperre

"Wir sind froh, wenn wir im Flieger nach Hause sitzen"

Juliane Bros sitzt mit ihrer fünfjährigen Tochter Zoe in einer Hotelanlage auf Fuerteventura fest. Während ihres Urlaubs verhängte der spanische Premierminister Sánchez aufgrund des Coronavirus eine Ausgangssperre.

Das Interview wurde am Abend des 19. März 2020 geführt. 

Juliane Broß ist Gründerin der PR-Agentur Stilgeflüster in Hamburg. Zusammen mt ihrer fünfjährigen Tochter Zoe wollte sie sich einen schönen Urlaub auf Fuerteventura machen. Nun warten beide darauf, am 21. März endlich die Rückreise antreten zu können. 

Liebe Juliane, wann bist du mit deiner Tochter in den Urlaub gestartet?

Ich bin am 11. März mit Zoe nach Fuerteventura geflogen. Wir haben recht spontan gebucht und wollten uns zusammen eine kleine Auszeit gönnen.

Wie war die Lage bezüglich des Corona-Virus zu dieser Zeit?

Corona war schon ein Thema, aber es wirkte noch so unfassbar weit weg. Ich habe mich natürlich auf der Seite vom Robert-Koch-Institut über die aktuelle Lage informiert – aber Spanien stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal auf der Liste der Risikogebiete. Jetzt, zehn Tage weiter, liegen Welten zwischen der damaligen und derzeitigen Lage. 

Nun seid ihr vor Ort und dürft das Hotelgelände nicht mehr verlassen. Wie ist es dazu gekommen?

Die ersten Tage verliefen völlig normal. Am 14. März wurde in Spanien aber der Notstand ausgerufen, weil es auf dem Festland so viele Corona-Infektionen gab. Am 16. März ist dann die Ausgangssperre in Kraft getreten. Seit diesem Zeitpunkt dürfen wir das Hotelgelände nicht mehr verlassen, dazu gehört auch der Strand. Wenn wir etwas von außerhalb brauchen, wie beispielsweise Medikamente aus der Apotheke, werden die über das Hotel besorgt. 

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Warum seid ihr nicht sofort abgereist?

Alle Flüge für die nächsten Tage waren ausgebucht. Wir müssen also bis zu unserem geplanten Rückflug am 21. März warten. Alle, die einen späteren Rückflug gebucht haben, werden schon jetzt über die Luftbrücke der Regierung ausgeflogen. Es gab hier Urlauber, die nur zwei Tage da waren und dann direkt wieder abreisen mussten. Es wird eine sehr stringente Strategie gefahren, wer wann zurückfliegen darf. 

Wie sieht euer Alltag im Hotel gerade aus?

Bis vor drei Tagen durften wir "nur" das Hotelgelände nicht verlassen. Das hat uns auch schon eingeschränkt, da wir gerne mal einen Ausflug gemacht hätten oder an den Strand gegangen wären. Jetzt wurden aber auch alle Pools, der Kinderclub und viele Restaurants auf der Anlage geschlossen. Das Hauptrestaurant ist zwar geöffnet – man darf aber nur noch nacheinander hinein. Die Maßnahmen sind sicherlich richtig, aber die Tage ziehen sich jetzt wie Kaugummi dahin. Es sind auch kaum noch Gäste da. Zum Glück haben wir einen anderen Vater mit seiner Tochter kennengelernt, so dass die Mädels wenigstens zusammen spielen können. Die Situation ist sicherlich äergerlich und anstrengend, aber es gibt gerade schwerwiegendere Probleme, die uns alle betreffen. 

Was mich wirklich ärgert, ist das Benehmen einiger Gäste hier vor Ort, auch vor ihren Kindern. Ich kann verstehen, dass die Lage frustrierend ist. Ich hätte auch gern eine schöne Zeit hier gehabt. Aber es gibt nun einmal keine andere Alternative und vor allem keinen Schuldigen. Weder das Hotelpersonal, noch die Fluggesellschaft, noch die spanische Regierung können etwas für die Situation, in der wir gerade stecken. 

Wie geht es deiner Tochter mit der Situation?

Zoe ist fünf Jahre alt und nimmt die Gegebenheiten mit einer kindlichen Leichtigkeit auf. Nichtsdestotrotz hat es ihre Wahrnehmung rund um das Thema Urlaub erschüttert. Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, aber sie fragt mich im Grunde genommen stündlich, wann wir zurückfliegen können. Und sie bekommt natürlich mit, dass die Erwachsenen nur noch von Corona reden. Ich habe zwei sehr gute Videos im Netz gefunden, die über das Coronavirus aufklären, die wir uns zusammen angeschaut haben. Und ich versuche natürlich auch, sie auf die Situation in Deutschland vorzubereiten. Sie wird erst einmal Oma und Opa und ihre Freunde nicht sehen können, Kita und Spielplätze sind geschlossen. Das kann sie so nicht nicht begreifen, das muss sie wahrscheinlich selbst erleben. Wir sind auf jeden Fall froh, wenn wir im Flieger nach Hause sitzen. 

Liebe Juliane, vielen Dank für deine Schilderungen vor Ort. Wir wünschen dir und Zoe eine sichere Heimreise.

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Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist Chefredakteurin von Leben-und-erziehen.de. Vorher war sie viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

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