Kinofilm – "Anders zu sein ist etwas Schönes!"

Rick Kavanian im Interview zum Film "Die Wolf-Gäng"

Schauspieler Rick Kavanian über Mobbing, Ausgrenzung und Andersartigkeit – und über den hohen Anspruch, Kindererwartungen zu erfüllen.

Ein Vampir, der kein Blut sehen kann. Eine Fee mit Flugangst. Und ein Werwolf mit Tierhaar-Allergie. Diese drei Anti-Helden sind die Protagonisten der erfolgreichen Jugendbuchreihe „Die Wolf-Gäng“ von Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein. Am 23. Januar 2020 ist das Trio nun erstmalig auf der großen Kino-Leinwand zu sehen. Rick Kavanian spielt in der Roman-Verfilmung die Figur Barnabas – den Vater von Vampir Vlad. Im Interview spricht er mit uns darüber, wie es ist, "anders" zu sein als alle anderen, wie früher mit "Außenseitern" umgegangen wurde und welche wichtige Botschaft er mit seinem neuen Film allen Kinozuschauern mitgeben möchte.

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leben-und-erziehen.de: Herr Kavanian, in "Die Wolf-Gäng" geht es um drei Kinder, die anders sind als die anderen – und deshalb an ihrer Schule ausgegrenzt werden. Auch wenn die Buchvorlage bereits zwölf Jahre alt ist: Das Thema scheint aktueller denn je.

Rick Kavanian: Das war es schon immer. Ich bin Jahrgang 71, und auch ich kannte das als Schüler: dieses Gefühl, nicht dazuzugehören. Nur die Art, wie mit Außenseitern umgegangen wird, hat sich geändert. Mir bricht es das Herz, wenn ich mitbekomme, was heutzutage für Dinge unter Schülern passieren.

Woran denken Sie konkret?

Mir fehlt der persönliche Einblick, ich habe keine Kinder – aber was ich natürlich trotzdem mitbekomme, sind Videoaufnahmen, die verbreitet werden. Das muss man sich mal vorstellen: Da wird ein einzelner von mehreren getreten, geschlagen, gedemütigt. Und die halten das Smartphone drauf, filmen und stellen das Ganze online. Auch ohne selbst Vater zu sein muss ich sagen: Das bricht mir das Herz.

Mal abgesehen vom Smartphone, das es früher nicht gab: Was war denn anders in Ihrer Schulzeit? Wie wurde früher mit Außenseitern umgegangen?

Vielleicht verkläre ich das auch ein wenig im Nachhinein. Aber es kommt mir so vor, als seien wir friedlicher gewesen. Klar, da wurde auch mal einer geschubst oder einem anderen die Mütze vom Kopf gerissen. Einmal wurde der Schulranzen von einem Mitschüler in die Toilette geworfen. Das war dann aber auch schon so krass, da wussten wir alle sofort: So eine Scheiße passiert hier nie wieder.

Vlad, Faye und Wolf alias die Wolf-Gäng gehen auf die Penner-Akademie, die "bekannteste magische Schule der Welt". Wie wird dort mit den "Außenseitern" umgegangen?

Auch an der Penner-Akademie gibt es die "Schweinebande", die schlicht gemein zu denjenigen ist, die anders sind.

Und Vlad, Faye und Wolf sind anders.

Sie sind so etwas wie die magischen Verlierer. Sie kommen aber als einzige einer geheimnisvollen Verschwörung auf die Spur – und lernen dabei, sich selbst zu akzeptieren.

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Sie spielen in der Geschichte Barnabas, den Vater von Vampir Vlad. Was für ein Vater ist Barnabas?

Eine Glucke [lacht]. Ja, ich denke, das kann man so sagen. Dazu muss ich sagen: Ich bin bei meiner Mutter und meiner Großmutter aufgewachsen. Also bei zwei Glucken. In Barnabas Verhalten erkenne ich viel von den beiden wieder.

Was genau?

Ich fang mal anders an: Er hat es als Vater nicht ganz leicht. Sein Sohn kommt an eine neue Schule. Gleichzeitig probiert Barnabas, den Verlust der Mutter auszugleichen. Und wenn ein Mann probiert, nicht nur Vater, sondern gleichzeitig auch noch Mutter zu sein, dann kann das sehr nervig werden. Erst recht für einen Teenager.

Barnabas existiert durch die Romanreihe bereits seit Jahren in den Köpfen der Kinder. Wie hoch ist der Druck für Sie, diese Erwartungen auf der Kinoleinwand zu erfüllen?

Oh, das ist eine gute Frage. Man kann ja schlecht in die Köpfe der Kinder reinschauen.

Kinder haben oft sehr konkrete visuelle Ideen von Dingen und auch Menschen, die sie sich vorstellen …

… und es täte mir wahnsinnig leid, wenn ich die nicht erfülle! Aber eins kann ich versprechen: Die inneren Werte von Barnabas, die er auch in der Romanvorlage lebt – die erfüllt der Barnabas, den ich auf der Leinwand spiele, voll und ganz. Und das ist, denke ich, der wichtige Punkt, damit die Kinozuschauer sagen können: Ja, das ist der Papa von Vlad, das ist okay.

Wer sind denn die Kinozuschauer? Ab welchem Alter empfehlen Sie "Die Wolf-Gäng"?

Das ist natürlich immer eine individuelle Entscheidung. Spontan würde ich sagen, dass ich als Sechsjähriger Spaß in diesem Film gehabt hätte. Es gibt mal düstere Momente und finstere Gesichter, hier und da auch Vampirzähne und man erschrickt sich mal – aber man muss nichts Gruseliges "aushalten". Fast jede Situation wird mit viel Lachen gelöst.

Wenn dieser Film nur eine Botschaft bei den jungen Zuschauern hinterlässt – welche sollte das sein?

Dazu muss ich etwas ausholen: Ich hatte als Kind ein Badehandtuch, das mir meine Mutter einmal geschenkt hatte. Darauf stand: "I like you because you are different." Dieses Handtuch habe ich geliebt. Es ist vielleicht etwas hochgestochen. Aber in einer perfekten Welt erkennen die Kinozuschauer genau das, was auch die drei Hauptcharaktere im Film erkennen: Anders zu sein als die anderen ist etwas Schönes. Und jeder ist auf seine Art liebenswert. Ja, wenn ich jetzt so darüber nachdenke: Genau das ist die Botschaft dieses Films.

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Über den Film "Die Wolf-Gäng"

Der Vampir Vlad (Aaron Kissiov) ist mit seinem Vater Barnabas (Rick Kavanian) nach Crailsfelden gezogen: eine fantastische Stadt voller Feen, Hexen, Trolle, Zwerge – und Vampire, wie Barnabas und Vlad. Der 13-Jährige soll hier zur Penner-Akademie gehen, der berühmtesten magischen Schule der Welt. Zusammen mit seinen beiden neuen Freunden, Faye und Wolf, ist er jedoch die Lachnummer der ganzen Schule: ein Vampir, der kein Blut sehen kann, eine Fee mit Flugangst und ein Werwolf mit Tierhaar-Allergie. Doch schon bald kommen die sympathischen Anti-Helden einer geheimnisvollen Verschwörung auf die Spur, die ganz Crailsfelden in den Untergang stürzen könnte. Und lernen dabei, sich selbst so zu akzeptieren, wie sie sind.
"Die Wolf-Gäng" startet am 23. Januar 2020 im Kino.

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Unsere Autorin

Silke Schröckert

Silke Schröckert wollte Journalistin werden, seit sie im Alter von acht Jahren das erste Mal Lois Lane in "Superman" gesehen hatte. Mit 23 wurde sie Chefredakteurin eines Kinderzeitschriftenverlages.

Heute ist Silke spezialisiert auf Familienthemen und textet für Kinder- und Comic-Magazine. Das freut vor allem Sohn Tom und Tochter Mina. Auf ihrer eigenen Seite schreibt sie für die Generation Großeltern. Bei leben-und-erziehen.de nimmt sie sich aktuellen Themen aus Sicht einer Zweifach-Mama an.

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