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Eskimomente

Iglu-Abenteuer im Allgäu

Eskimos leben seit knapp 60 Jahren nicht mehr im Iglu. Sie wohnen wie wir in Häusern mit Strom und Heizung. Familien, die sich dennoch fühlen möchten wie einst die Polarbewohner, haben im allgäuischen Pfronten die Gelegenheit dazu.

„Puuuh“, stöhnt Frederick (5) – und wischt sich demonstrativ den Schweiß von der Stirn, während er sich rücklings in den Schnee plumpsen lässt. Die Schlepperei der Schneeblöcke treibt uns allen die Schweißperlen auf die Stirn. Die Sonne tut ihr Übriges. „Frederick, stehst wieder auf? Sonst wird das Iglu heut nimmer fertig und wir müssen draußen schlafen!“, witzelt Schneebiwak-Baumeister Wolfgang. Wolfgang ist von Beruf eigentlich Bergführer und bringt Frederick und den anderen Teilnehmern des „Eskimo-Wochenendes“ irgendwo unterhalb des Pfrontener Breitenberg-Gipfels auf rund 1.700 Metern die Kunst des Iglu-Baus näher.

Eisige Baukunst

Wer handwerklich begabt ist, ist zwar im Vorteil. Bis so ein Iglu steht, vergehen dennoch gerne mal sechs Stunden, wenn Ungeübte wie wir am Werk sind. Wir bauen zwei Iglus. Wolfgang versichert uns, dass wir deshalb aber nicht doppelt so lange brauchen werden. Erst drei Stunden sind vergangen. Drei! Welche Plackerei tatsächlich auf uns zukommt, ahnten wir zunächst nicht. Per Seilbahn ging es bequem auf den Breitenberg hinauf, anschließend stapften wir gemächlich eine halbe Stunde durch die Pfrontener Bergwelt, bis wir einen geeigneten Platz für unser Schneequartier ausgemacht hatten.

Schließlich braucht man eine feste, mindestens 50 Zentimeter tiefe Schneeschicht. Und einen Bauplatz, der sich in unmittelbarer Nähe des Steinbruchs – so heißt der Bereich, wo man die Schneeblöcke für das Iglu sägt und abträgt – befindet. Das spart Lauferei, wenn man die Blöcke vom Steinbruch zum Bauplatz trägt. Immerhin wiegt so ein Klotz rund 15 Kilogramm. Frederick trägt indes nichts, sondern sitzt noch immer im Schnee und ist bockig. Alle Motivationsversuche scheitern. „Achtet darauf, dass ihr gleich große Schneeblöcke aussägt. Je besser ihr die Blöcke schneidet, desto einfacher gelingt es, das Iglu zu bauen“, erklärt Wolfgang. Also schneiden wir weiter Schneeblock um Schneeblock mit der Schneesäge und stapeln einen Klotz auf den anderen. Weil wir inzwischen ein eingespieltes Team sind, steht das zweite Iglu bedeutend schneller.

Hüttenschmaus

Wohlige Wärme schlägt uns entgegen, als wir vier Stunden später die Tür der „Ostlerhütte“ auf dem Gipfel des Breitenbergs öffnen. Wohl noch nie haben wir uns über eine gewöhnliche Berghütte mit Holzstühlen, Holzwänden, Holzdecken, karierten Gardinen, und Lampen mit Edelweißapplikation so gefreut! Frederick, inzwischen aufgetaut nach seinem Sitzstreik im Schnee, und Titus laufen zum Ofen, ziehen die Schuhe aus und wärmen ihre Füße an den grünen Kacheln. Die Großen sinken sichtlich erschöpft auf den Holzstühlen nieder.

„Kasspatzen oder Schnitzel mit Pommes? Wienerle oder Kaiserschmarren?“, fragt Hüttenwirt Manfred in die Runde. „ALLES!“, tönen wir unisono. Der Iglubau hat freilich Spuren hinterlassen. Ein Loch im Magen. Bleierne Müdigkeit in den Armen. Und in den Lippen. Viel Reden mag am Tisch niemand. Einzig Fredericks Papa Bernd ist in Plauderlaune. Er komme aus Berlin, habe mit Skifahren nichts am Hut und sei nur dabei, um seinem Sohn zu zeigen, dass man mit Schnee auch noch etwas anderes als einen Schneemann bauen kann.

Das Essen kommt. In Windeseile ist die Mahlzeit vertilgt. Zurück bleibt ein Schlachtfeld. „Bereit fürs Bett?“, grinst Manfred. Das spartanische Matratzenlager der „Ostlerhütte“ wäre ein Traum! Ein wahres  Luxusschlafgemach im Vergleich zu unserem Eishotel.

Coole Nacht

Der erste Schritt in die kalte Nacht tut weh. Das Thermometer zeigt 15 Grad unter null. Bibbernd tapern wir durch den Schnee. Über uns: ein Sternenhimmel, der seinesgleichen sucht. Vor uns: rund 100 Höhenmeter. Und: eine Nacht im Iglu. In der Ferne erspähen wir zwei Kuppeln, die die nächsten Stunden unser Dach über dem Kopf sein werden.

„Können die Iglus einkrachen?“, will Titus wissen. Eine berechtigte Frage. „Naaa, die krachen nicht ein! Wir haben sie so gebaut, dass das nicht passiert“, beruhigt Wolfgang. Die Iglus können nicht einstürzen, weil die oberen Schneeblockreihen die unteren nach außen drücken und so Stabilität verleihen. Noch ein paar Instruktionen vom Schneebiwak-Baumeister, bevor wir in unsere Schlafsäcke krabbeln und uns in die Decken kuscheln. Es ist gar nicht sooo kalt! Drei Grad plus – fast tropisch im Vergleich zu den 15 Grad minus außerhalb unserer eisigen vier Wände! Bleibt zu hoffen, dass wir nicht so oft aufs „Klo“ müssen.

Abfahrtssause

Die Nacht verlief ohne größere Pipi-Zwischenfälle. Richtig erholsam war sie trotzdem nicht. Aber: außergewöhnlich. Wir freuen uns nun auf ein zünftiges Eskimofrühstück – ohne Robbenfleisch, dafür mit Brötchen und Allgäuer Bergkäse. Schlitten, die wir an der Bergstation der Breitenbergbahn leihen, bringen uns auf dem „Ostler-Forstweg“, der  mit 6,5 Kilometern längsten Naturrodelbahn des Allgäus, zurück ins Tal. Zurück in die Zivilisation.



Erst ins WWW, dann ins Iglu
Outdoor-Veranstalter im Allgäu

www.altissimo.de
www.freudig.de
www.iglu-lodge.de
www.igluscout.de
www.allgaeuhoch5.de
www.spirits-of-nature.de

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