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Die Nähe entdecken

Klimafreundlich reisen: So geht's!

Jörn Ehlers, Pressesprecher der Umweltstiftung WWF, weiß, wie Familien klimafreundlich reisen und plädiert für möglichst ausgiebige Ferienauszeiten.

Wireltern.de: Sind Reisen grundsätzlich schlecht für die Umwelt?
Jörn Ehlers:
Der WWF rät dazu, möglichst lange zu verreisen, denn der Hauptfaktor ist die An-und Abreise. Wenn Sie einmal im Jahr vier Wochen wegfahren möchten, können Sie das durchaus tun, aber Sie sollten möglichst mit umweltverträglichen Verkehrsmitteln reisen. Der Reisebus schneidet klimatechnisch am besten ab, gefolgt von der Bahn, zum Schluss kommt das Fliegen – aufgrund der weiten Entfernungen, aber auch weil die Emissionen, die in großer Höhe ausgestoßen werden, dem Klima mehr schaden als die am Boden. Familien sollten am besten die Nähe entdecken, das ist oft genauso reizvoll. Ich mache von Berlin aus eine zweiwöchige Radtour durch Brandenburg. Viele Familien wählen Reiseziele mit Kinderbetreuung, aber auch das geht in Deutschland. Für Kinder gibt es WWF-Camps, in denen sie spielerisch die Natur in der näheren Umgebung erkunden. Pfadfinder sind auch eine gute Alternative.

Darf man denn überhaupt noch fliegen?
Natürlich muss man abwägen, wann es notwendig und vertretbar ist. Man muss sich nicht zu Hause verschanzen, und wir können nicht erwarten, dass jeder nur noch auf dem Balkon Urlaub macht. Aber Fernreisen sollten die Ausnahme bleiben. Für den WWF sind innerdeutsche Flüge generell tabu. Da nehmen wir die Bahn.
Den CO2-Ausstoß durch Flugreisen kann man finanziell ausgleichen, indem man freiwillig einen Obolus für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern zahlt. Dadurch spart man die beim Flug entstandenen Treibhausgase an anderer Stelle wieder ein.

Woher weiß man, dass die sogenannten Kompensationszahlungen tatsächlich für den Klimaschutz eingesetzt werden?
Es gibt gute Anbieter, die mit dem Geld sinnvolle Projekte umsetzen, zum Beispiel Myclimate und Atmosfair. Über Zweiteren kompensieren wir, wenn wir mal zu einer Klimakonferenz fliegen müssen, denn da kommt auch der WWF nicht mit dem Ruderboot hin. Solche Ausgleichszahlungen macht man sicher zum Teil aus schlechtem Gewissen, aber auf der anderen Seite fördern die richtigen Anbieter auch vernünftige Projekte.

Konferenzen und Termine – Reisen lassen sich mitunter nicht verhindern.
Kommunikationstechniken wie die Videokonferenz helfen, Zeit und Geld zu sparen, und schützen die Umwelt. Es gibt Studien, die zeigen, dass durch solche Techniken tatsächlich Reisen minimiert werden. Die neue Technik ist natürlich gewöhnungsbedürftig, wenn man sich nicht mehr persönlich gegenübersitzt, sondern in die Kamera schaut. Gerade Firmen können hier aber viel bewirken.

Unabhängig vom Reisen: Was können Familien für den Klimaschutz tun?
Der wichtigste Ansatzpunkt ist die Energieeinsparung im Haushalt. Bevor man eine Solaranlage auf das Dach setzt, sollte man prüfen, ob man das Geld nicht vorher zur Wärmedämmung oder für die Energieeinsparung einsetzen kann. Denn die sauberste Energie ist die eingesparte Energie. Der zweite Ansatz ist die Ernährung, insbesondere der Fleischkonsum. Hier ist nicht nur der CO2-Ausstoß entscheidend, sondern auch andere Treibhausgase, zum Beispiel Methan – insbesondere in der Landwirtschaft. Methan entsteht, wenn Kühe verdauen. Die Gase, die durch ihr permanentes Aufstoßen freigesetzt werden, sind zigmal klimaschädlicher als CO2. Die Masse der Tiere ist dann das Problem. Produkte wie Rindfleisch und Käse tragen also einen großen Klimarucksack. Aus Klimasicht hat Schweinefleisch daher Vorrang gegenüber Rindfleisch. Der Einzelne kann versuchen,  weniger Fleisch zu essen und auf Öko-Fleisch zu setzen.

Sind Sie selbst Vegetarier?
Nein. Obwohl Vegetarier tendenziell einen klimafreundlicheren Lebensstil haben. Aber nicht jeder will auf Fleisch verzichten. Das muss auch nicht sein, doch man sollte seinen Fleischkonsum herunterschrauben und dafür mehr auf Qualität achten. Das ist auch der Ansatz, den ich persönlich verfolge. Ich muss mir nicht jeden Tag eine Billigsalami auf das Brot legen, sondern kaufe mir lieber ab und zu eine gute.

Wie klimafreundlich sind Burger, Döner & Co.?
Der Bereich Billig- und Junkfood ist ein Problem, insbesondere dann, wenn unser westlicher Lebensstil auch in andere bevölkerungsreiche Länder wie Indien und China überschwappt. Wir in Deutschland haben einen Pro-Kopf-Fleischkonsum von 60 Kilogramm im Jahr. In anderen Ländern ist das weniger. Wir sollten uns einen sparsameren Verbrauch angewöhnen. Auch das Thema Fisch ist wichtig. Da steht nicht das Klimaproblem im Vordergrund, sondern die massive Überfischung der Weltmeere und der Raubbau, den wir betreiben. Denn ein Großteil der Fische, die gefangen werden, geht tot wieder über Bord. Das muss sich ändern, indem Verbraucher zum Beispiel beim Einkauf auf das MSC-Siegel achten.

Welche Fischsorten darf man guten Gewissens essen?
Der WWF gibt alle zwei Jahre einen Fischführer zum Download heraus. Der Bestand von Kabeljau bzw. Ostseedorsch hat sich erholt, den können Sie momentan bedenkenlos essen. Hering ist auch okay.

 

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