Kolumne einer "ganz normalen Mama"

Leute, packt das Handy weg! Wieso fällt "digital Detox" im Urlaub so schwer?!

Freitag ist Kolumnen-Tag bei "Leben&erziehen"! Zum Start ins Wochenende lassen wir euch ein bisschen am Leben unserer Redakteurinnen und Redakteure teilhaben. Heute mit Nathalie Klüver, die sich und euch die Frage stellt: Warum muss es immer der Blick aufs Smartphone sein?

Runder Rücken, Handy vor der Nase

Nach unserem letzten Urlaub scrollte ich mich durch die Urlaubsfotos. Auf den wenigen Bildern, auf denen ich drauf war, war ich vor allem in einer Haltung zu sehen: runder Rücken, Handy vor der Nase. Und noch schlimmer: Auf viel zu vielen Bildern saß ich in dieser Körperhaltung direkt neben meinen Kindern. Herzchen verteilen für Babyfotos bei Insta während das süßeste Kind der Welt direkt neben mir spielte - sag’ mal geht’s noch?! Dabei dachte ich doch, ich hätte meinen Handykonsum reduziert. Mich bewusst eingelassen auf  meine Kinder und die Natur.

Tja. Die Urlaubsfotos haben mich entlarvt und schonungslos gezeigt: Viel zu oft verlieren wir das Wesentliche aus den Augen. Weil wir auf dieses verflixte Smartphone starren. Da sitzen wir inmitten der schönsten Landstriche, lassen die Beine ins Wasser baumeln, die Kinder toben um uns herum und was machen wir? Schauen uns an, wie andere Leute ihren Urlaub verbringen. Viel zu oft Leute, die wir überhaupt nicht kennen.

Smartphone oder Buch? Der große Unterschied!

Aber ist es denn schlimmer auf sein Smartphone zu schauen als in eine Zeitschrift oder ein Buch? Das ist es. Der Unterschied: Die Geschichte im Buch wartet auf uns, wenn wir es zuklappen. Sie geht nicht ohne uns weiter. Und wir können das Buch beruhigt zuklappen, wenn wir aufs Wasser schauen. Wir können den Artikel einfach später weiterlesen und ganz in Ruhe zuschauen, wie unsere Kinder die größte Sandburg der Welt bauen. Ohne Angst, etwas zu verpassen.

Das Internet hingegen, das dreht sich immer weiter. Immer neue Nachrichten prasseln auf uns ein, immer neue Fotos drängen sich in den  Instafeed, von diversen WhatsApp-Gruppen-Geschehen mal ganz abgesehen. Das Smartphone mit all seinen blinkenden Benachrichtungen nimmt uns gefangen. Nimmt unsere Aufmerksamkeit gefangen. Was übrigens auch unsere Kinder merken. Denn kaum nehme ich das Handy in die Hand, fangen die eben noch so friedlich spielenden Brüder aus heiterem Himmel an zu streiten. Zieht der eine dem anderen einen Legostein über die Rübe. Oder die kleine Schwester trampelt die Sandburg platt und das war’s dann mit der größten Sandburg der Welt. Sie fühlen sich in Konkurrenz mit dem Handy, dessen ständig neue Bildchen und Textchen uns in seinen Bann ziehen, ohne dass wir es wollen, ohne dass wir es merken. Damit mitzuhalten und Mamas Aufmerksamkeit zu erhaschen - eine Herausforderung für ein kleines Kind.

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Was verpassen wir?

Hand aufs Herz: Was verpassen wir denn, wenn wir mal einen Nachmittag nicht aufs Handy schauen? Eben. Nicht wirklich viel. Das habe sogar ich gemerkt - obwohl ich mein Smartphone vor allem beruflich brauche. Die Ausflüge, bei denen ich keinen Handyempfang habe, sind die besten. Seit ich beschlossen habe, mein Handy nur noch zum Fotografieren zu zücken, wenn ich mit den Kindern zusammen bin, sind auch die Kinder friedlicher geworden. Sie müssen ja nicht mehr konkurrieren mit Videofilmchen und bunten GIFs. Bewusst will ich konsumieren, habe ich mir vorgenommen. Nicht nur beim Essen und Klamotten kaufen. Eben auch beim Smartphonegebrauch. Und dann wird es auch zum Genuss. Wie die gute Tafel Schokolade, auf die ich mich den ganzen Tag freue.

Aber oft genug erliege ich immer noch dem Bann des Smartphones. Wenn ich an der Supermarktkasse warte und reflexthaft das Handy aus der Handtasche fische. Anstatt mich einfach mal zu freuen, nichts tun zu müssen. Ich arbeite dran! Denn letztens, als ich mein Handy beim Einkaufen vergessen hatte, stellte ich fest, dass es wirklich witzig sein kann, an der Kasse zu rätseln, was die anderen Leute wohl aus ihren Einkäufen kochen wollen...

KLÜVERS CHAOS-KOLUMNE

Nathalie Klüver ist Journalistin, Mama-Reporterin und bloggt als "Ganz normale Mama" von den Tücken des Alltags mit drei Kindern (zwei, sechs und neun Jahre alt). In ihrer Kolumne schreibt sie u.a., warum sie pastellfarbene Kinderzimmer bei Insta und Co. nicht mehr sehen kann. Und wieso es unperfekt viel besser ist.

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