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Mit Baby im Auto sicher unterwegs

"Hinten rechts"

Was zeichnet eine gute Babyschale aus? Wo ist der sicherste Platz für kleine Passagiere? Und warum reisen sie am besten rückwärts? Andreas Ratzek vom ADAC weiß, worauf es ankommt, wenn das Baby an Bord ist.

wireltern.de: Herr Ratzek, mit welchem  Rückhaltesystem muss man einen Säugling im Auto sichern?

Mit einer Babyschale der Kindersitzgruppe 0 oder 0+. Sie ist für Kinder mit einem Körpergewicht bis neun bzw. 13 Kilogramm geeignet. Möglich ist auch, das Neugeborene in einem Kinderwagenaufsatz zu transportieren. Diese Systeme sind bis zu einem Maximalgewicht von zehn Kilogramm zugelassen.

Und worin unterscheiden sich beiden Modelle sonst noch?

In der Babyschale reist das Baby halbsitzend entgegen der Fahrtrichtung. Im Kinderwagenaufsatz wird es liegend transportiert. Das schont zwar die empfindliche Wirbelsäule, beansprucht aber auch viel Platz, weil man den Kinderwagenaufsatz quer auf den Rücksitzen einbauen muss. Die Babyschale lässt sich vorne und hinten im Auto montieren. Wichtig: Beim Einbau auf dem Beifahrersitz unbedingt den Airbag ausstellen!

Kann man Isofix-Sitze in jedem Fahrzeug verwenden?

Nein. Nur in denen, die die Haken haben, um den Kindersitz fest mit der Fahrzeugkarosserie zu verbinden. Isofix ist in den meisten Neuwagen mittlerweile serienmäßig erhältlich, manche ältere Pkw haben es allerdings nicht. Ob der Sitz ins eigene Fahrzeug passt, kann man der Typliste entnehmen, die Sitz- und Fahrzeughersteller herausgeben.

Sind diese Rückhaltesysteme besonders sicher?

Isofix-Babyschalen zeichnen sich in erster Linie durch ihre Bedienfreundlichkeit aus: Man kann sie ganz einfach per Knopfdruck aus der Basis nehmen und sie genauso einfach wieder installieren. Bei Modellen ohne Isofix ist das An- und Abschnallen aufwändiger.

Welcher Platz ist für kleine Passagiere der sicherste im Auto?

Ich empfehle, den Nachwuchs hinten rechts unterzubringen. So kann das Kind gefahrlos auf der Gehwegseite aussteigen, wenn es größer ist. Zudem lassen sich einige Kindersitzmodelle gar nicht oder nur bedingt auf dem Beifahrersitz installieren.

Worauf sollten Eltern beim Kauf einer Babyschale achten?

Mein Tipp: Sich vorher informieren, welche Modelle es gibt und evtl. schon mal eine Auswahl treffen. Unabdingbar ist außerdem eine Einbauprobe im Fahrzeug. Wenn das Kind älter ist, sollten es die Eltern zum Kauf mitnehmen und den Sitz testen lassen.

Muss nach einem Unfall zwangsläufig ein neuer Sitz her?

Nach einem schweren Crash begutachtet in der Regel ein Sachverständiger den Schaden an Auto und Kindersitz. Er kann sicher sagen, ob der Sitz reif für den Schrott ist. Bei kleineren Kollisionen und wenn kein Experte vor Ort ist, rate ich Eltern, das Rückhaltesystem genau unter die Lupe zu nehmen – und es im Zweifelsfall lieber zu entsorgen.

Was ist mit gebrauchten Kindersitzen?

Nur kaufen, wenn Herkunft und Vorgeschichte bekannt sind – am besten von Verwandten oder Bekannten. Von vermeintlichen Schnäppchen aus Internetauktionen sollte man lieber die Finger lassen. Unbedingt darauf achten, dass der Sitz komplett und die Bedienungsanleitung vorhanden ist.

Wann ist es Zeit für einen Wechsel in einen größeren Kindersitz?

Eltern sollten die Babyschale so lange wie möglich verwenden. Sie  bietet nämlich gerade kleinen Kindern bei einem Frontalaufprall Sicherheit, weil Kopf und Oberkörper in den Sitz gedrückt werden und die  Belastungen für Kopf und Nacken deutlich geringer sind als bei vorwärtsgerichteten Systemen. Ein neues Modell ist erst erforderlich, wenn der Kopf am oberen Ende der Babyschale angekommen ist.

Einen letzten Tipp, den Sie Eltern für eine entspannte Autofahrt mit Baby auf den Weg geben?

Grundsätzlich ist das Auto nicht der beste Platz für ein Neugeborenes. Deshalb empfehle ich Eltern, in den ersten Monaten nur die nötigsten Fahrten zu unternehmen. Und wenn sie dann noch regelmäßig längere Pausen einlegen, erreichen sie sicher stressfrei das Ziel. 

Unser Experte

Dipl.-Ing. (FH) Andreas Ratzek, Projektleiter im Bereich Fahrzeugsicherheit des ADAC Technik Zentrums Landsberg am Lech

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