Tierische Abenteuer

Ökotourismus auf Korfu

Wenn der Esel ausbüxt und ein Schaf die Flasche braucht, werden Stadtkinder schnell zu Naturfreunden.

„Wer will nachher Esel Paulchen führen, wenn wir einen Bio-Bauern besuchen?“, fragt unser Reisebegleiter Alexis in die Runde. Alle Kinder sind begeistert und machen sich bereit für einen Wettlauf. „Wer die Felswand dahinten berührt und dann als Erstes wieder hier ist, hat gewonnen und darf Paulchen führen.“ Und schon geht es los. Die Kinder stürmen lachend davon. Ich beobachte sie amüsiert. Jannis stolpert im Sand, rappelt sich aber sofort wieder auf und ist unserem Micha dicht auf den Fersen. Kurz darauf lässt sich Micha schnaufend neben uns in den Sand fallen – er hat es geschafft und ist als Erster im Ziel.
 

Öko auf Korfiotisch

Unsere zweiwöchige Reise ins Honigtal im Nordwesten der griechischen Insel Korfu steht ganz unter dem Motto „Natur und Umwelt“. Unser Sohn Micha (8) hatte sich „wegen der Umwelt“ geweigert zu fliegen, und so sind wir mit dem Zug nach Italien und von dort aus mit der Fähre nach Korfu gelangt. In der Schule gab es eine Projektwoche zum Thema „Klimaschutz“, und nun werden wir als Eltern alle Nase lang gemaßregelt: Wir müssen einen Bio-Mülleimer anschaffen, dürfen nicht mehr fliegen, und das Auto soll stehen bleiben. Mal sehen, wie viel Öko wir hier auf Korfu leben können. Auch hier gibt es seit einiger Zeit bio­logisch angebaute Lebensmittel – das war noch vor etwa zehn Jahren in Griechenland undenkbar. Und sogar der kleine Supermarkt um die Ecke führt Bio-Lebensmittel. Gleich bei unserer Ankunft weist uns Alexis darauf hin, dass wir der Umwelt zuliebe doch bitte sparsam mit Strom und Wasser umgehen mögen. Das machen wir zu Hause ja ohnehin schon. Das Trinkwasser kommt hier direkt aus den Bergen der Insel. Wir haben uns ein Studio im Haus Dimitri gemietet. Da wir möglichst viel Zeit draußen verbringen wollen, reichen uns die bescheidenen, aber gemütlichen Räumlichkeiten. Allerdings wird nur einmal pro Woche geputzt. Das spart zwar Wasser, führt aber dazu, dass sich eine Menge Sand auf dem Fußboden ansammelt.

Eseltrek mit Zwischenfall

Die Wanderung zum Bio-Bauern gemeinsam mit Alexis und Esel Paulchen ist für Micha ein aufregendes Highlight – zumindest erwartet er das. Aber Paulchen will nicht immer so wie Eselführer Micha. Ständig bleibt er stehen, um unter­wegs etwas zu futtern, sodass Micha all­mählich leicht genervt von dem „süßen“ Dickkopf ist. Aber da muss er jetzt durch. Unterwegs beobachtet Micha eine kleine Bergziege, die flink die steilen Felsabhänge
hinauf- und hinabkraxelt, während wir ihr mit Esel Paulchen etwas abseits auf dem Waldwanderweg unauffällig folgen. Gedankenverloren lässt Micha bei ihrem Anblick Paulchens Strick los, was er sofort bereut: Denn der sonst eher bedächtige Esel merkt, was Sache ist, stürmt kurz entschlossen los und scheint nicht mehr Halt machen zu wollen. Zum Glück weiß Alexis sofort, was zu tun ist und fängt ihn wieder ein. Micha möchte den Esel jetzt lieber nicht mehr führen, und auch die anderen Kinder haben das Interesse ver­loren. Alexis kennt das schon und lässt einen seiner Sprüche fallen: „Von Ausdauer noch nichts gehört, was?! Bei uns wird nicht gekniffen.“ Und so muss Micha noch einmal ran, und wir sind Alexis dankbar, dass er kurzzeitig die Kindererziehung übernimmt.
 

Ungespritzt vom Baum

Beim Bauernhof angekommen, bietet uns die Bäuerin Feigen zum Probieren an. Micha hat – genauso wie wir – noch nie eine Feige direkt vom Baum gegessen. „Kann man die Schale mitessen?“, fragt er und tut es Alexis nach, der einfach hineinbeißt. „Keine Sorge, die Schale ist unbe­handelt“, sagt Alexis, als er mein irritiertes Gesicht sieht. Die Bäuerin nimmt uns mit in ihre Küche, wo es dampft und duftet. Sie kocht Marmelade aus dem frisch geernteten Obst. Auch hier dürfen wir probieren. „Mmh, lecker“, findet auch Micha. Im Hofladen kaufen wir eine Flasche Olivenöl als Mitbringsel für Oma und Opa und besuchen zum Abschluss noch den Hühnerstall. Micha und sein neuer Freund Jannis dürfen die Eier aus dem Nest nehmen. „Die sind ja noch ganz warm“, freuen sie sich. Platsch! Da landet auch schon eines auf dem Boden und die Hennen gackern lauthals los, als wollten sie protestieren. „Macht nichts“, sagt Alexis, der uns mit seiner Gelassenheit beeindruckt.

Frische Luft macht müde

Am Nachmittag sammelt Alexis mit den Kindern Holz für ein Lagerfeuer am Strand in der Bucht von Agios Georgios – 500 Meter von unserer Unterkunft entfernt. Die Kinder sind nach dem turbulenten Bauernhof-Ausflug froh, dass sie sich am Feuer beim Stockbrot-Backen ausruhen können. Doch Alexis sprüht noch immer vor Energie und macht Witze: „Hey, wusstet ihr nicht, dass man Algen essen kann? Die machen sich gut im
Salat, wenn wir sie über dem Feuer rösten!“ Die Kinder glauben ihm kein Wort, doch das stört ihn nicht. Er albert weiter herum. Als das Lagerfeuer ausgebrannt ist, bringt Alexis die Kinder zurück. Heute steht noch ein korfiotischer Grillabend auf dem Programm. Der Grillpavillon aus dicken Zypressenstämmen mit Blick auf den Olivenhain bietet für alle Gäste genug Platz. Es gibt heimische Köstlichkeiten – Gemüsespieße und Steaks von Lamm oder Schwein, natürlich aus der Region. Das schmeckt. Wir essen, bis wir fast platzen. Und Micha darf nach dem Grillen noch ein junges Schaf mit der Flasche füttern. Darüber freut er sich besonders. Beim Aufräumen wundern wir uns über die nicht vorhandene Müll­trennung. Die ist leider noch nicht bis ins Honigtal vorgedrungen, erklärt uns Alexis. Essensreste und Plastiktüten kommen in dieselbe Tonne.
 

Mücken und Sirtaki

Anders als zu Hause freut sich Micha nach diesem aufregenden Tag schon auf sein Bett. Zum Glück gibt es die orangefarbenen Moskitonetze, die standardmäßig über jedem Bett hängen, denn gerade in den Abendstunden sind die Mücken hier ziemlich lästig. Doch Insektenspray wäre nicht „öko“ genug. Micha denkt nicht an die Plagegeister, findet das Netz aber dennoch toll und baut sich ein „Sonnenbett“ daraus. „Es ist, als würde die Sonne in meinem Bett untergehen – voll gemütlich“, meint er freudestrahlend und
kuschelt sich in sein Kissen. Das wünsche ich mir zu Hause auch mal: Schlafenszeit um halb neun – ohne Sonnenbett wäre das nicht denkbar. Vielleicht liegt es aber auch an der vielen frischen Luft …

Micha beteuert, dass er sicher gut schlafen könne und wir ruhig zur Sirtaki-Stunde in die Taverne gehen sollen. Also beginnen mein Mann und ich mit den anderen Eltern zu stimmungsvoller Live-Musik, Sirtaki zu lernen. Ein Tanz, bei dem man sich nebeneinander in einer Reihe aufstellt und die Arme über die Schultern des Nachbarn legt. Die Musiker haben eine beneidenswerte Ausdauer und auch wir vergessen über Choreografien und stolpernden Schritten die Zeit. Als wir ins Zimmer zurückkommen, ist Micha hellwach und beschwert sich über die Mücken, die irgendwie einen Weg in sein Netz gefunden haben. Das ist ihm dann doch etwas zu viel Natur und er bereut, dass wir kein Insektenspray haben. Zum Glück kann er morgen ausschlafen.

Korfu-Infos

„Abenteuer Natur – Im Honigtal auf Korfu“: In der Hochsaison (11. Juni bis 10. September 2011) kosten sieben Übernachtungen im Studio mit Halbpension pro Erwachsenem 370 Euro, pro Kind zwischen vier und zwölf Jahren 260 Euro und pro Kind unter vier Jahren 75 Euro. Kinderprogramm und Reisebetreuung inklusive.
Infos: www.renatour.de

Klimafreundliche Anreise
Ohne Flug zum Beispiel ab München mit dem Zug nach Venedig, dann mit der Fähre nach Korfu und mit dem Bus vom Hafen zum Feriendomizil.

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