Urlaubsplanung in Zeiten von Corona

Urlaub 2021: buchen oder nicht?

Die Pandemie nervt, der Winter ist kalt, das Nervenkostüm dünn: Wir sehnen uns nach Sonne, Sommer, Strand und sind urlaubsreif! Dennoch ist dieses Jahr alles anders beim Reisenbuchen. Wir haben zehn Dinge aufgeschrieben, die Familien wissen sollten, bevor sie Urlaub planen.

1. Frühbucherrabatte und Schnäppchenpreise

Die Reiseveranstalter trommeln bereits, werben mit Riesen-Rabatten für die Sommer-Saison. Diese Angebote sind natürlich verlockend. Leider aber ist die tatsächliche Entwicklung der Situation rund um das Coronavirus noch immer schwer vorherzusehen. Wer im Ausland urlauben und ganz sichergehen will, sollte deshalb mit der Buchung noch warten. "Zumindest bei Pauschalreisen besteht zwar ein gewisser Schutz", sagt Volljurist Christian Günther. "Die Reiseanbieter müssen Kunden einen Sicherungsschein aushändigen, bevor sie von ihnen Zahlungen annehmen dürfen. Er dient als Nachweis für die Absicherung des bereits gezahlten Reisepreises." Die Absicherung ist allerdings gesetzlich auf 110 Millionen Euro je Reiseveranstalter und Geschäftsjahr begrenzt. Reicht diese Summe nicht aus, könnte der Bund einspringen. Das ist jedoch nicht garantiert.

2. Vorsicht bei kostenlosen Stornierungen

Viele Anbieter passen ihre AGB an und ermöglichen kurzfristige Umbuchungen oder gar den kostenlosen Rücktritt. Hier bitte unbedingt das Kleingedruckte lesen und checken, ob die gebührenfreie Stornierung auch wirklich bis zum Antritt der Reise möglich ist. Regulär ist dies laut Gesetz nur möglich, wenn "unvermeidbare außergewöhnliche Umstände am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe" auftauchen, sagt Christian Günther. Das könne auch "eine zwischenzeitlich ausgesprochene amtliche Reisewarnung für das Reiseziel" sein, einigen Gerichten genügt bereits eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Coronavirus am Urlaubsort. Übrigens: In diesem Falle müsst ihr keine Gutscheine annehmen, sondern könnt eine Rückerstattung des bereits bezahlten Betrages verlangen. Natürlich kann sich die Gesetzeslage infolge der Krisensituation jederzeit ändern. Könnt ihr den Urlaub "selbstverschuldet" (also z.B. wegen Krankheit) nicht antreten, greift eine Reiserücktrittsversicherung (s. Punkt 5).

3. Wenn Flüge gecancelt werden

Wer die Flüge unabhängig von der Unterkunft bucht, bleibt leider häufig auf den Kosten sitzen – selbst wenn das Reiseziel zum Risikogebiet erklärt wird. Denn Airlines fliegen in der Regel, solange die Grenzen geöffnet sind: Sie müssen ja nur von A nach B und wieder zurück. Bei einer entsprechenden Auslastung der Maschine werden sich die Fluggesellschaften aus wirtschaftlichen Gründen in den meisten Fällen dagegen entscheiden, den Flug zu annullieren. Nichtreisende bekommen dann im besten Fall die Steuern und Gebühren zurück. Wird der Flug tatsächlich pandemiebedingt gestrichen (z. B. bei einer kurzfristigen Grenzschließung), habt ihr verschiedene Möglichkeiten. Startet oder landet der Flieger an einem EU-Flughafen, gilt die Fluggastrechteverordnung: "Das heißt, dass die Rückzahlung des Ticketpreises binnen sieben Tagen, ein Alternativflug oder eine Umbuchung verlangt werden kann", so Jurist Christian Günther. Zusätzliche Entschädigungen für ausgefallene oder verspätete Flüge gibt es nur, wenn die Fluggesellschaft das beeinflussen konnte.

4. Reisewarnungen im Blick behalten

Wer Urlaub in einem Land bucht, in dem im Moment noch eine Reisewarnung gilt, geht nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch ein finanzielles Risiko ein, wenn der Reiseveranstalter hierfür keine zusätzlichen Regelungen anbietet. Christian Günther: "Im alten Reiserecht galt: Wer eine Reise bucht, die voraussehbar wegen höherer Gewalt ausfällt, kann nicht kostenfrei stornieren. Im seit Juli 2018 geltenden Reiserecht fehlt diese klare Regelung. Es ist deshalb davon auszugehen, dass erst die Gerichte Klarheit schaffen." Beim Auswärtigen Amt könnt ihr die Liste der Länder mit Reisewarnungen jederzeit checken. Fest steht bereits: Viele Familien werden erneut auf Urlaub in Deutschland setzen. Hier empfiehlt es sich tatsächlich, bereits jetzt nach (stornierbaren) Unterkünften zu schauen. Denn die typischen Ferienregionen werden schnell ausgebucht und dann irgendwann sehr teuer sein.

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5. Reiserücktrittsversicherung buchen oder aufstocken

Selten zuvor hat eine Rücktrittsversicherung so viel Sinn gemacht wie in diesem Jahr. Die günstigsten Varianten gibt es ab vier Euro pro Monat – und das lohnt sich, wenn ihr eine Reise im Fall von Krankheit nicht antreten könnt. Bei einer Familienversicherung greift die Versicherung für alle Familienmitglieder, auch wenn nur eine/r von euch erkrankt ist. Bitte genau hinschauen: Einige Versicherungen klammern die Pandemie aus! Solltet ihr bereits eine Reiserücktrittsversicherung haben, schaut mal in euren Unterlagen nach, wie hoch der Anteil ist, der erstattet wird. Oft lässt sich die Versicherung für kleines Geld aufstocken, für ein paar Euro mehr bekommt man häufig die 100-prozentige Kostendeckung, sodass sich der Selbstbehalt auf null reduziert. Übrigens verlangen die Versicherungen ein Attest – die Angst zu Reisen genügt nicht.

6. Einlösen der "alten" Gutscheine

Solltet ihr 2020 Gutschriften als Entschädigung für gebuchte Pauschalreisen erhalten haben, müsst ihr darauf achten, um welche Art es sich handelt. Bei Rücktritt von einer vor dem 8. März 2020 gebuchten Pauschalreise gilt die sogenannte Gutscheinlösung. Entsprechende Gutscheine sind bei Nichteinlösung bis Ende 2021 auszuzahlen und extra abgesichert. Bei anderen Gutschriften bitte auf das Ablaufdatum achten. "Wird ein Urlaub erneut abgesagt, weil z. B. das Ziel zum Risikogebiet geworden ist, können Reisende erneut zwischen Rückzahlung und einem neuen Gutschein wählen", so Günther.

7. Das eigene Auto als Schutzraum

Studien zufolge verreisten in Deutschland 2020 rund 30 Prozent mehr mit dem Auto als in den Vorjahren. Dieser Trend wird sich 2021 vor allem bei Familien fortsetzen. Folge: Es wird mehr Stau auf unseren Straßen geben. 

8. Alles anders im Hotel

Viele bevorzugen nicht nur die Fahrt mit dem Auto, sondern auch Unterkünfte wie Ferienwohnungen oder -häuser (s. auch Punkt 10). Trotzdem ist es nachvollziehbar, dass gerade viele Eltern sich nach den anstrengenden Corona-Monaten im Hotel verwöhnen lassen wollen. Fragt hier bitte explizit nach, wie die Corona-Regeln vor Ort sind. Viele Anbieter, die in den Katalogen noch mit Kinderclub und großem Entertainment werben, können in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen nur die abgespeckte Version anbieten (zum Beispiel Kinderbetreuung nur an der frischen Luft etc.). Auch in den Restaurants wird es (zu Recht!) noch immer besondere Schutzmaßnahmen geben, vor allem an den Buffets.

9. Urlaub nur mit Impfung?

Die Fluggesellschaft Qantas hat einen Vorstoß gewagt: Sie möchte von jedem Flugpassagier einen Corona-Impfnachweis haben. Das ist rechtlich in Ordnung, bestätigt Christian Günther. In diesem Bereich herrsche Vertragsfreiheit. "Passagiere sind ja nicht gezwungen, mit Qantas zu fliegen. Die Fluggesellschaft kann den Vertragsschluss daher von einer Impfung abhängig machen." Es sei auch denkbar, dass deutsche Fluggesellschaften künftig einen Transport ohne Impfnachweis verweigern. Dem Juristen zufolge komme es dazu aber eher durch die Impfpflicht in einzelnen Ländern, die die Einreiseerlaubnis davon abhängig machen. "Die Haltung europäischer Länder zu Impfpflichten ist unterschiedlich. In mehr als zehn EU-Ländern gibt es bereits Impfpflichten, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. Mitunter gelten sie nur für eine bestimmte Krankheit oder bis hin zu 14 wie in Lettland." In Deutschland enthalte Paragraf 20 im Infektionsschutzgesetz eine Grundlage für eine beschränkte Impfpflicht, von der bisher aber noch kein Gebrauch gemacht wurde. Lediglich die Masernimpfung ist seit 2020 in Kitas und Schulen Pflicht.

10. Sicher urlauben mit Oma und Opa

Einige Großeltern werden bis zum Sommer längst geimpft sein – für alle, die noch nicht an der Reihe waren, aber trotzdem mit den (Enkel-)Kindern urlauben wollen, hat Simone Clemens von Landal GreenParks eine Idee: "Ferienparks sind in diesem Jahr die optimale Lösung für Familien: Hier kann man für die Großeltern oder auch Freunde einfach ein Ferienhaus nebenan buchen, sich draußen mit ihnen treffen – und trotz Abstand einen gemeinsamen Urlaub verbringen." Tatsächlich hatte Landal bereits im vergangenen Sommer viermal so viele Buchungen wie sonst. Im Frühling und Winter waren die deutschen Parks wegen des Beherbergungsverbotes geschlossen. 

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Unser Experte

Christian Günther

... ist Volljurist und Redakteur bei anwalt.de. Die Beratungsplattform vermittelt seit 15 Jahren Anwälte an Ratsuchende, arbeitet dafür mit über 18.000 Rechtsanwälten und Kanzleien zusammen und veröffentlichte bereits mehr als 80.000 Tipps zu diversen rechtlichen Belangen.

Mehr Infos zu Reisen während der Corona-Pandemie gibt es auch unter: anwalt.de/rechtstipps/corona_reisen

Autorin: Claudia Weingärtner

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