Dein Leben-und-erziehen.de-Newsletter

Alles über die Themen Schwangerschaft, Erziehung & Gesundheit

Tierschutz

Zoo? Nein danke!

Ein Ausflug in den Zoo ist für Eltern so normal wie der Besuch im Schwimmbad. Für unsere Autorin Jana nicht. Elefanten in Ketten, Affen hinter Gittern und Vögel mit gestutzten Flügeln tut sie sich und ihrem Kind nicht an.

Wenn ich meinen Sohn aus der Kita abhole, frage ich mich jeden Tag aufs Neue, wie wir den Nachmittag füllen. Kleine Kinder wollen schließlich beschäftigt werden. Also gehen wir auf den Spielplatz, ins Schwimmbad oder zum Turnen. Aber: Wir gehen nicht in den Zoo!

Wir wohnen in Hamburg, und ich habe nicht wenige Freunde, die eine Jahreskarte für Hagenbecks Tierpark besitzen. In Köln bekommen Paare zur Geburt ihres Nachwuchses sogar eine Jahreskarte für den Zoo geschenkt. Ich weiß, dass Kinder Tiere faszinierend finden und dass der Ausflug in einen Tierpark für viele ein absolutes Highlight ist. Mich machen Zoos einfach nur unendlich traurig! Es sind Tiergefängnisse, die einzig der Unterhaltung von Menschen dienen, ohne Rücksicht auf das Leid der Lebewesen zu nehmen.

kinder! im Abo

kinder! setzt sich intensiv mit den erzieherischen und unterhaltenden Themen auseinander, die Eltern und Kinder interessieren und beschäftigen.

Mehr Infos

Zoos sind nicht mehr zeitgemäß

Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass die wenigsten Tiere artgerecht gehalten werden. Vögeln werden die Flügel gestutzt, damit sie nicht wegfliegen können, Elefanten werden in Ketten gelegt und Einzelgänger wie Eisbären leben in winzigen Gehegen zusammen mit Artgenossen. Die wenigsten Tiere können unter solchen Bedingungen ihre natürlichen Verhaltensweisen oder Bedürfnisse ausleben. Und doch wird immer wieder behauptet, Zoos würden Wissen vermitteln. Ich frage mich ernsthaft, was Kinder beim Anblick dieser Tiere lernen sollen? Sie können nicht sehen, wie ein Löwe in freier Wildbahn jagt – und eine Schaufütterung kann das sicherlich nicht ersetzen. Sie können nicht beobachten, wie ein Gepard, das schnellste Tier der Welt, rennt – sie können höchstens sehen, wie es verhaltensgestört an einem Zaun auf- und abläuft. Und sie können auch nicht die Flügelspannweite eines Uhus von rund 1,50 Meter bestaunen, weil die Voliere zum Fliegen viel zu klein ist. Damit nicht genug: Gehen wir mit unseren Kindern in den Zoo, zeigen wir ihnen doch, dass es in Ordnung ist, Tiere einzusperren und zu quälen. Kann man das wirklich gutheißen?

Die ersten Zoos entstanden übrigens Ende des 18. Jahrhunderts – mit Menschen! Bei dieser "Völkerschau" wurden "Lilliputaner", "Rothäuter" oder "Neger" zur Schau gestellt. Später wurden die "wilden Menschen" dann durch "wilde Tiere" ersetzt. Heute wäre es völlig undenkbar, Menschen einzusperren und vorzuführen. Warum aber genau ist dieses Verhalten bei Tieren nicht verwerflich?

Zirkus mal anders

Das Umdenken, das ich mir von Zoos wünschen würde, findet bei Zirkussen zum Teil schon statt. Viele von ihnen haben seit Jahren mit rückläufigen Zuschauerzahlen zu kämpfen. Kein Wunder: Schließlich war bzw. ist das Leid der Tiere hier noch offensichtlicher. Viele Städte und Gemeinden haben mittlerweile sogar ein Verbot für Zirkusse mit bestimmten Wildtierarten für kommunale Flächen erlassen. Richtig so! Denn kein Löwe sollte durch einen brennenden Reifen springen müssen, kein Nashorn sollte in einem winzigen Laster tagein, tagaus quer durchs Land transportiert werden. Dass es auch anders geht, zeigt Zirkus Roncalli. Zwar gibt es in der neuen Show "Storyteller" Elefanten und Pferde zu sehen – jedoch nur in Form von riesigen Hologrammen. "Es ist nicht mehr zeitgemäß, mit Tieren in der Hitze stundenlang über Autobahnen zu fahren", so Zirkusdirektor Bernhard Paul in einer Pressemitteilung. Auf echte Tiere wird in der Manege ganz bewusst verzichtet.

Für viele Mütter bin ich die Spielverderberin

Viele meiner Freundinnen sind überrascht, wenn ich ihnen sage, dass wir nicht in den Zoo gehen. Erkläre ich meine Beweggründe, höre ich dann häufig ein "Ja stimmt" und blicke in leicht beschämte Gesichter. Natürlich wissen viele um die fragwürdigen Lebensbedingungen der Tiere in Zoos, trotzdem gehen die meisten leider doch hin. Genau hier liegt meiner Meinung nach das Problem. Zoos werden überwiegend von Familien besucht. Das besagen auch die Statistiken. Und so lange Zoos viele Besucher bekommen und somit auch viel Geld verdienen, wird es sie auch weiterhin in der jetzigen Form geben. Wir Eltern hätten also theoretisch die Macht, etwas zu ändern: Stellt euch vor, es gäbe Zoos, aber keiner ginge hin ...

Alternativen zum Zoo

  • Tiere im TV: Es gibt unzählige Tier-Dokumentationen für Kinder jeden Alters – im Fernsehen, auf den Internetseiten der Sender oder auch bei YouTube. Beim Bayerischen Rundfunk (BR) kann man sich "Paula, Anna und die wilden Tiere" anschauen. Die beiden Mädels sind in der ganzen Welt unterwegs und entdecken in jeder Folge ein neues wildes Tier. Und natürlich erklären sie auch ganz viel, zum Beispiel warum ein Zebra Streifen hat oder ein Elefant nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Rüssel und den Füßen hören kann.  
  • Mehr als nur Milch: Viele Bauernhöfe leben nicht mehr alleine von der Landwirtschaft, sondern haben sich ein zweites Standbein als sogenannten Erlebnisbauernhof aufgebaut. Hier können Kids Trecker fahren, auf den Heuboden klettern und häufig auch Schafe, Ziegen, Esel, Ponys oder Hasen streicheln.
  • Gassi gehen: In vielen Tierheimen kann man sich einen Hund "ausleihen" und mit ihm spazieren gehen.
  • Raus aufs Land: Gerade Stadtkinder bekommen nur selten Tiere zu Gesicht. Wenn man ein wenig rausfährt, lassen sich auf Weiden Kühe, Schafe und Pferde beobachten. Vielleicht sogar streicheln.
  • Ab zur Auffangstation: Viele Tierschutzorganisationen betreiben eigene Projekte wie zum Beispiel "Vier Pfoten" den Bärenwald Müritz inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte. Hier kann man – mit ein wenig Glück – 16 Braunbären entdecken, die aus nicht artgerechter Haltung befreit wurden. Die Bären dürfen sich auf einem 16 Hektar großen Gelände bewegen und sollen so ihr natürliches Verhalten wiederentdecken. Da sie sich auch verstecken dürfen, braucht man schon ein wenig Geduld und Glück, um ihnen zu begegnen. Aber so ist das halt in der "freien Natur".

Zum Weiterlesen:

Kinder sind sensibel. Daher sollte man ihnen behutsam erklären, warum man den Zoo nicht (mehr) besuchen möchte und warum es den Tieren dort nicht gut geht. Die Tierschutzorganisation "Peta" hat eine eigene Seite speziell für Kids, wo auf kindgerechte Art Tierschutz vermittelt wird. Es gibt zum Beispiel einen Artikel, der fünf Gründe nennt, warum Zoos kein Spaß für Tiere sind: www.petakids.de.

Profilbild

Unsere Autorin

Jana Kalla

Jana Kalla ist freiberufliche Journalistin und war viele Jahre lang hauptsächlich im Beauty-Kosmos unterwegs.

Seit sie einen eigenen kleinen Sohn hat, ist ihr Leben nicht nur um einiges turbulenter geworden, es hat auch dazu geführt, dass sie ihr Themenspektrum erweitert hat. Und was könnte es Schöneres geben, als über Windeln und Wimperntusche zu schreiben?

Teile diesen Artikel: